Zwölf Millionen Euro, die Uganda viel kosten könnten

Fünf europäische Länder haben ihre Zahlungen eingefroren - Österreich könnte sich anschließen

Irgendwo in Uganda sind zwölf Millionen Euro verschwunden. Das ist nicht viel im Vergleich zu jenen 1,7 Milliarden, die Uganda pro Jahr etwa an Entwicklungshilfe aus dem Ausland erhält - doch der Verlust könnte das Land noch teuer zu stehen kommen: Fünf europäische Staaten haben ihre Hilfszahlungen bereits eingefroren, am Montag könnte sich eine Reihe weiterer Länder dem Boykott anschließen - darunter auch Österreich.

Die verschwundenen Millionen stammten aus einem Hilfsfonds für den extrem armen Norden des Landes. Gespendet wurde das Geld von Irland, Schweden, Dänemark und Norwegen. 17 Mitarbeiter des ugandischen Finanzministeriums, des Office of the Prime Minister und der Bank of Uganda sollen die Hilfsgelder zwischen 2010 und 2012 zur Seite geräumt haben - wohin, ist bisher noch unklar. Lokale Medien spekulieren, dass damit unter anderem ein Mercedes für den Premierminister bezahlt wurde. Die Staaten, deren Hilfsgelder veruntreut wurden, haben ihre Zahlungen vorerst eingestellt, auch Großbritannien überweist kein Geld mehr.

Kürzungen befürchtet

Zwar gehört Korruption in Uganda zum Alltag - der aktuelle Fall habe aber "das Fass zum Überlaufen gebracht", hieß es aus diplomatischen Kreisen. Auch die Weltbank und China erwägen nun, Zahlungen an die ugandische Regierung zu kürzen oder vorrübergehend einzustellen. Am Montag wollen sich Vertreter der Geberländer in Kampala treffen und über das weitere Vorgehen beraten. Österreich hat bereits Hilfsgelder zurückgehalten - mit neun Millionen Euro pro Jahr ist Uganda derzeit der größte Empfänger von österreichischer Entwicklungshilfe.

In dem Land selbst schlägt der Fall hohe Wellen, die Angst vor Kürzungen ist groß: Hilfsgelder machen immerhin zehn Prozent des Bruttonationaleinkommens aus. Die ugandische Regierung hat mittlerweile versprochen, das Geld zurückzuzahlen, die Geberländer pochen aber auf Reformen im Finanzwesen und mehr Transparenz bei der Abwicklung von Hilfszahlungen, bevor sie wieder Geld überweisen wollen. (Tobias Müller aus Kampala, DER STANDARD, 19.11.2012)

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