"Gegenüberstellung von Ethik und Religion ist fatal"

Interview | Lisa Nimmervoll, 18. November 2012, 18:07
  • "Religion ist ein bekenntnis-orientiertes Fach. Ethik ist eine philosophische Disziplin."
    foto: der standard/cremer

    "Religion ist ein bekenntnis-orientiertes Fach. Ethik ist eine philosophische Disziplin."

Manfred Zimmermann, zentral am Pflicht-Ethikunterricht in Berlin beteiligt, über Werteunterricht und kirchlichen Widerstand

STANDARD: Berlin hat mit 2006 verpflichtenden Ethikunterricht für alle Schüler der 7. bis 10. Klasse (zwei Wochenstunden) eingeführt. Gab es dafür einen konkreten Anlass?

Zimmermann: Ja, konkreter Anlass war die Ermordung der 23-jährigen Hatun Sürücü im Februar 2005 durch ihren jüngsten Bruder. In Berlin aufgewachsen, wurde sie mit 16 mit einem Cousin in Istanbul zwangsverheiratet, sie überwarf sich mit der strenggläubigen Familie ihres Mannes, kehrte schwanger nach Berlin zurück, legte dort den Schleier ab, bezog eine eigene Wohnung, holte den Hauptschulabschluss nach und machte eine Lehre als Elektroinstallateurin. Da dieser Mord im Internet auch verklärt wurde, wurde immer lauter gefordert, man müsse " westliche Werte" wie Toleranz und Gewaltfreiheit stärker vermitteln.

STANDARD: Gibt es auch Berlin-Spezifika?

Zimmermann: Berlin galt schon lange als säkulare Stadt, in der der Prozentsatz der nicht konfessionell gebundenen Einwohner doppelt so hoch ist wie im gesamten Bundesgebiet (61 Prozent gegenüber 32 Prozent). Die konfessionell gebundenen Einwohner verteilen sich auf über 140 eingetragene Religionsgemeinschaften. Schon durch das Grundgesetz wird Berlin - neben Bremen - von der Verpflichtung ausgenommen, Religion als ordentliches Schulfach einzurichten.

STANDARD: Wie wurde Ethik aufgenommen?

Zimmermann: Die Forderung nach einem neuen Werteunterricht wurde insgesamt positiv aufgenommen, die Oppositionsparteien machten aber schnell einen Gegenentwurf und forderten die Einrichtung eines Wahlpflichtbereichs, in dem die Religionen als Alternativfächer aufgenommen waren. So kam es zur folgenschweren Gegenüberstellung von gemeinsamem Werteunterricht und einem nach Religionen und Weltanschauungen getrennten Werteunterricht. Es folgten heftige Debatten, weil gegen ein staatliches verbindliches Wertefach erhebliche Vorurteile bestanden. Sie gründeten in der Skepsis gegenüber staatlicher Indoktrination (Nationalsozialismus, Staatsbürgerkunde und Marxismus-Leninismus in der DDR) und in der Skepsis gegenüber der Philosophie, die in Berlin erst seit 2004 ordentliches Schulfach ist und lange Zeit als staatsgefährdende Ideologie in der Tradition der Studentenbewegung (v. a. Kritische Theorie), angesehen wurde.

STANDARD: Wie reagierten die Kirchen auf Pflicht-Ethik?

Zimmermann: Der Berliner Senat hat sich verpflichtet, alle Belange, die irgendwie den Religionsunterricht in Berlin berühren, in einer gemeinsamen Kommission (katholische Kirche, evangelische Kirche, Staat) zu besprechen. Diese Kommission wurde vor dem Parlament, das ja eigentlich der Auftraggeber war, über die Planung (Name, Fachprofil, Rahmenlehrplanentwurf) informiert. Sie hatten sich aber schon aufseiten von CDU und FDP und ihrer Forderung nach einem Wahlpflichtbereich gestellt und lehnten jede Mitarbeit an dem neuen Fach ab.

STANDARD: Religionsvertreter sagen oft, das, was Ethik leistet, leistet Religionsunterricht schon lange, Wertevermittlung etc.

Zimmermann: Ich halte die Gegenüberstellung von Ethik und Religion für fatal. Im Zusammenhang mit beiden Fächern wird das Wort Wertevermittlung verwendet, es meint aber jeweils etwas grundsätzlich anderes. Religion ist ein bekenntnisorientiertes Fach, das ein festgelegtes Werte- und Normensystem vermittelt. Über andere Auffassungen wird gesprochen, aber sie sind immer schon Verlierer im Vergleich. Ethik ist eine philosophische Disziplin. Da geht es um einen Dialog unterschiedlicher moralischer Überzeugungen mit dem Ziel der Verständlichmachung, der Suche nach einer gemeinsamen Basis für das Zusammenleben, und das Nachdenken über Sinnvorstellungen. Es geht also vorwiegend um den Erwerb einer philosophischen Argumentationskompetenz.

STANDARD: Hat der Ethik-Unterricht Auswirkungen auf den Religionsunterricht?

Zimmermann: Religionsunterricht ist in Berlin ein freiwilliges, staatlich finanziertes Unterrichtsangebot der Religionsgemeinschaften in den Räumen der Schule. Der Staat hat zwar die Aufsichtspflicht darüber, dass Inhalte und Methoden mit den Grundprinzipien der Verfassung konformgehen, die Rahmenlehrpläne werden vom Staat geprüft, aber es gibt keine Noten, das Fach ist nicht versetzungsrelevant. Die zwei christlichen Kirchen haben immer als schwerstes Argument gegen den Ethikunterricht genannt, dass damit Religion aus der Schule verbannt würde. Tatsache ist aber, dass der Ethikunterricht eher das Interesse an Religion geweckt hat, sodass nach einem kurzen Rückgang die Teilnehmerzahlen am Religionsunterricht zugenommen haben.

STANDARD: Wer lehrt Ethik?

Zimmermann: Da das Studienfach Ethik an den Hochschulen erst eingerichtet werden musste, kommen jetzt erst langsam die ersten Absolventen. Außerdem dürfen alle Philosophielehrer Ethik unterrichten. Als Übergang wurden über 1000 Lehrkräfte mit anderen Fächern in einem drei Semester dauernden Kurs mit sechs Wochenstunden berufsbegleitend weitergebildet. Die Berliner Religionslehrkräfte sind bei den Religionsgemeinschaften beschäftigt, also keine staatlichen Lehrkräfte. Sie dürfen das Fach Ethik nicht unterrichten, da sie keine fachliche Qualifikation haben und keine Noten geben dürfen. Ausgenommen sind staatliche Lehrkräfte, die auch das Fach Religion haben. Sie dürfen nach Besuch der Weiterbildung Ethik auch Ethik unterrichten.

STANDARD: Was soll Ethik-Unterricht leisten?

Zimmermann: Der Ethikunterricht soll etwas ganz anderes sein als die übrigen Schulfächer: ein Denkraum, in dem ausgehend von persönlichen und gesellschaftlichen Fragestellungen und Konflikten nach Lösungen gesucht wird, die von Schülern unterschiedlicher religiöser und kultureller Zugehörigkeit akzeptiert werden können. Der Ethikunterricht soll wertgebunden sein, insofern als die Lehrkraft ihre Überzeugung vertreten soll und Wertsetzungen in die Argumentation des Ethikunterrichts einfließen. Er soll aber auch "weltanschaulich neutral" sein, indem viele Weltanschauungen und Religionen zur Sprache kommen und daraufhin geprüft werden, ob sie als Basis für unterschiedlich denkende Menschen geeignet sind. Es geht nicht um die Vermittlung einer Überzeugung, die Überzeugung der Schüler ist nicht Gegenstand der Bewertung.

STANDARD: Wie wird Ethik beurteilt?

Zimmermann: Bewertet wird im Ethikunterricht, inwieweit die Schüler in der Lage sind, ethisch zu reflektieren, das heißt inwieweit sie die philosophische Methode der Reflexion beherrschen. Konkret bedeutet das, dass sie in der Lage sind, zu verschiedenen Themen und Materialien ethische Fragen zu stellen (z. B.: Was bedeutet das für ...?), sich Hintergrundinformationen zu besorgen und verschiedene Standpunkte daraufhin zu prüfen, auf welche Prämissen sie zurückzuführen sind.

STANDARD: Wie viel hat die Einführung des Ethik-Unterrichts in Berlin gekostet?

Zimmermann: Leider hat das Parlament kein Geld für die Einführung des Faches bewilligt. Da die Stundenzahl nicht erhöht wurde, sondern die Stundenanteile der einzelnen Fächer neu verteilt wurden, fiel der entsprechende Teil für Unterrichtsmaterialien und Lehrerstunden an Ethik. Ethik ist unter hohem Zeitdruck eingeführt worden, weil im August 2006 die Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf zwölf Jahre verkürzt wurde. Die Stunden des 13. Jahrgangs mussten auf die übrigen zwölf Jahre verteilt werden. Dabei wurden einige Fächer gestärkt (z. B. Mathematik/Naturwissenschaften), andere leicht gekürzt (Musik/Kunst/Sozialkunde). (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 19.11.2012)

Manfred Zimmermann (65) war Lehrer für Deutsch, Philosophie, Mathematik, Physik und Darstellendes Spiel, von 2003 bis 2011 hatte er in der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft, Forschung die Fachaufsicht für Ethik, Philosophie und Religion. Er war im Rahmen der Vortragsreihe "Ethik vermitteln", die das Fachdidaktikzentrum Psychologie-Philosophie der Uni Wien in Kooperation mit dem Standard veranstaltet, in Wien. Vortrag zu hören auf http://fdz-pp.univie.ac.at.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 187
1 2 3 4 5
Ethik gehört in den Philosophieunterricht.

Politische Bildung und Wirtschaftskunde sind schließlich auch wichtig und trotzdem keine eigenen Unterrichtsfächer. Schubladendenken lernt man dann früh genug auf der Universität.

Die Idee ist generell nicht schlecht !

Ich finde trotzdem, dass so eine Entscheidung viel früher gefällt werden sollte und nicht nachdem eine Katastrophe passiert (wie hier: Mord einer jungen Frau)
Das ist üblich, heutzutage basieren alle Veränderungen auf dramatischen Ereignissen! Wir akzeptieren fremde Probleme nicht auf anhieb, erst wenn jemand verletzt oder sogar getötet wird, wachen wir auf und versuchen etwas dagegen zu unternehmen. Ich bin auch der Meinung, dass Menschen die wirklich Interesse an Ethik zeigen, sich selbst davon überzeugen werden, dass es nicht religionsfeindlich ist oder sonst etwas in der Art! Es soll den Menschen einfach von einer anderen Perspektive aus die Weltanschauung vermitteln.

Ich glaube es herrscht eine Verwirrung darüber was der Ethik Unterricht leisten soll.

Es geht darum das Kinder Ethische Fragen gemeinsam diskutieren und dabei die Kompetenz erlernen Ethik weltanschauungsunabhängig zu fassen. In dem sinne das sie darauf geschult werden was man in einem Miteinander in eine Gesellschaft einbringen kann und was nicht. Und das geht schlicht und einfach nicht wen die Leute nach Weltanschauung räumlich und zeitlich getrennt sind.

Es ist verständlich, dass die einzelnen Konfessionen sich dagegen wehren. Ihre Legitimation (machtpolitisch) für die Zukunft basiert darauf das sie es schaffen sich als Gruppen zu formieren und sich als solche miteinander zu arrangieren, anstatt das Individuen zu überlassen. Man sollte sich daher gut überlegen ob man aus pragmatischen gründen gegen Ethik Unterricht ist.

Ich denke, die Weltanschauungsunabhängigkeit ist eine Utopie.

Ein Ethikunterricht ist, soweit ich sehe, sehr wohl als wertevermittelnder Unterricht gedacht und als solches niemals "wertfrei". Wir leben in einem impliziten Wertesystem, das sich auch in unserer Gesetzgebung manifestiert hat und dem man das Naheverhältnis zur abendländisch-christlichen Tradition noch sehr ansieht. Abweichende Wertesysteme (etwa außereuropäische, die von unseren tradierten Wertvorstellungen abweichen) werden von der Gesellschaft weitgehend nicht akzeptiert (nehmen wir als Beispiel: das Recht der Eltern, die Ehepartner der Kinder zu bestimmen, was unserem Empfinden sehr zuwiderläuft). Ich hätte gern klar deklariert, welche Ethik die Werte für den Ethikunterricht liefert;

"Ich hätte gern klar deklariert, welche Ethik die Werte für den Ethikunterricht liefert;"

Wie wäre es denn mit der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte als Basis?

Gegen die verstoßen alle abrahamitischen Religionen - und disqualifizieren sich meiner Meinung nach damit automatisch als Basis für jedwede Ethikdiskussion

die Menschenrechtsdeklaration wäre eine gute Basis.

Und die abrahamitischen Religion Christentum lieferte übrigens eine wesentliche ideengeschichtliche Wurzel dieser Menschenrechte, vgl. dazu etwa die Antrittsvorlesung des Präsidenten der Göttinger Akademie der Wissenschaften, Prof. Christian Starck, http://europenews.dk/de/node/10743 .

Ihnen scheint die Rolle des Christentums in der Entwicklung der typisch abendländischen Ethik wohl nicht ganz klar zu sein, informieren Sie sich a bissl, bevor Sie die Keule über die Religionen schwingen.

Gottlob hat sich in den letzten paar tausend Jahren doch etwas getan:

http://etf.univie.ac.at/fakultaet/leitbild/

http://www-theol.uni-graz.at/cms/ziel/69173/DE/

Willkommen im 21. Jahrhundert!

Aja... Christen haben das Vorrecht auch kleine Schritte als große Leistung verkaufen zu dürfen... kennen wir schon... danke.

Auch hier wäre es erforderlich, einen gedanklichen Zusammenhang zwischen Frage und Antwort herzustellen. Danke!

Weltanschuungs frei meinte Metaphysik determinierte Ethik. Nicht das es frei von ethischen Normen ist die wir mit nehmen.

Berichtigend: Ihre Legitimation beruht auf der indoktrinierbarkeit von Kindern (die evolutionär bedingt ist, weil sonst Lernen viiel länger dauern würde).
Wenn sie Kinder nicht mehr indoktrinieren können fürchten sie bei Erwachsenen nicht mehr weit zu kommen, weil diese nämlich kritisch denken und hinterfragen können. Eine Eigenschaft die Kindern aus gutem Grunde teilweise fehlt.

jawoll, die ReligionslehrerInnen indoktrinieren die Kinder ...

gehts noch? Gehen Sie mal in einen x-beliebigen christlichen Religionsunterricht und sehen Sie zu, wie grausam und unbarmherzig die SchülerInnen da indoktriniert werden, Sie werden staunen...

In dem Moment, in dem eine Autoritätsperson einem Kind etwas als "Wahrheit" erzählt...

... bei dem es sich um unbewiesene Märchen handelt - und dabei auch gleich noch Angst (Teufel, Hölle) oder Schuld (Spaß=Sünde, Todsünde,...) erzeugt, ja mit Hingerichteten am Kruzifix herumwedelt - in dem Moment ist das massivste Indoktrination.

Pe Sa mag seine Aussage etwas zu stark formuliert haben. Aber er hat insofern recht als, dass die Religionen Globalpolitisch schon davon profitieren wen sie mit dem kleinen Wörtchen "wir" eine Art von Zusammenhalt schaffen.

Und sie können nicht abstreiten das ein (oder zumindest der Großteil der) Religionslehrer seine Klasse durchaus als junge Christen sieht. Und das ist schon zu viel, den Kinder haben keine Religion. Kinder müssen die Chance haben sich orientiern zu dürfen.

Dieser globalpolitische Zusammenhalt, das "wir"

ist ja nichts negatives!?? Ich (ja, ich bin Religionslehrer, aber das haben Sie wohl ohnehin schon vermutet) versuche die jungen Menschen in meinen Klassen durchaus als Christen zu sehen, zumindest formal sind sie es ja, dann und wann (selten) auch als solche sozialisiert, und ich appelliere auch durchaus an ihr Christsein. Und Kinder sind beileibe keine religiösen "black boxes", sie haben ihre individuellen Zugänge zu Religion und Spiritualität und sind durchwegs sehr (kirchen)kritisch, leider oft viel weniger gesellschaftskritisch. Wir müssen ihnen die Chance bieten, sich zu orientieren, das darf aber durchaus von einem (selbst hinterfragbaren!) Standpunkt aus passieren. "Indoktrination" ist jedenfalls ein völlig falsches Verständnis...

Das "Wir" ist eine gefährliche Sache

Das "Wir" ist insofern durchaus etwas gefährliches, weil es ein Gegenüber, nämlich "die Anderen" bedingt.

So schön ein Zusammengehörigkeitsgefühl auch sein kann, ist es die populärste und gefährlichste Quelle von Hass, Gewalt und Elend, die sich Menschen gegenseitig zufügen.

Dafür die Augen zu öffnen, ermöglicht erst Zugang zur zweitgrössten Mangelware unserer Zeit: Toleranz (und zwar nicht Toleranz im Sinne von "Naja, ok, ist mir wurscht")

Genau deshalb ist Ethikunterricht längst überfällig.

Doch das "wir" ist nagativ!!!

Ein Kind sucht Zugehörigkeit und es wird aus diesem Grund dieses "wir" leichter annehmen als ein Erwachsener. Und über dieses Hilfesuchen der Kinder so starke Überzeugungen wie Religionen an diese zu verkaufen ist pure Machtpolitik.

Wen es ihnen um kritisches Hinterfragen gehen würde, würden sie sich auf Erwachsene beschränken. Tun sie aber nicht! Ja ich glaube sogar sagen zu können, dass sie sich ausschließlich auf Kinder konzentrieren. Auf dieser Tatsache aufbauend ist all das was sie über "orientieren" u.s.w. gesagt haben eine glatte Lüge oder Selbstbetrug.

Unterschätzen Sie Kinder und Jugendliche nicht

bezüglich ihrer Fähigkeit zur Kritik religiöser Postitionen. Die ist natürlich in den seltensten Fällen bereits reflektiert, dafür meist sehr massiv. Kritisches Hinterfragen von Religion, Welt, Traditionen und Gesellschaft ist enorm wichtig und imo ein unabdingbares Fundament für ein bewusstes, reflektiertes Christsein auf Basis eines bewussten, reflektierten Glaubens. Und zu diesem kritischen reflektierten Hinterfragen möchte ich meine jungen SchülerInnen hinführen.
Bei Erwachsenen sehe ich übrigens oft gerade das Gegenteil: da treibt gerade unreflektierter Glaube an alles mögliche und unmögliche die wildesten Blüten, Esoterik und Fundamentalismen lassen grüßen, denen würde ich oft die kritische Haltung der SchülerInnen wünschen.

Ihre Schüler sind aber vielleicht gar keine Christen und wollen keine werden! Würden aber dennoch gern ein Fach haben das sich kritisch mit der Welt, Tradition usw. auseinander setzt.

Sie kommen da mit schönen Phrasen. Aber all das ist kein Grund, dass das unter christlicher Schirmherrschaft passiert. Vollkommen egal wie "modern" dieses Christentum ist! Das wir gegen Missionierung sind hat nicht a priori etwas damit zu tun das wir das Christentum für rückständig halten. Daher ist diese Position nicht dadurch zu widerlegen das man ein modernes Christentum präsentiert.

Kinder sind wehrlos - Jugendliche nicht mehr

Meine strenggläubige Schwiegermutter hat es verstanden, meinem Jüngsten (damals 6 Jahre) die Religion innerhalb weniger Wochen so intensiv einzutrichtern, daß der sogar mit einer Weihwasserflasche herumgerannt ist und jeden segnen wollte, damit ihm der Teufel nichts anhaben kann. Ich war damals auf mehrwöchiger Geschäftsreise und bei meiner Rückkehr extrem schockiert. Darauf folgte zwangsläufig ein enormer Krach, die Schwiegermutter hat ihren Fehler nicht wirklich eingesehen, hält sich aber mit ihrem Aberglauben zurück - nur der Kleine (heute 9) hat definitiv einen bisher bleibenden Schaden, an dessen Behebung wir nach wie vor intensiv arbeiten.

Danke für das Beispiel.

Gerade solchen Auswüchsen sollte eben ein wissenschaftlich fundierter Religionsunterricht entgegenwirken.

Und verkauft gleichzeitig ein neues Bild des christlichen Menschen so das Christentum weiter auf sein recht pochen kann ins Politische geschehen Europas eingreifen zu dürfen.

Mal abgesehen davon, dass das ein historisch neutraler Religionsgeschichte Unterricht besser kann.

Eine christliche Politik in Europa

ist mir allemal lieber als eine unchristliche. Ihnen nicht? Personprinzip, Gemeinwohlprinzip, Solidaritätsprinzip, Subsidiaritätsprinzip, vorrangige Option für die Armen, Nachhaltigkeitsprinzip - die katholische Soziallehre gibt allemal ein menschenfreundlicheres Konzept ab als so manches säkulares Konstrukt.

LOL

Was die Christen darunter verstehen haben sie ja in den letzten 1700 Jahren eindrucksvoll gezeigt (und ich spreche vornehmlich vom Urchristentum und der jüngeren Vergangenheit bevor sie sich jetzt auf Machtmissbrauch im Mittelalter raus reden). Weiters sind sie so schwammig formuliert das es immer eine Interpretation von ihnen gibt die auf beliebiges politisches System zutreffen.

ah ja ich vergaß

die weltliche Herrschaft hatte ja in den letzten 1700 Jahren eh eine so hehre Ethik, nur mit den bösen Christen war nichts anzufangen - auch in der Antike und in der jüngsten Vergangenheit, gerade im beginnenden 20. Jahrhundert hat sich die säkulare Welt ja besonders ausgezeichnet, gelle?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 187
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.