Experten kritisieren geringe Forschungs- und Investitionsbudgets

8. August 2003, 11:15
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Vorschläge für Umsetzung der Unireform als Buch herausgegeben

Wien - Experten-Vorschläge für die Umsetzung des Universitätsgesetzes (UG) 2002 liefert das Buch "Hochschulreform in Europa - konkret". Herausgegeben wurde der Sammelband mit Artikeln von europäischen Uni-Experten von Sigurd Höllinger und Stefan Titscher, die die Reform als Mitarbeiter des Bildungsministeriums maßgeblich mitgestaltet haben. Das UG sei - verglichen mit allen anderen aktuellen Reformvorhaben einschließlich der Pensionsreform - "eine wirkliche Reform, die eine in jedem Bezug veränderte Universitätslandschaft hinterlässt", meinte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Lorenz Fritz, am Montag bei der Präsentation des Buchs in Wien.

Das UG setze für Europa Meilensteine und werde überall mit großem Interesse verfolgt, betonte Titscher und Höllinger. Es gebe viele Uni-Reformvorhaben in Europa, "der großer Vorteil ist, dass es sich beim UG nicht nur um ein Konzept handelt, sondern um ein Gesetz - es wird tatsächlich gemacht. Österreich hat damit die Nase vorne", so der Chef der Hochschulsektion im Bildungsministerium, Höllinger. Aufgabe der Autoren des Sammelbands - darunter der Präsident der deutschen Rektorenkonferenz Klaus Landfried, der Philosoph Jürgen Mittelstraß, der Präsident der Humboldt-Universität Berlin Jürgen Mlynek, der Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) Detlef Müller-Böling, etc - war es, Vorschläge zu machen, wie sie die Reform umsetzen würden, erklärte Titscher. Ziel des Buches sei es, die Reform zu unterstützen, ohne dafür ministerielle Vorgaben zu machen.

Keinen Hehl machte Höllinger daraus, dass das "sehr knapp bemessene" Uni-Budget 2003 einer Aufbruchstimmung nicht gerade sehr förderlich sei. Dennoch erlaube es den Unis, ihre Leistungen im Umfang der vergangenen Jahre aufrecht zu erhalten. Die Grundfinanzierung der österreichischen Unis sei im europäischen Vergleich gut, "weit hinten sind wir allerdings, was die Förderung der Grundlagenforschung betrifft, und bei den Investitionen in die Infrastruktur", sagte Höllinger, der für beide Bereich mehr Geld forderte.

Für solche zusätzlichen Investitionen sei aber eine Profilbildung in der österreichischen Uni-Landschaft erforderlich, meinte Fritz, "sonst investieren wir wieder ins blitzblaue". Diese Profilentwicklung ist für Titscher ohnehin das "wahre Ziel" der Reform, wobei eine solche Profilbildung immer mit Umverteilungen verbunden sei. "Und ohne finanziellen Druck gelingt keinem Management ein Umverteilungsplan", so Titscher.

Notwendig für diese Profilbildung wären österreichweite Evaluationen von Fachrichtungen, wobei auch der internationale Vergleich nicht gescheut werden sollte. So wären nach Ansicht Titschers ähnliche Untersuchungen wie die internationale Bildungsvergleichsstudie PISA für den Uni-Bereich vorteilhaft. Doch bisher würden Rangordnungen von den Unis nicht ernstgenommen.(APA)

"Hochschulreform in Europa - konkret"; herausgegeben von Stefan Titscher und Sigurd Höllinger, Verlag Leske und Budrich; ISBN 3-8100-3918-7; 366 Seiten, 24,90 Euro
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