Der Weg zum Frieden

12. August 2003, 19:45
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Auftakt des Projekts "Interreligiöses Europa" mit Mairead Corrigan-Maguire

Graz - "Kinder werden auf dieser Welt nicht gefragt, wie sie die Gesellschaft gerne hätten", bedauert Mairead Corrigan-Maguire, jene Frau aus Belfast, die 1977 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Corrigan-Maguire sprach am Sonntag im Grazer Stadtteilcafé Palaver anlässlich des Projekts "Interreligiöses Europa", zu dem die Städte Sarajewo und Graz Vertreter aus 89 Städten und 25 Staaten eingeladen hatten, über "Frauen in interkulturellen und interreligiösen Konflikten".

Ein Weg zum Frieden sei das Fördern der Demokratiefähigkeit der Jüngsten - etwa durch Schulfächer, in denen soziale Kompetenz unterrichtet wird -, so die Friedensaktivistin der Organisation Peace People. Corrigan-Maguire setzte aber auch immer schon auf die Solidarität von Frauen, die ein starker Motor der internationalen Friedensbewegung ist. In Nordirland erregte sie durch gemeinsame Aktionen von Frauen der Terroristen und Opfer des katholisch-protestantischen Konflikts Aufsehen: Gemeinsam fuhren die Frauen zweier verhärteter Fronten zu den Gefängnissen, in denen ihre Männer inhaftiert waren. Als die Irin zuletzt in den USA gegen den Irakkrieg protestierte, wurde sie verhaftet, und zwar, "weil ich den Frieden im Weißen Haus gestört habe", wie sie betont.

Stadtverwaltungen und Religionsgemeinschaften aus aller Welt und das Grazer Friedensbüro arbeiteten seit Monaten an der Konferenz, bei der sehr pragmatische Themen im Mittelpunkt stehen: Weitsichtige Lösungsansätze zu Fragen der Migration, des Asyls, der Menschenrechte und der Erziehung sollen gemeinsam erarbeitet werden.

Im Laufe des Sonntags gab es eine Reihe offener Begegnungen, etwa im Islamischen Zentrum, im Gebetsraum des Afro-Asiatischen Instituts, in der Grazer Synagoge, wo jiddische Weltmusik und chassidische Erzählungen mit Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg und der Gruppe "Zehn Saiten und ein Bogen" dargeboten wurden, aber auch im Buddhistischen Forum und zahlreichen Pfarren der Kulturhauptstadt.

Bei der Eröffnungsveranstaltung "Religions in Concert" auf der Schlossberg-Kasemattenbühne unternahmen das Berndt Luef Quartett und Chöre - unter anderem aus Bosnien, Serbien, Nordirland und Graz - eine musikalische Reise durch die kulturelle Vielfalt Europas. Der Grazer VP-Bürgermeister Siegfried Nagl und die Präsidentin des Stadtparlaments von Sarajewo, Mira Jadric-Winterhalter, eröffneten, unterstützt vom Tübinger Theologen Hans Küng und dem Graz-2003-Intendanten Wolfgang Lorenz, die Konferenz, die bis 9. Juli tagen wird.

Im Rathaus ist bis zum Ende der Konferenz die Ausstellung Weltreligionen-Weltethos-Weltfrieden zu sehen, die sich nicht nur mit dem Wesen aller vertretenen Religionsgemeinschaften, sondern auch mit ihrer ethischen Botschaft auseinander setzt. (DER STANDARD, Printausgabe vom 7.7.2003)

Von
Colette M. Schmidt
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