Der englische Patient

6. Oktober 2003, 15:54
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Und weil wir bei der britischen "Big Brother"-Version erfahren haben, dass die errechnete optimale Schlafzeit exakt acht Stunden und elf Minuten ...

Wir beherbergen derzeit einen Gast. Ein freundliches Wesen, das seinen Teil an guter Laune und Kühlschrankfüllung stellt und außerdem per Nachsendeantrag dafür sorgt, dass wir unseren TV-Horizont erweitern können.

Regelmäßig von der britischen Insel eintreffende VHS-Kassetten haben uns zum Beispiel das Folgende gelehrt: Wo uns zur vierten Staffel von "Big Brother" auf RTL 2 gerade mal ein Muskelpaket und ein roter Haarschopf einfallen wollen - was man beim Drüberschalten halt so mitnimmt -, macht die britische Version mit ihrer architektonisch nett aufgerüsteten Variante des Containers schon rein optisch einiges mehr her.

Außerdem pflegt der Brite offenkundig eher einen wissenschaftlichen Zugang zu diesem gruppendynamischen TV-Experiment. Nicht nur, dass eine Stimme aus dem Off jeden Szenenwechsel mit sachdienlichen Hinweisen einzuleiten pflegt ("14 Uhr acht. Alle Mädchen und Scott sind im Garten. Es hat 25 Grad.").

Nein, jeden Sonntag wird das Wochengeschehen auch noch einer strengen Analyse unterzogen. Deshalb wissen wir jetzt zum Beispiel, dass sich "Peter Collett, Sozialpsychologe" angesichts einer komplizierten Tabelle ernste Sorgen um Scott macht, der eben noch friedlich in der Sonne lag: Scotts Schlafmuster ist nämlich "most seriously disrupted".

Und weil wir ebenfalls erfahren haben, dass die errechnete optimale Schlafzeit exakt acht Stunden und elf Minuten beträgt, müssen wir jetzt ganz dringend noch was nachholen. (irr/DER STANDARD; Printausgae, 5./6.7.2003)

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