Weitere Luftangriffe auf den Gazastreifen

19. November 2012, 07:17
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Israel hat seine Offensive im Gazastreifen fortgesetzt - Zweitgrößte Polizeistation in Gaza zerstört - Ban Ki-moon ruft zur Waffenruhe auf

Jerusalem/Gaza - Israel hat seine Offensive im Gazastreifen auch in der Nacht auf Montag fortgesetzt. Bei einem Luftangriff auf ein Haus in Gaza seien drei Menschen getötet worden, sagte ein Sprecher des Hamas-geführten Gesundheitsministeriums der Nachrichtenagentur AFP am frühen Morgen. Damit stieg die Zahl der seit Mittwoch bei der Offensive getöteten Palästinenser auf mindestens 80.

Bei ihren Angriffen zerstörte die israelische Luftwaffe zudem die zweitgrößte Polizeistation in Gaza und beschoss von Schiffen aus den Hafen der Stadt. Seit Beginn der Offensive am Mittwoch starben in Israel drei Zivilisten durch Raketen aus dem Gazastreifen.

Ban Ki-moon ruft zu Waffenruhe auf

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hat Israel und die radikal-islamische Hamas nachdrücklich zu einer
umgehenden Waffenruhe im Gazakonflikt aufgefordert. Nach Angaben eines UNO-Sprechers vom Sonntag in New York verlangte Ban von beiden Konfliktparteien, mit Ägypten als Vermittler zusammenzuarbeiten. Jede weitere Eskalation der Lage werde unausweichlich das Leiden der betroffenen Zivilisten erhöhen und müsse vermieden werden.

Bei seiner Reise in die Region werde er sich selbst für ein Ende der Gewalt einsetzen und zu den Bemühungen, das zu erreichen, beitragen, sagte Ban, der am Montag zu Gesprächen mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi in Kairo erwartet wird.

Die Arabische Liga kündigte für Dienstag die Reise einer Delegation nach Gaza an. Am Montag werden außerdem der Sondergesandte des Nahost-Quartetts, Tony Blair, und der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in Israel erwartet.

Erneut Luftalarm am Sonntag in Tel Aviv

Am Sonntag waren bei einem israelischen Luftangriff nach palästinensischen Angaben 31 Menschen getötet worden, darunter mindestens zehn Kinder und sechs Frauen. Das ist die höchste Opferzahl seit Beginn der Offensive. Aus dem Gazastreifen hingegen wurde weiter mit Raketen auf Israel geschossen.

Am Sonntagabend gab es in der Metropole Tel Aviv abermals Luftalarm, zwei herannahende Raketen wurden aber vom israelischen Abwehrsystem "Iron Dome" abgeschossen. Unter der wachsenden Besorgnis der Weltöffentlichkeit drohte Israel der Hamas mit einer massiven Ausweitung seiner Offensive im Gazastreifen. US-Präsident Barack Obama riet Israel von einer Bodenoffensive ab.

Netanyahu fordert Stopp von Raketenangriffen

Ein Hamas-Sprecher sagte am Sonntagabend, eine israelische Rakete habe ein dreistöckiges Wohnhaus zerstört, elf Menschen seien gestorben. Unter den Opfern waren Sanitätern zufolge auch fünf Kinder und zwei Frauen. Der militärische Zweig der Hamas erklärte, das Massaker werde nicht unbestraft bleiben. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hatte den Weltmächten zugesagt, Opfer unter der Zivilbevölkerung unter allen Umständen zu vermeiden.

Angesichts des anhaltenden Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen drohte Netanyahu Palästina am Sonntag mit massiven Schritten. "Die israelischen Streitkräfte sind darauf vorbereitet, die Hamas und die Terrororganisationen einen hohen Preis zahlen zu lassen", sagte er im Kabinett.

Im Rahmen eines Treffens mit dem französischen Außenminister Laurent Fabius forderte Netanyahu einen Stopp der Raketenangriffe der im Gazastreifen herrschenden Hamas. "Erst mal müssen die Raketenangriffe (auf Israel) aufhören, und dann können wir über den Rest reden", so Netanyahu. Ähnlich hatte sich zuvor schon Israels Außenminister Avigdor Lieberman geäußert.

Verhandlungen in Kairo

Die Gespräche in Kairo unter Ägyptens Vermittlung bewerteten Hamas-Vertreter am Sonntag als "positiv". Die Gruppierung forderte eine Garantie, dass die "Aggression und die Morde aufhören". Eine Möglichkeit sei, dass die USA als Israels engste Verbündete ein "Garant" für eine Waffenruhe werden könnten. Nach ägyptischen Angaben nahm am Sonntag auch ein israelischer Vertreter an den Verhandlungen in Kairo teil.

Seit Israels Luftwaffe mit schwerem Bombardement auf Raketen aus dem Gazastreifen reagiert, wird über eine Bodenoffensive diskutiert. Israel hat dazu unter anderem beschlossen, bis zu 75.000 Reservisten einzuberufen. Entlang der Grenze zum Gazastreifen brachte Israel Panzer, Artillerie und Infanterie in Stellung - ein Szenario, das an den Beginn des Gaza-Kriegs vor vier Jahren erinnerte. Es ist erklärtes Ziel des jüdischen Staates, die Raketen der islamistischen Hamas auszuschalten und sie von Angriffen auf Israel abzuschrecken.

US-Präsident Barack Obama bekräftigte, Israel habe das Recht, sich gegen Raketenangriffe zu verteidigen. Eine Bodenoffensive gelte es aber besser zu vermeiden. Das sei nicht nur im Sinne der Bevölkerung des dicht besiedelten und eng begrenzten Küstengebiets, sondern auch Israels. Mit Bodentruppen im Gazastreifen wachse schließlich die Gefahr, dass es auf Seiten des israelischen Militärs Opfer gebe. Seine Regierung sei zusammen mit anderen Ländern um eine Beilegung der Krise bemüht.

Raketen auf Tel Aviv

Die israelische Flugabwehr schoss schon Sonntagfrüh zwei auf Tel Aviv abgefeuerte Raketen ab. Zeitgleich flog die Luftwaffe, die am Samstag die Zentrale der Hamas zerstört hatte, weitere Luftangriffe. In der Nacht auf Sonntag wurden acht Journalisten verletzt, als die Israelis ein von Medien genutztes Gebäude unter Feuer nahmen. Eine Militärsprecherin sagte, Ziel der Aktion sei eine "von der Hamas für terroristische Aktionen benutzte Übertragungsantenne" auf dem Dach des Gebäudes gewesen. (APA/Reuters, 18.11.2012)

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    Israelische Soldaten bereiten an der Grenze zum Gazastreifen Panzer für eine mögliche Bodenoffensive vor.

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    Palästinenser begutachten ein zerstörtes Haus im Gazastreifen.

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    Auch am Samstag griffen israelische Kampfflugzeuge Gaza an.

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