Stadionbau zieht Aachen in die Pleite

17. November 2012, 12:16
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Alemannia, noch 2007 in der deutschen Bundesliga, muss Insolvenz anmelden. Ein viel zu teures Bauprojekt ist der Auslöser

Aachen - Der deutsche Tradtitionsklub Alemannia Aachen muss im 112. Jahr seines Bestehens den Gang in die Insolvenz antreten. Der ehemalige Bundesligist und Europapokal-Teilnehmer weist eine Liquiditätslücke von 4,5 Millionen Euro auf. "Dieser Fehlbetrag würde jeden Monat deutlich mehr werden. Daher ist der Insolvenzantrag unvermeidlich", sagte der Restrukturierungsbeauftragte Michael Mönig. Der Alemannia fehlten nach nicht bestätigten Angaben kurzfristig über zwei Millionen Euro.

In der 3. Liga liegt der Zweitliga-Absteiger nach 17 Spielen mit 16 Punkten nur auf dem 17. Tabellenplatz. Nun soll der Spielbetrieb bis zum Saisonende aufrechterhalten werden, der Verein über ein Insolvenzverfahren saniert werden und dann einen Neuanfang in der Regionalliga starten.

Hauptauslöser für die Finanzmisere war das im Sommer 2009 eröffnete 50 Millionen Euro teure Tivoli-Stadion. Bereits Ende Oktober stand Aachen vor dem finanziellen Aus, Geschäftsführer Frithjof Kraemer musste seinen Hut nehmen. Damals hieß es, es sei ein Geldgeber aus den eigenen Reihen gefunden worden.

Falling down

Aachen, das in der Saison 2010/11 vom nunmehrigen Sturm-Graz-Trainer Peter Hyballa betreut wurde, war in der Saison 2006/07 aus der Bundesliga und in der vergangenen Spielzeit aus der 2. Liga abgestiegen. Mit 1.481 Punkten führt der Klub die ewige Zweitliga-Tabelle an. Noch im Jahr 2004 stand die Alemannia zum insgesamt dritten Mal im DFB-Pokalfinale gegen Werder Bremen (2:3) und überstand in der folgenden Saison sogar die Gruppenphase im UEFA-Cup.

Mühlstein Stadion

"Wir haben eine Bugwelle an Verbindlichkeiten vor uns hergeschoben. Das funktioniert bei Erfolgen. Wenn es nicht mehr läuft, dann eben nicht mehr", erklärte kommentierte Aufsichtsratschef Meino Heyen. Besonders der Stadionneubau hat Millionen verschlungen. Die Schulden durch den Tivoli-Neubau konnten von der Alemannia nicht mehr ausreichend bedient werden. Heyen: "Das ist der schwärzeste Tag in der Vereinsgeschichte. Mit diesem Desaster hätte keiner gerechnet",

Nach dem Abstieg im vergangenen Mai und dem schwachen Start in der dritten Liga fehlten zudem einkalkulierte Einnahmen. Das 33.000 Zuschauer fassende Stadion konnte nicht mehr annähernd gefüllt werden, die finanzielle Löcherstopferei kam an ihr Ende. "Wir sind in der dritten Liga nicht angekommen. Die Kosten waren zu hoch", räumte Heyen ein.

Fans erzürnt

Die Anhänger reagierten mit Zorn auf die Nachrichten. Über 50 Fans wollten sich am Freitag gewaltsam Zugang zum Presseraum im Stadion verschaffen, die Aachener Ordnungskräfte mussten sogar die Polizei zur Hilfe rufen. Kurzzeitig drohte die Situation zu esksalieren. "Wir werden alles versuchen, den Verein zu retten", versprach Heyen und zeigte Mitgefühl mit dem Anhang: "Für die Fans bricht eine Welt zusammen."

Auch die Spieler konnten die jüngsten Entwicklungen kaum fassen. "Die Schockstarre ist nicht verdaut, auch bei den Spielern nicht", sagte Geschäftsführer Uwe Scherr vor dem Spiel am Samstag beim VfB Stuttgart II. "Jetzt ist es eine Charaktersache", meinte Scherr weiter. (sid/APA/red - 17.11. 2012)

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