Journalisten Club fordert Interview-Boykott von Stronach

  • Stronach gibt lieber Autogramme als Interviews.
    foto: apa/parigger

    Stronach gibt lieber Autogramme als Interviews.

Medienanwältin: Erklärung ist rechtlich bindend - Journalisten Club sieht Verstoß gegen Grundregeln der Pressefreiheit

Wien - Wer mit Neo-Politiker Frank Stronach ein Interview führen will, muss sich offensichtlich schriftlich verpflichten, dieses vor Veröffentlichung von vorne bis hinten autorisieren zu lassen - das Magazin "Datum" veröffentlichte nun ein entsprechendes Formular. Eine solche Vereinbarung zu brechen ist nicht empfehlenswert, ist sie doch laut Medienanwältin Maria Windhager rechtlich bindend. Stronach selbst begründet die Maßnahme gegenüber der APA damit, dass er "einige sehr schlechte Erfahrungen mit manchen Medien gemacht" habe. "Ein Federstrich kann vernichtender sein als ein geladener Revolver", warnte er die schreibende Zunft.

Journalisten Club für Interview-Boykott

Scharfe Kritik an der von Frank Stronach bei Interviews verlangten Autorisierungs-Vereinbarung kommt vom Österreichischen Journalisten Club (ÖJC). "Dies verstößt eindeutig gegen die Grundregeln der Pressefreiheit, die blutig erkämpft wurden", sagte ÖJC-Präsident Fred Turnheim in einer Aussendung. Als Antwort auf den "Maulkorb des Herrn Stronach" plädiert Turnheim für einen Interview-Boykott gegen den Milliardär.

"Der ÖJC ersucht alle Kolleginnen und Kollegen solange keine Interviews mit Herrn Stronach und seinen Parteigranden zu führen, bis dieser sein demokratiefeindliches Formular zurückzieht, das im Alltagsgeschäft in Österreich völlig unüblich ist", heißt es in der Aussendung. Immerhin könne eine derartige Erklärung eine Unterlassungsklage zur Folge haben. "Da ist es doch gleich besser, kein Interview mit dem Herrn Stronach zu führen", so Turnheim.

Vorgefertigte Erklärung

Wie "Datum" berichtete, sollen Journalisten mit der vorgefertigten Erklärung laut "Datum" namentlich zustimmen, vor einer Veröffentlichung von Gesprächen und Interviews mit Stronach "den gesamten Interviewtext" Kathrin Nachbaur, der Leiterin des Stronach "Instituts für sozialökonomische Gerechtigkeit", "zur Einsicht und schriftlichen Freigabe" zu senden. "Ich schicke auch Titel und Einleitung zur etwaigen Richtigstellung von Fakten zu", heißt es in dem veröffentlichten Formular. Und außerdem: "Falls die Autorisierung des Interviews nicht erteilt wird, werde ich weder den Umstand des Interviews noch das Gespräch ganz oder auszugsweise veröffentlichen."

Zivilrechtliche Vereinbarung

Im Absatz darunter hält Stronach dann demnach fest, dass er "die Freiheit des Journalismus respektiert" und er ein "absoluter Befürworter des Journalismus als objektives, neutrales Kontrollorgan" sei. Die Vereinbarung gelte ausschließlich "zur Einhaltung der Werte Wahrheit, Fairness und Transparenz".

Eine solche Erklärung ist eigentlich eine zivilrechtliche Vereinbarung, erläuterte Medienanwältin Windhager, die hauptsächlich für den "Standard" tätig ist, gegenüber der APA. Wenn man als Journalist eine Autorisierung mündlich oder schriftlich ausmacht, ist man auch daran gebunden.

Eine Missachtung der Vereinbarung kann in erster Linie eine Unterlassungsklage zur Folge haben - wegen der Wiederholungsgefahr auch nach der Veröffentlichung. Das sei nicht ohne, "das ist wie ein Maulkorb", meinte Windhager. Kann ein konkreter Schaden durch die Veröffentlichung des Interviews nachgewiesen werden, seien theoretisch auch Geldstrafen möglich. Autorisierungen seien vor allem im politischen Tagesgeschäft unüblich, betont die Anwältin. Sie hält Autorisierungen auch für problematisch, da diese missbräuchlich eingesetzt werden könnten.

"Medienlandschaft in der Hand der Machterhalter"

Stronach hielt fest, dass die Medien "eine sehr wichtige Rolle in einer Demokratie" spielten, "da sie die Menschen unabhängig und korrekt informieren und auch öffentlich Kritik an Missständen üben", wie es in einer der APA übermittelten Stellungnahme hieß. Doch so manche Zeitungseigentümer würden "auch gewisse Interessen vertreten", und "leider wird unabhängige und objektive Berichterstattung auf der ganzen Welt zu einer demokratischen Seltenheit."

Medien beeinflussten die öffentliche Meinung und hätten daher verantwortungsvoll zu handeln, so der Austrokanadier weiter, denn "ein Federstrich kann vernichtender sein als ein geladener Revolver". Gerade in Österreich befinde sich die Medienlandschaft "zu einem nicht unwesentlichen Teil in der Hand der Machterhalter, die für die verfilzten Strukturen der Freunderlwirtschaft in unserem Land stehen".

Dass sich Stronach von Medien schnell schlecht behandelt fühlt, konnte man schon mehrmals live im Fernsehen verfolgen. Er selbst hat eigenen Angaben zufolge quasi damit gerechnet: "Ich habe gewusst, dass sie Unwahrheiten über mich verbreiten werden, um mich in der Öffentlichkeit schlecht darzustellen." Er habe leider "einige sehr schlechte Erfahrungen mit manchen Medien gemacht, die meine Aussagen verkürzt, außer Kontext oder einfach unkorrekt wiedergegeben haben". Da er seine Worte sehr genau wähle, sei es ihm wichtig, "richtig und im Zusammenhang zitiert zu werden": "Ich bin jederzeit bereit Antworten zu geben, man kann mich alles fragen, aber die Fakten in der Berichterstattung müssen stimmen." (APA, 17.11.2012)

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Ja verbieten, denk@verbote, ein muster an demokratiekultur...

der stronach gäbe vermutlich einen guten "gemässigten diktator" ab...

Journalisten Club fordert Interview-Boykott von Stronach

Wie billig! Sowas lenkt nur ab und der Stronach steigt als Sieger aus dem Wahlrennen - die Mitleidstour des armen verfolgten Mannes mag in Ö in manchen kleinen Gemeinden sehr gut funktionieren!

Am Besten er wird Live interviewt - Armin Turnher & Co vor laufender Kamera ... dann kann der Stronach einpacken ;-)

Aha - die Pressefreiheitskeule - Na wehe es will jemand die im Privatbesitz befindlichen Medien in irgendeiner Weise dazu anhalten neutral und korrekt zu arbeiten - Skandal !!!

-und das obwohl ich den Franky wirklcih nicht leiden kann.

Der Frank und seine Mission (Korrektur)

1. Von: cicero5318.11.2012 18:21Er weiss, das er die Wahrheit, die Erlösung und die Weisheit für Österreich ist! Kritik kann an Sakrosankten nicht geübt werden daher unterbinden. Als gewifter Unternehmenslenker ist ihm bekannt , denken lenkt ab. Besser ist ein "Verhaltenskodex" für die einheiliche Denkschule der Österreicher. Oder er hat vergessen nicht alle Medien hat er gekauft. Liebe Österreicher denkt nach :
BEVOR ER UNS DIE FREIHEIT DES DENKENS NIMMT; IGNORIERT IHN UND SEINE WERTE!
Die Liste Fritz, Hans Peter Martin, Christen-Partei, Piraten usw . waren veritable Flops ! Frank wird folgen

Er weiss, das er die Wahrheit, die Erlösung und die Weisheit für Österreich ist!

Endlich sieht mich jemand im richtigen Licht.

Warum bietet man diesem grandscherben-Opa ständig eine Bühne?

Wenn Herr Thurnheim eine Vereinbarung zwischen

"Interviewtem" und "Journalisten", wie sie sich Stronach wünscht, öffentlich als MAULKORB darstellt, ...

... bestätigt er lediglich den zurecht gehegten Vorwurf Stronachs, dass er, Stronach, (absichtlich) nicht richtig zitiert wird.

Solange "Journalisten", "Redakteure" oder auch "Nachrichtensprecher" in Österreich derartig parteilich agieren, wie es gegenüber Herrn Stronach offen sichtlich ist, habe ich für Herrn Stronachs anliegen JEDES Verständnis.

Was in Österreich als "Medien-" und "Pressefreiheit" verkauft wird, könnte auch als Medien- und Politdiktatur erkannt werden.

Oder glaubt wer, dass Kronen Zeitung, ORF und Österreich die objektive Wahrheit berichten? - Ich nicht. Ich sehe die Essenz politischer Einflussnahme.

"Da er seine Worte sehr genau wähle..."

Bevor er "seine Worte genau wählt", sollte er mal ordentlich Deutsch lernen!

Dafür braucht man weder besser Deutsch ...

als Stronach zu sprechen, noch überhaupt deutsch zu sprechen. Man kann seine Worte auch auf englisch wählen.

Jeder Mensch hat ein Recht korrekt zitiert zu werden. Jeder. Auch Herr Stronach.

Dass dieses Recht von österreichischen Medien und Journalisten oft missachtet oder gar missbraucht wird, erkennt man, wenn man den Artikel oben genau liest, wo Herrn Stronachs "Vereinbarung" als Maulkorb bezeichnet wird, was sie jedenfalls definitiv nicht ist.

Der Typ der hier absichtlich FALSCH und polemisch Zitiert, ist der Präsident des Österr. Journalisten Clubs.

Dieses Verhalten ist unter jeder Kritik. Letztklassig und einer freien Presse nicht würdig!

Natürlich hat jeder Mensch das Recht korrekt zitiert zu werden. Was aber zumindest bei Leuten die für ein politisches Amt kandidieren möglich sein muß: die evt Unfugäußerungen zu analysieren und diskutieren.

In diesem Zusammenhangt ist egal wie Stroney das GEMEINT hat, der Effekt seines Versuchs IST eine Art Maulkorb, ein kleinwenig subtil halt. Nachdem ich Stroney auf Grund seiner bisherigen Äußerungen diese Subtilität nicht zutraue ist das (c) wohl bei irgendwelchen seiner Untergebenen zu suchen.Bisher besteht sein Programm ja i W aus
1) Ich
2) Wirtschaft (genauer definiert was er da will hat er allerdings noch nix)
3) Werte (auch da die Frage:welche? die eines Konzernherrn, seiner SP- oder seiner BZÖ-Überläufer?)
4) Ich...etc

Man kann das Engagement eines Menschen, ...

immer ins lächerliche ziehen, wenn man will.

Das machen im Moment viele, weil ihnen nicht mehr dazu einfällt. Ich halte das für ziemlich schwach.

Mir ist ein Stronach, der sagt, "ich arbeite noch daran", "ich lege mich erst später fest", "wir haben dazu noch zeit", "experten werden das mit uns gemeinsam entscheiden"

1000 mal sympathischer als jeder einzelne aktuelle Politiker, der liebe lügt, als sich konstruktiv am Dialog zu beteiligen oder eben zu sagen, dass er noch auf der Suche nach seiner Position ist.

Sorry das teile ich hinsichtlich Stronach definitiv nicht.
Mein Hauptgrund:
Die Methode mit der er sich ins Parlament "hineinreclamiert" hat mit einer Crew die für mich vom Verhalten und der politischen Glaubwürdigkeit aber so was von disqualifiziert ist dass ich es kaum stark genug ausdrücken kann.
Um klarzustellen: Es gibt auch unter den "etablierten" Politikern kaum einen der mich anspricht bzw der mein Vertrauen genießt.
Zu Engagement: Engagement ohne Programm und Hirn ist fatal. Wenn er noch dran arbeitet, soll er halt noch eine Zeit dran werken und sich dann der Wahl stellen -da red ma dann weiter- und nicht dubiose Typen acquirieren um halt gleich mal im Parlament zu sitzen. Stronach hin oder her, die Kerle wähl ich nicht.

Bei der Passage

"werde ich weder den Umstand des Interviews [...] veröffentlichen" bin ich mir aber nicht ganz so sicher, ob auch das rechtlich bindend ist.

Was will er gegen eine bloße Namensnennung denn machen?

Selbst Nichtgläubigen presst sich da ein iniger "Gott bewahre uns vor diesem Übel" über die Lippen!

halte ich für undemokratisch - gezielt über Meinungen nicht zu berichten

Ich behalte gezielt meine Meinung über Sie geheim und berichte diese nicht. Und das ist ganz und gar demokratisch.

Sie halten also die Medienlandschaft in Ö. für demokratisch?

was für ein theater.

bei vielen pressekonferenzen müssen mittlerweile fragen vorher eingereicht werden und bei so gut wie jedem interview mit einem international prominenten ist diese praxis usus.
haben Sie diesbezüglich schon jemals aufregung vernommen?

wenn ein österreichischer politzwerg selbiges für sich in anspruch nimmt, wie wäre es dann damit, ihn einfach nicht mehr zu interviewen?
stattdessen wird auf die tube gedrückt, als ginge es um "medienfreiheit".

stronach hat jederzeit das recht interviews zu verweigern. und medien haben jederzeit das recht, interviews entweder "frei" zu führen oder es sein zu lassen, und den lesern den grund dafür mitzuteilen.

hier stösst politische selbstüberschätzung auf mediale jammerei und empörungssucht.

Wahrheit wiedergeben

Ist von der lieben Presse jemand schon mal auf die Idee gekommen, einfach ein Tonband mitlaufen zu lassen und sich in der Wiedergabe des Interviews genau daran zu halten, was genau gefragt und geantwortet wurde?
Warum ist es so schwer sich einfach an die Fakten zu halten?
Kann den Stronach - und viele andere - sehr gut nachvollziehen.

Die von Ihnen eingemahnte "Wahrheit" abzudrucken, ist schon deswegen unmöglich, weil jedwede Äusserung Stronachs vor Veröffentlichung ins Deutsche transkribiert werden muss und schon deswegen niemals als Originaltext betrachtet werden kann.

Aber spricht was dagegen, es einfach so zu lassen?
Der Eindruck wird nur authentischer...

Bei allem Verständnis dafür, daß man sich davor achützen will, seine Aussagen in Interviews verdreht oder verkürzt sehen zu müssen, geht diese Regelung viel zu weit. Diese Regelung lässt keine andere Auffassung bezüglich Fakten, geschweige denn hinsichtlich Wertvorstellungen zu. Journalismus hat mehr zu sein als ein Verlautbarungsorgan. Stronachs Unfähigkeit, eine zivilisierte Diskussion zu bestreiten, findet so eine konsequente Fortsetzung. Das Verhältnis von Medien und Politik in Ö. gibt zweifellos einigen Anlass zur Kritik, aber Stronach outet sich einmal mehr als Vertreter einer autoritären pseudoelitären Politik, wie es sich der Dosen-Mann Baumgartner vorstellt: undemokratisch und im Interesse der Oligarchie.

Bei einem Interview hat das Medium auch das wiederzugeben was der Interviewte sagte - darum geht es ja

wenn die Zeitung eine eigene Meinung schreiben will dann soll sie einen Kommentar verfassen, aber nicht jemanden Worte in den Munde legen die der nie so gesagt hat.

Und wenn der stronach einfach -

den standard u. die presse kaufte....
Zu transparent für österreich?

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