Explosion in Jaffa: Erneut Luftalarm in Tel Aviv

17. November 2012, 14:04
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Weiterer Raketenangriff auf Tel Aviv - Geschoss fällt in Meer - USA geben Israel Rückendeckung für Angriffe - Vorbereitung für Bodenoffensive laufen

Tel Aviv ist am Samstag den dritten Tag in Folge mit einer Rakete aus dem Gazastreifen angegriffen worden. Es wurde Luftalarm ausgelöst, und wenige Sekunden später war in Jaffa ein lauter Knall zu hören. Das Geschoss schlug Augenzeugenberichten zufolge vor dem südlichen Vorort Bat Jam ins Meer.

Rakete von "Iron Dome" abgefangen

Der israelische Rundfunk berichtete, die Rakete sei zuvor von dem gerade erst installierten Abwehrsystem "Iron Dome" (Eisenkuppel) abgefangen worden. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht.

Regierungsgebäude der Hamas bombadiert

Die israelische Luftwaffe hat in der Nacht und am frühen Samstagmorgen das Regierungsgebäude der Hamas in Gaza bombardiert. Attackiert wurden das Büro des Ministerpräsidenten Ismail Haniyeh sowie eine Polizeizentrale, teilte die Hamas mit. Ein israelischer Militärsprecher bestätigte den Angriff auf Hanijehs Büro. Dort hatte dieser am Freitag noch den ägyptischen Ministerpräsidenten Hisham Kandil empfangen.

Besuch aus Tunesien

Nach dem Solidaritätsbesuch des ägyptischen Ministerpräsidenten reiste am Samstagvormittag auch der tunesische Außenminister Rafik Abdelsslem (Abdel Salam) in den Gazastreifen. Er verurteilte die israelischen Angriffe auf das Palästinenser-Gebiet als völkerrechtswidrig. "Was Israel tut ist illegitim und überhaupt nicht hinnehmbar", sagte Abdesslem auf den Trümmern von Haniyehs Amtssitz. Israel genieße keine totale Immunität und stehe nicht über dem Völkerrecht. 

Israels Partner USA

Die USA haben Israel Grünes Licht für einen Angriff auf Gaza gegeben. Das erklärte der israelische Botschafter in Washington am Freitag (Ortszeit) amerikanischen Medien. "Die USA haben uns volle Rückendeckung dafür gegeben, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um unsere Staatsbürger vor dem Terror der Hamas zu schützen", sagte Botschafter Michael Oren nach einem Bericht der Zeitung "New York Daily News".

"Israel hat von den Vereinigten Staaten überragende und unmissverständliche Unterstützung bekommen", sagte Oren dem Bericht zufolge. Dies betreffe das Weiße Haus ebenso wie den Kongress, in dem Israel Zustimmung von allen Parteien erfahren habe.

180 Angriffe in der Nacht

Bei den neuen israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen sind am frühen Samstag laut palästinensischen Rettungskräften mindestens acht Palästinenser getötet worden. Drei von ihnen seien Mitglieder des bewaffneten Arms der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas gewesen, teilten palästinensische Sicherheitskräfte mit.

Die israelische Luftwaffe setzte ihre seit Mittwoch andauernde Luftoffensive gegen die Hamas im Gazastreifen auch am Samstag weiter fort. Nach Angaben des israelische Staatsfernsehens wurden während der Nacht etwa 180 Angriffe geflogen. Der Armee zufolge gab es seit Mittwoch mehr als 830 Angriffe auf den Gazastreifen. Die Hamas habe seither mehr als 350 Raketen abgefeuert, von denen mehr als 200 abgefangen worden seien, sagte eine israelische Militärsprecherin.

Bodenoffensive vorbereitet

Offenbar in Vorbereitung einer Bodenoffensive hat Israel am Freitagabend alle großen Verkehrsadern um den Gazastreifen abgesperrt. Die Straßen befänden sich jetzt in einem "geschlossenen Militärgebiet" und seien für den Zivilverkehr gesperrt, sagte ein Armeesprecher. AFP-Reporter berichteten, dass die Armee entlang dem Gazastreifen bedeutende Truppenkontingente und schweres Militärmaterial zusammenziehe.

Ein ranghoher Regierungsbeamter sagte, dass Ministerpräsident Benjamin Netanyahu am Abend im Verteidigungsministerium in Tel Aviv sein Sicherheitskabinett versammelt habe. Bei der Sitzung gehe es um eine mögliche Verstärkung des Militärangriffs. 

75.000 Reservisten

Wie Kabinettssekretär Zvi Hauser am Freitag mitteilte, wird die Mobilisierung von bis zu 75.000 Reservisten für einen Einsatz gegen die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas angestrebt. 

Israel begann am Freitag mit der Mobilisierung von 16.000 Reservisten zur Stärkung des Einsatzes "Säule der Verteidigung" gegen die Hamas. Später kündigte ein Sprecher von Verteidigungsminister Ehud Barak weitere Mobilisierungen an. Dem 75.000-Mann-Vorschlag müssen noch alle Kabinettsmitglieder zustimmen. Am Donnerstag hatte das Kabinett die Einberufung von bis zu 30.000 Reservisten gebilligt.

Obama fordert Deeskalation

US-Präsident Barack Obama setzte sich in erneuten Telefonaten mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und Ägyptens Präsident Mohamed Mursi für eine Deeskalation in der Gaza-Krise ein. Der ägyptische Ministerpräsident Kandil hatte am Freitag gesagt, sein Land sei zur Vermittlung bereit, um eine Waffenruhe auszuhandeln.

Raketenabwehrsystem installiert

Das israelische Militär hat angesichts der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf den Großraum Tel Aviv ein Raketenabwehrsystem bei der Stadt stationiert. Es handele sich um eine Abwehrtechnik des Typs "Iron Dome" (Eisenkuppel) gegen Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite bis zu 70 Kilometer. Es sei die fünfte Einheit, deren Aufbau eigentlich erst für kommenden Jänner geplant gewesen sei, teilte die Armee am Samstag mit.

Ban reist in den Gazastreifen

Ein Sprecher des UN-Generalsekretärs kündigte am Freitag an, Ban werde "in Kürze" in den Gazastreifen reisen. Auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bestätigte den Plan. Nach seinen Angaben soll der Besuch "in zwei oder drei Tagen" stattfinden. Laut UN-Diplomaten will Ban auch nach Jerusalem reisen.

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi verurteilte Israels Vorgehen als "unverhüllten Angriff auf die Menschlichkeit" und sicherte den Palästinensern die Solidarität seines Landes zu. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief Mursi auf, seinen "Einfluss auf die Hamas geltend zu machen".

Zahlreiche Tote

Die Gesundheitsdienste der im Gazastreifen regierenden Hamas teilten unterdessen mit, bei einem neuerlichen Luftangriff der israelischen Armee seien vier palästinensische Zivilisten getötet worden. Ziel war demnach das Lager Maghazi im Zentrum des Gazastreifens. Israel hat nach palästinensischen Angaben auch einen weiteren Hamas-Kommandanten getötet. Der Militärchef für den mittleren Abschnitt des Gazastreifens, Ahmed Abu Jalal, sei zusammen mit zwei seiner Brüder und einem Nachbarn in dem Flüchtlingslager Al-Mughazi von einer Rakete getötet worden, teilte der medizinische Notdienst in dem Gebiet am Mittelmeer mit.

In ersten Berichten war nur vom Tod von drei Brüdern die Rede gewesen. Am Mittwoch hatte Israel bereits den Militärchef der Hamas, Ahmed al-Jabari, getötet. Ein weiterer Mann sei auf seinem Motorrad von einer Rakete getötet worden. Damit stieg die Zahl der palästinensischen Toten seit Beginn der israelischen Militäroffensive am Mittwoch auf 31. (Reuters/APA, 16/17.11.2012)

  • Blick auf das zerstörte Büro von Hamas-Chef und Ministerpräsident Haniyeh.
    foto: reuters/salem

    Blick auf das zerstörte Büro von Hamas-Chef und Ministerpräsident Haniyeh.

  • In Tel Aviv wurde früher als geplant ein Raketenabwehrsystem installiert.
    foto: apa/epa/sultan

    In Tel Aviv wurde früher als geplant ein Raketenabwehrsystem installiert.

  • Ein israelischer Polizist versucht Teile einer Rakete aus dem Garten eines Hauses zu entfernen.
    foto: apa/epa/hollander

    Ein israelischer Polizist versucht Teile einer Rakete aus dem Garten eines Hauses zu entfernen.

  • Israel zieht die Truppen an der Grenze zum Gazastreifen zusammen.
    foto: ap/abayov

    Israel zieht die Truppen an der Grenze zum Gazastreifen zusammen.

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