Lord bekämpft verleumdendes Gezwitscher

16. November 2012, 19:04
2 Postings

BBC-Opfer Alistair McAlpine will seinen Namen wieder reinwaschen - Er will mit der "Verurteilung durch Twitter" aufräumen

Lord McAlpine meint es ernst. Der britische Millionär und ehemalige Politiker will seinen Namen wieder reinwaschen und hat deshalb vor, sämtliche Nutzer des Microblogging-Netzwerks Twitter zu verklagen, die ihn mit Kindesmissbrauch in Verbindung brachten. Er wolle, kündigte Alistair McAlpine an, mit der "Verurteilung durch Twitter" aufräumen.

Die BBC hat der Lord schon in die Knie gezwungen: Die briti- sche öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt muss ihm umgerechnet rund 230.000 Euro zahlen. Denn in der BBC-Nachrichtensendung Newsnight vom 2. November war ein falscher Vorwurf erhoben worden: Man habe Beweise, hieß es, dass ein Tory-Politiker ein Kinderschänder sei. Man präsentierte einen Zeugen: Steve M., der angab, dass er als Minderjähriger von "einem hochrangigen Konservativen" mehr als ein Dutzend Mal vergewaltigt worden war.

Newsnight hatte den Politiker nicht namentlich genannt, aber genug Hinweise zu seiner Identifizierung geliefert. In der Folge wurde im Internet Lord McAlpine als Kinderschänder angeprangert. Dann kam die Kehrtwende: M. gab zu, McAlpine verwechselt zu haben. Der 70-jährige Vater dreier Töchter ist unschuldig.

Der Skandal führte zum Rücktritt des BBC-Generaldirektors. Jetzt erwartet McAlpine Genugtuung von all jenen, die ihn auf Twitter als Pädophilen bezeichneten. Dazu gehören Prominente wie Umweltaktivist George Mombiot oder Sally Bercow, die Frau des Unterhaussprechers. Auch von weniger bekannten Twitter-Nutzern wird erwartet, dass sie sich beim Lord entschuldigen, wie sein Anwalt Andrew Reid forderte: "Langfristig ist das für diese Leute der einfachste und billigste Weg, die Angelegenheit zu regeln."

Sein guter Ruf ist McAlpine teuer. Als zweitältester Sohn eines schottischen Barons und Bauunternehmers machte er Karriere in der Konservativen Partei, wo er Schatzmeister und später ein enger Berater der Premierministerin Margaret Thatcher wurde. Aus Protest gegen die seiner Meinung nach zu lasche Europapolitik verließ er 1996 die konservative Partei. Seinen Sitz im Oberhaus gab er 2010 auf, um zu vermeiden, sein beträchtliches Vermögen in Großbritannien versteuern zu müssen. Als Kinderschänder verleumdet worden zu sein, klagte der in dritter Ehe verheiratete McAlpine, habe ihm eine Rufschädigung eingetragen, "die nicht mehr repariert werden kann". (Jochen Wittmann, DER STANDARD, 17.18.11.2012)

 

  • BBC-Opfer Alistair McAlpine will seinen Ruf verteidigen.
    foto: bbc

    BBC-Opfer Alistair McAlpine will seinen Ruf verteidigen.

Share if you care.