Zwischen Groß- und Stammhirn

16. November 2012, 18:55
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Es war nur eine Frage der Zeit, bis österreichische Medien den Fall des amerikanischen "Generals in der Sex-Falle" nicht nur erotisch, sondern auch analytisch durchdringen würden

Es war nur eine Frage der Zeit, bis österreichische Medien den Fall des amerikanischen "Generals in der Sex-Falle" nicht nur erotisch, sondern auch analytisch durchdringen würden, und das auf einem Niveau, das dem militärischen Rang des Hochdekorierten entspricht. "In 'News' erklärt Ex-US-Botschafterin Helene von Damm die Hintergründe", und in der "'Kleinen Zeitung'"analysiert Rotraud Perner: Warum setzt bei mächtigen Männern bei Sex das Großhirn aus?"

Die Analyse in "News" war eher eine Selbstanalyse der "Ex-US-Botschafterin", die meinte: "Ich persönlich finde es sehr traurig und persönlich schrecklich, dass Petraeus, der dem Land so lange und vorbildlich diente, ein derart unrühmliches berufliches Ende nimmt." Aber immerhin: "Seine persönliche Ehre gebietet es Petraeus, zurückzutreten. Menschen dieses Formats haben in den USA eine Art Ehrenkodex, dem er folgt." Warum das "berufliche Ende" des Vier-Sterne-Generals ein "derart unrühmliches" gewesen sein soll, das zu erklären bedurfte es dann aber einer Rotraut Perner, die schwere Mängel im strategischen Denken erkannte. "Heute muss doch jeder rechnen, dass die Ex-Geliebte oder der Butler Memoiren schreibt. Sie kommen gar nicht auf die Idee, dass es auch strategische Hintergedanken bei der Frau geben könnte." Männer glauben eben noch an die reine Liebe, aber wird es ihnen gelohnt? "Bei Frauen setzt oft im Unterbewusstsein die Phantasie ein, der Mann könnte der Karriere nützlich sein." Zum Beispiel, indem sie sich ihm unter dem Vorwand nähern, seine Heldengeschichte aufzuschreiben - welcher Mann könnte da widerstehen?

Wenn sich dann auch noch der Widerspruch "Stammhirn gegen Großhirn" dazugesellt, ist die Chance, der "Sex-Falle" zu entgehen, praktisch null. Es gibt nämlich "Männerphantasien, die nicht verstehen wollen, dass Menschen ein Großhirn zum Denken haben. Aber manche paaren sich auf Stammhirn-Ebene", was aber für Frau Perner nicht weiter verwunderlich ist . "Wenn Männer sexuell hocherregt sind, setzt das Hirn aus", schwang sie sich in wissenschaftliche Höhen empor. "Der Volksmund sagt: Je länger der Penis, desto kürzer der Verstand. Sonst würden sie nicht so viel riskieren". Etwa, "wenn jemand im Staatssicherheitsdienst arbeitet und nicht auf die Idee kommt, selbst überwacht zu werden."

Die CIA könnte an besser qualifiziertes Führungspersonal kommen, wenn sie vorbeugend entsprechende Messungen an männlichen Bewerbern durchführte, auch wenn "der Verstand" auf diese Weise nur indirekt erhoben wird. Der Gedanke, von vornherein überhaupt nur weibliches Personal zu rekrutieren, läge nahe, dürfte aber auch nicht zum Ziel führen, wenn man sich erinnert, dass Penisabsenz nicht davor schützte, im Zustand sexueller Hocherregung eine vermutete Konkurrentin auf Stammhirn-Ebene mit Mails zu bombardieren, in denen ultimativ "Hände weg von meinem Kerl!" gefordert wurde. Es war erst dieses Besitzdenken, oder wenn man mit Rotraud Perner will, dieser "strategische Hintergedanke bei der Frau", der Petraeus um seinen Job brachte. Sein eigener bescheidener Anteil waren zunächst nur die "Hunderte E-Mails mit sexuellem Inhalt", die er, vielleicht eher intellektuell strapaziert denn "sexuell hocherregt", während geheimdienstlicher Kampfpausen in sein Handy fingerte.

"Warum setzt bei mächtigen Männern bei Sex das Großhirn aus?" war die eingangs in eine Frage gekleidete, aber nicht wirklich beantwortete Behauptung. Erst gar nicht aufgeworfen wurde die viel mehr Menschen betreffende Frage, warum "bei mächtigen Männern das Großhirn" so oft aussetzt, wenn sie mit Sex weniger am Hut haben, als ihnen guttäte, und mit Politik oder Wirtschaft mehr, als ihrer Umwelt guttut. Was sagt "der Volksmund" dazu?

Vom Tier im Mann zum Tier im Frauenleben. Nach dem Krach um die Kastelruther Spatzen geriet nun auch der Tierschutz ins Zentrum eines Sturms. Der "Wiener Tierball", der Fiona Swarowski etc. als Schirmherrin die Rückkehr ins Leben der heimischen Society ebnen sollte, endete in einem bitteren Streit ums Geld mit der Organisatorin Brigitte Martzak. Fiona, die "persönlich auch 3 Paar Ohrringe im Wert von etwa Euro 600,- für die Tombola" eingebracht hat, will den darüber hinausgehenden von ihr gesammelten Rest nicht für den Ball her-, sondern persönlich an Tierschützer vergeben. Nur Tieren, nicht der Frau Martzak wolle sie helfen. Die Society soll gerührt sein. (Günter Traxler, DER STANDARD, 17./18.11.2012)

(FOTO) zu Zwischen Groß- und Stammhirn
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