Finanzministerium soll Barockmuseum werden

16. November 2012, 18:22
8 Postings

In Wien ist ein neuer Museumscluster in Planung: Finanzministerin Maria Fekter will das Stadtpalais des Prinzen Eugen vom Belvedere bespielen lassen

Nebenan richtet die Nationalbibliothek ein Literaturmuseum namens Grillparzerhaus ein.

Wien - Prinz Eugen von Savoyen, einer der berühmtesten Feldherren der Monarchie, musste Geld ohne Ende haben: Er legte nicht nur eine bedeutende Bibliothek an, die im Prunksaal der Nationalbibliothek verwahrt wird, sondern ließ sich auch mehrere Schlösser bauen. 1694, mit 31 Jahren, kaufte er mehrere Grundstücke in der Himmelpfortgasse, auf denen Johann Bernhard Fischer von Erlach ab 1697 ein siebenachsiges Stadtpalais errichtete. 1702 übernahm Johann Lucas von Hildebrandt den Bau; in den folgenden zwei Jahrzehnten wurde dieser stark erweitert - unter anderem um die Prunksäle mit dem Goldkabinett.

Ab 1714 erbaute Hildebrandt als Ergänzung zum "Winterpalais" in zwei Etappen auch das Belvedere, das als Sommerresidenz des Prinzen fungierte. Nach dessen Tod 1736 erwarb Kaiserin Maria Theresia die Gebäude. Das Stadtpalais wurde zum Sitz verschiedener Institutionen, seit 1848 beherbergt es das Finanzministerium.

Nun, nach Abschluss der seit 2007 erfolgten Generalsanierung, will Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) nicht mehr in die Prunksäle einziehen, die als Büros eher ungeeignet sind, sondern diese der Öffentlichkeit zugänglich machen: Über ihr Kabinett ließ sie bei Agnes Husslein anfragen, ob sie daran interessiert sei, die Räume mit Ausstellungen zu bespielen.

Die Direktorin der Österreichischen Galerie Belvedere ließ sich nicht zweimal fragen: "Ich finde das eine tolle Idee!" Zusammen mit ihrem Stellvertreter Alfred Weidinger arbeitete sie ein Konzept aus. Neben Ausstellungen über den österreichischen Barock plant Husslein u. a. Interventionen bzw. Interaktionen zeitgenössischer Künstler. Als Referenzprojekt nennt sie die Bespielung von Versailles durch Jeff Koons.

Die Verklammerung von Winterpalais und Sommerresidenz - auch durch Ausstellungen mit Wechselbeziehungen - empfindet Husslein als "besonders reizvoll". Sinnvoll wäre es ihrer Meinung nach, nächsten Herbst mit einer Eugen von Savoyen gewidmeten Schau in beiden Gebäuden zu beginnen. Schließlich jährt sich am 18. Oktober 2013 der Geburtstag des Prinzen zum 350. Mal.

Das Kuratorium des Belvedere, von Husslein unterrichtet, begrüßt die Umsetzung des Konzepts. Und auch Kunstministerin Claudia Schmied (SPÖ) habe bereits ihr Okay gegeben - allerdings unter der Bedingung, dass alle Kosten (für Adaption, Sicherheitstechnik und Betrieb) vom Finanzministerium getragen werden.

Ein Barockmuseum in der Himmelpfortgasse würde auch noch aus einem anderen Grund sinnvoll sein: Direkt angrenzend, in der Johannesgasse, befindet sich das ehemalige Hofkammerarchiv, das gegenwärtig restauriert wird. Künftig dient es der Nationalbibliothek als Literaturmuseum: "Die denkmalgeschützten Regale haben eine unglaubliche Aura", sagt ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger. "Sie werden bei den Präsentationen eine wichtige Rolle spielen." Das Konzept stammt noch von Wendelin Schmidt-Dengler, dem verstorbenen Leiter des Literaturarchivs: Das identitätsstiftende Museum spannt den Bogen vom Josefinismus bis zur Gegenwart.

Rachinger rechnet mit einer Eröffnung Ende 2014 oder Anfang 2015. Jüngst fiel die Entscheidung, das Museum "Grillparzerhaus" zu nennen. Schließlich war Franz Grillparzer einst Direktor des Hofkammerarchivs - und sein Arbeitsraum blieb erhalten. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 17./18.11.2012)

Share if you care.