Vor dem Kaffee eher Rambo

16. November 2012, 18:11
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Schade, dass kein ORF-Format existiert, das zu besuchen man Stallone empfehlen könnte

Donnerstag, beklagenswerter TV-Abend: Schade, dass die ÖVP der ZiB 2 wieder einen Korb gab, sich Ministerin Johanna Mikl-Leitner weigerte, gegen Rudolf Hundstorfer (SPÖ) live anzutreten, um dessen Freiwilliges Sozialjahr zu sezieren. Unlängst schwänzte die ÖVP ja demonstrativ schon einen Runden Tisch. Schade auch, dass Sido nicht bei Beckmann war, um Boxpolitiker Witali Klitschko zu hören, wie er bekundete, "njemaljs meijnje Krjäfte außjerhalb djes Rjings eingesjetzt" zu haben. Pädagogisch wertvoll, hoffentlich hat Sido wenigstens zugesehen.

Aber vor allem schade, dass Sylvester Stallone Beckmann schon nach 40 Minuten wegen dringenden Termins verließ. Das Hollywood-Knautschgesicht, das aussah, als hätte es gegen zehn Weltmeister gleichzeitig geboxt, wirkte jedenfalls wie ein erdiger Vetter von Robert Mitchum. Ein entspannter Talkgast, dem man zwar auch manch dämlichste Filmszene der Menschheitsgeschichte verdankt, aber einer, dem man gerne zuhört, was auch Witali (wurde wegen Rocky Boxer) und Wladimir Klitschko (wurde wegen Bruder Boxer) taten.

Er nannte sich einen Mann, der aus einer New Yorker Gegend stammt, in der "zu viele Waffen in falschen Händen waren". Und er fand, nach seinem ersten Rocky-Erfolg "eine unangenehme Person" gewesen zu sein. "Wenn du Erfolg hast, willst du eben deine Rache nach den vielen Zurückweisungen. Und du redest zu viel." Über Politik wollte er lieber nicht plaudern, aber immerhin: "Morgens, vor dem Kaffee, bin ich Rambo, also Republikaner. Danach aber Demokrat, also Rocky. Bin da etwas gespalten." Schade, dass kein ORF-Format existiert, das zu besuchen man Stallone empfehlen könnte. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 17./18.11.2012)

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