Keine stabile Mehrheit für Wehrpflicht

16. November 2012, 18:26
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Zwei Drittel der Wahlberechtigten gehen davon aus, dass die Wehrpflicht letztendlich erhalten bleiben wird. Aber es ist nach Ansicht der Meinungsforscher keineswegs sicher, dass die Volksbefragung tatsächlich so ausgehen wird

Wien - Die Stimmung im Land - und speziell in den ländlichen Regionen - ist klar für die Wehrpflicht. Darin sind sich die Meinungsforscher weitgehend einig. Aber eine klare Mehrheit für die Beibehaltung des bisherigen Systems ist aus den Daten nicht abzulesen. Werner Beutelmeyer, der für den Standard regelmäßig erhebt, was die Österreicher von der Wehrpflicht halten: "Derzeit sagen 52 Prozent, dass sie für die Beibehaltung der Wehrpflicht sind, 47 Prozent sind für ein Berufsheer - statistisch ist das bei 400 Befragten kein eindeutiges Ergebnis. Was man aber eindeutig sagen kann: Eine klare Mehrheit erwartet, dass die Wehrpflicht am Ende bestehen bleibt."

In Zahlen: Nur 34 Prozent sagen, dass sie an die Einführung eines Berufsheeres glauben, 65 Prozent glauben an das Weiterbestehen der Wehrpflicht. Die Befürworter der Wehrpflicht sind in wesentlich höherem Ausmaß davon überzeugt, dass sich ihr Anliegen durchsetzt als das die Befürworter des Berufsheeres sind.

Und genau darin könnte das Problem für die Wehrpflicht-Fans liegen: Sie könnten sich zu sehr darauf verlassen, dass ihre Meinung sich ohnehin durchsetzen wird und am Ende an der Befragung gar nicht teilnehmen. Noch allerdings scheinen die Berufsheer-Befürworter weniger mobilisiert zu sein.

Auf die Frage, wie sicher man an der Befragung teilnehmen will, sagen 51 Prozent, dass sie das sicher vorhaben - die Anhänger der Wehrpflicht sind da entschlossener, viele Berufsheer-Befürworter entscheiden sich für die zweitstärkste Option, nämlich "eher schon" hinzugehen. Nur zwölf Prozent sagen, dass sie eher nicht oder gar nicht hingehen würden - aber eine Beteiligung von 88 Prozent ist eher unrealistisch. Daher kann man eher erwarten, dass diejenigen, die "eher schon" hingehen wollen, dies nur zu einem geringen Teil tun werden.

Die Motivation der Wahlberechtigten wird also mitentscheidend für den Ausgang sein.

Das sieht auch das Linzer Spectra-Institut so. Es veröffentlichte am Freitag eine Studie, derzufolge das Berufsheer dann im Vorteil ist, wenn die Befragten genauer über den Inhalt der bei der Volksbefragung angebotenen Modelle informiert werden. Wenn es der SPÖ gelänge, das Berufsheer-Modell von der eigenen Partei zu entkoppeln, könnte sie damit erfolgreich sein, meinen die Spectra-Analysten.

Vertrauen in Fischer

Die Koppelung des Themas an die Parteien ist überhaupt ein Schwachpunkt: In der Market-Umfrage für den Standard zeigt sich nämlich, dass ausnahmslos allen Parteien vorgeworfen wird, in dieser Frage nur zu taktieren. Market fragte: "Was meinen Sie, wer meint es am ehesten ernst mit diesem Thema, also wem geht es wirklich um ein funktionierendes Bundesheer - und wer spielt hier eher ein taktisches Spiel, also versucht seine eigenen politische Interessen durchzusetzen?"

Darauf sagten 53 Prozent, dass die FPÖ überwiegend taktiere (nur 16 Prozent glauben an eine ernsthafte Haltung), 51 Prozent sagen das von der SPÖ, 49 Prozent sehen die ÖVP als rein parteipolitisch motiviert - nur jeweils 29 Prozent gehen davon aus, dass die Regierungsparteien es mit dem Heer ernst meinten.

Auch für die handelnden Personen gibt es überwiegend schlechte Noten. Dem Bundespräsidenten und Oberbefehlshaber Heinz Fischer wird am ehesten (von 41 Prozent) zugetraut, dass es ihm ums Heer ginge - doch auch ihn halten 23 Prozent für einen parteilichen Taktieren. Generalstabschef Edmund Entacher wird von 32 Prozent Ernsthaftigkeit zugetraut, 29 Prozent zweifeln und 40 Prozent kennen ihn zu wenig. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 17./18.11.2012)

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    Entacher, Darabos, Faymann und Fischer - nur Bundespräsident und General gelten als sachlich engagiert.

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