Rolle der Finanzinnovation

Kolumne |

Nach einer Krise sind Rufe nach einer Begrenzung des Wettbewerbs nicht ungewöhnlich

Viele Wirtschaftswissenschafter befürworten eine Regulierung, die das Bankwesen wieder "langweilig" und wettbewerbsfeindlich machen würde. Nach einer Krise sind Rufe nach einer Begrenzung des Wettbewerbs nicht ungewöhnlich.

Bedenken hinsichtlich der nachteiligen Auswirkungen des Wettbewerbs hat es immer gegeben, selbst unter denjenigen, die nicht davon überzeugt sind, dass das staatliche Diktat die Märkte ersetzen kann oder dass das Gute im Menschen eine stärkere Motivation darstellt als monetäre Belohnungen und Bestrafung. Besonders erhitzt wurde die Debatte über die Auswirkungen durch Innovationsanreize geführt.

Die Kritiker glauben, dass Innovationen das Problem sind. Anstelle von Schumpeters "schöpferischer Zerstörung" haben sich die Banker mit zerstörerischer Schöpfung beschäftigt, um die Kunden bei jeder Gelegenheit abzuzocken, während sie sich selbst hinter einem Schleier der Komplexität vor den neugierigen Augen der Regulierungsbehörden verschanzten. Der Ex-US-Notenbankchef Paul Volcker hat etwas ironisch behauptet, die einzige nützliche Finanzinnovation der letzten Jahre seien Geldautomaten gewesen. Daher fordern Kritiker eine Beschränkung des Wettbewerbs, um Innovationen unattraktiver zu machen.

Selbstverständlich argumentieren die Kritiker zu Recht, dass nicht alle Innovationen in der Finanzwirtschaft sinnvoll und einige sogar zerstörerisch waren. Im Großen und Ganzen haben Innovationen wie Zinsswaps und Ramschanleihen jedoch enorme Vorteile für eine Vielzahl von Firmen gehabt, die auf diese Weise gegründet werden und Kredite erhalten konnten, was zuvor einfach nicht möglich war.

Selbst hypothekenbesicherte Wertpapiere, die im Mittelpunkt der Finanzkrise 2008 standen, erfüllen eine wichtige Aufgabe bei der Ausweitung des Besitzes von Eigenheimen und Fahrzeugen. Das Problem waren nicht die Innovationen, sondern wie sie eingesetzt wurden - also die Anreize für die Finanziers.

Und dabei spielt der Wettbewerb eine Rolle. Dieser macht es schwieriger, Geld zu verdienen, und verringert daher die zukünftigen Erträge der inkompetenten Marktteilnehmer. In einer gewöhnlichen Branche würden inkompetente Unternehmen vom Markt verdrängt. In der Finanzbranche gehen inkompetente Firmen mehr Risiken ein, in der Hoffnung, den Jackpot zu knacken. (Raghuram Rajan, DER STANDARD, 17/18.11.2012)

Raghuram Rajan ist Professor für Finanzwissenschaften an der Booth School of Business der University of Chicago und leitender Wirtschaftsberater der indischen Regierung. Er ist der Autor von "Fault Lines - Verwerfungen: Warum sie noch immer die Weltwirtschaft bedrohen und was jetzt zu tun ist". © Project Syndicate, 2012. Aus dem Englischen von Anke Püttmann.

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