105 von 275 Raketen abgefangen: Ist das gut oder schlecht?

  • Eine von 105 abgefangenen Raketen.
    foto: apa/epa/hollander

    Eine von 105 abgefangenen Raketen.

Nur kleine Teile Israels befinden sich bisher unter dem Raketen-Schirm "Iron Dome"

Von 275 Raketen aus dem Gazastreifen hat der israelische "Iron Dome" 105 abgefangen, hieß es an einem gewissen Punkt von "Pillar of Cloud". Am Zähler wurde inzwischen schon wieder weitergedreht, aber die Frage bleibt, ob denn die israelische Abschussquote "gut" sei - und die Antwort der befragten Experten fällt komplexer aus als erwartet. "Gut" schon, wenngleich weit entfernt von einem absolut sicheren Raketenschutzschirm, heißt es: Aber eigentlich könne man zur Qualität nichts sagen, wenn nicht noch andere Eckdaten zur Verfügung stehen.

Die da wären: Wie oft haben die Raketen überhaupt Gebiete betroffen, die von den "Iron Dome"-Batterien (=Feuereinheiten) verteidigt sind? Denn nur kleine Teile Israels befinden sich bisher unter diesem Schirm - und Treffer außerhalb kann man dem Schirm nicht anlasten. Bisher besteht er aus vier Batterien, eine fünfte kommt soeben hinzu. Aber alleine um den nördlichen und südlichen Grenzraum Israels flächendeckend zu schützen, sind bis zu zwölf nötig. Für das gesamte israelische Territorium gehen die Berechnungen auseinander, die Angaben schwanken zwischen zwanzig und vierzig nötigen Batterien.

Eine weitere Frage wäre, wie oft überhaupt versucht wurde, die Rakete abzuschießen: Wenn die Flugbahnberechnung ergibt, dass sie in unbewohntem Gelände einschlägt, kann man sich die Kosten für den Schuss ersparen. Manche werden also einfach durchgelassen. Wichtig ist, die zu erwischen, die gefährlich sind. Offenbar ist es auch eine Frage, die Raketen nicht nur zu treffen, sondern auch gänzlich zu vernichten - ein Experte erinnert an die irakischen Scuds, die während des Golfkriegs 1991 über Israel abgeschossen wurden, aber deren Teile beim Herunterkommen doch noch beträchtlichen Schaden anrichteten.

Die Hamas und andere radikale Gruppen im Gazastreifen haben heute nicht mehr nur Qassam-Raketen (mit 17 Kilometer Reichweite) und die Grads (20 Kilometer), sondern auch ein Grad-Upgrade mit 40 und die iranische Fajr-5 mit 75 Kilometer Reichweite. Mit diesen Raketen ist sowohl Tel Aviv - wie man bereits gesehen hat - als auch knapp Jerusalem zu erreichen. Aber ein Experte schreibt mir, dass die Fajr-5 mit einem Durchmesser von 333mm andererseits wieder leichter zu erwischen ist als eine Katyusha 122mm mit kürzerer Reichweite.

Wichtig zu wissen ist, dass der "Iron Dome" nur die unterste Stufe eines im Aufbau befindlichen israelischen Raketenschutzschirms ist, für die Abwehr von Mörsergranaten, Artilleriegranaten und Artillerieraketen. Das heißt, es können Geschosse abgefangen werden, die aus einer Distanz von minimal vier Kilometer bis je nach Quelle aus maximal 40 bis 70 Kilometern abgefeuert werden. „Je höher die Reichweite", schreibt mir ein Experte, „desto unterschiedlicher ist das Flugprofil der Geschosse - irgendwann befinden sie sich außerhalb der Einsatzparameter von ,Iron Dome‘ ".

In Entwicklung ist auch "David's Sling" - die Schleuder Davids - für Mittel- und Langstreckenraketen (70 - 250 km Reichweite). Für die Ballistic Missile Defense - Stichwort Iran - haben die Israelis die seit dem Golfkrieg 1991 hinlänglich bekannten Patriots (allerdings in einer gegenüber 1991 wesentlich verbesserten Version) sowie die eigenen Arrow-2 und Arrow-3-Raketen.

Insofern hat der jetzige Einsatz auch keinen Testlauf-Nutzen für einen Iran-Krieg, ganz abgesehen davon, dass "Iron Dome"-Simulationen günstiger sind: wirtschaftlich und politisch. Dennoch meinen manche Experten, dass so ein Szenario wie derzeit in Israel immer auch einem Test des Gesamtsystems dient. So besteht die Frage, ob die Mobilisierung der Reservisten, die am Donnerstag erfolgte, überhaupt nötig oder nützlich sei.

Zu allerletzt einen herzlichen Dank den Experten, die mir meine technischen Fragen und meine und Einschätzungsfragen beantwortet haben - da nicht alle genannt werden wollen oder dürfen, nenne ich keinen davon. Wenn ich Fehler in den Artikel hineingebracht habe, fällt das ausschließlich auf meine mangelnde Fachkenntnis, gepaart mit dem Wunsch, mich möglichst einfach auszudrücken, zurück! (derStandard.at, 16.11.2012)

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Frage umformulieren:

Ist es richtig 105 Raketen abzufangen?

Gaza Krieg

In Gaza sind 100 gestorben,in Israel etwa 7.Ist das gut oder schlecht?

Beides ist schlecht.

Für die toten Araber ist übrigens zu 100% die angreifende Hamas zuständig die sich feige hinter Zivilisten versteckt. Die Hamas begeht hier ein weiteres Kriegsverbrechen, das verbergen militärischer Einrichtungen (auch von Kommandostrukturen) zwischen Zivilen Einrichtungen, ist ein Kriegsverbrechen.

Zudem gibts Bunker für Hamas Führer. Aber keine solchen für die Zivilbevölkerung.

Ein weiteres Kriegsverbrechen der Hamas ist übrigens das füllen der Raketensprengkäpfe mit Stahlkugeln und Abfeuern ebendieser in ausschliesslich! zivile Areale.

Iron Dome fängt nur anfliegende Raketen ab, wenn sie auf "bewohntem" Gebiet niedergehen würden.

Raketen, die nach den Berechnungen von Iron Dome auf offenem Feld einschlagen, werden nicht abgeschossen.

Daraus ergibt sich dieses Zahlenverhältnis.

Die 105 abgeschossenen Raketen bilden 90% der Raketen, die auf bewohntem Gebiet niedergegangen wären. Also sind tatsächlich nur noch 10% eingeschlagen und das ist doch was, oder?

und natürlich auch in der reichweite der

fünf batterien liegen

das dilemma hier ist eine grundlegende entscheidung in jedem krieg. wen schütze ich meines volkes und wen liefere ich aus? welche kosten bin ich bereit auf mich zu nehmen?

die israelis verschieben ihre 5 batterien fast täglich, je nach gefahr und damit der feind nicht weiss wohin

eine abfangrakete kostet fast 50.000 dollar, die angriffsrakete der hamas ist ein paar hundert oder ist geschenkt

auf höherer ebene ist es einfach: wie schätze ich die lage ein und wieviel geld gebe ich dafür aus.
für 5 batterien oder 50?

genau die frage stellen wir uns (nicht) in österreich:
wir sehen kein risiko (fehleinschätzung), geld für waffen und raketenabwehr? ist halt nicht notwendig

wir diskutieren wer rettung fährt

vor kurzem ist wieder eine rakete über tel aviv abgeschossen

die dich besiedelten gebiete scheinen gut geschützt zu sein. kopfwäsche meines cousins in der schule (sein klassenvorstand, englisch- und mathelehrer) hat da mehr eindruck hinterlassen. sein kleiner bruder hat hingegen wegen des alarms am vormittag ein konzert verpasst - der ausflug wurde abgesagt.

Frau Harrer bietet ihr geballtes Wissen auf.

Und was kommt dabei heraus?

mehr als aus deiner schwachen replik

naja

was soll hier gut oder schlecht sein? Beurteilen wir hier etwas die militärischen Fähigkeiten beider Seiten oder was? Das soll wohl ein Witz sein.

nein, die quote ist nicht gut ...

aber eine gute quote wurde auch nicht erwartet, deswegen testet man ja auch mit diesem kleinen krieg ...

wenn man bedenkt, dass das sytem weder fertig ist, noch das ganze land schützt, dann ist das ergebnis aber wohl besser als erwartet ...

aber es ist wohl auch ein extrem teurer test, jetzt weiss die hamas ganz genau, wo die schutzzonen liegen ...

denn auch abfangraketen kosten geld, als neueste raketen sogar recht viel geld ...

kein vergleich zu dem was eine hamas-rakete kostet ...

also wird der beschuss aus gaza nicht aufhören, sondern eine neue dimension erreichen ...

sowohl auf die schutzzonen, als auch auf die schutzfreien zonen ...

das abwehrssystem wird noch die stärkste waffe der hamas ...

mfg

Und danach sich wundern, warum man zerbombt worden ist...

Aber da ist eben Hopfen und Malz verloren. Diese Erfahrung mussman in Gaza eben immer wieder machen.

Ist derstandard.at eine reale Person?

Da schreibt jemand in Ich-Form einen Artikel und wird dann als derstandard.at signiert???

Wenn eine Kolumne "Harrers Analysen ..." heißt

gehe ich davon aus, dass die Autorin Frau Harrer ist ;-)

nicht schlecht

seit ueber 60 Jahren unterhaelt ein Land ein "Lager" in dem eine ethnische Minderheit "konzentriert" wird. Achja, DIE duerfen das ja.

habens eigentlich den Arafat schon ausgegraben?

Iron Dome versucht nur Raketen abzufangen, die in geschützte Zonen fallen (dazu wären auch die Interceptors zu teuer)

Bei den zu bekämpfenden Zielen gibt die IAF 90 % Trefferquote an.

gut für die rüstungsindustrie

schlecht für die menschen.

Für die Menschen, die Raketen abschießen,

die niemanden mehr treffen können, ist das sicher schlecht.

sehr geehrter sitting bull

1) es gibt nicht nur israelisch militärexperten
2) die fachexpertise in diesem bericht ist endend wollend
3) höflichkeit eines journalisten ist in ordnung

was ist denn das für ein Kommentar?

Kniefall vor israelischen Militärs mit vorauseilender Bitte um Verzeihung, wenn in der Laudatio ein technischer Fehler unterläuft ??? Das ist ja keine Analyse, wie der Kolumnentitel verspricht, sondern embedded journalismus vom feinsten, Frau Harrer, für den standard.

ein recht gut informierter - aus meiner sicht - bekannter hier in tel aviv meint, die bodenoffenesive sei nicht besonders wahrscheinlich

und könnte das jetzt "verdiente" wahlkampfkapital nur dezimieren und die einberufung eher einem "realitätsnahem" (ich fand die bezeichnung ein wenig skrupellos) training ähnlich sieht. ein anderer glaubt an eine bodenoperation, allerdings ohne seine position besonders gut begründen zu können ... ich kann noch zu wenig sagen, zumal ich die lage hier noch unzureichend einschätzen kann.

ja, auch in tel aviv gibt es an "knotenpunkten" militärrepräsentanten, die allerdings eher gelanweilt als angespannt wirken - die "haltung" insgesamt bewertet eine seit 1996 hier lebende angeheiratete verwandtschaft, viel zu "entspannt" und geradezu lässig, alsdass es nach einem ernsten konflikt aussehen würde ...

Invasion war auch nie geplant

Niemand könnte Interesse haben das Desaster von 2008 zu wiederholen.
Und militärisch ist die isr. Armee dabei auch gescheitert. Bis ins Zentrum von Gaza hat sie es nicht geschafft, das wäre opferreich geworden.
Da ist der Terror aus der Luft allemal leichter und billiger.

ICh perönlich hoffe inständig dass die Bodenoffensive unterbleibt.

Sie nutzt niemandem.

Ich stell das mal rein - das Material ist unclassified

http://www.airpower.at/news2010/... RAFAEL.pdf

Nur damit man mal einen Begriff hat was alles heut schon möglich ist....
Die KMW Panzerhaubitze 2000 (155mm) gibts in einer vollautomatischen Version namens "Donar". Da gibst inzwischen Software dafür die aus den Daten des angeschlossenen Artillerieradars einen Abfangpunkt ermittelt, so dass sie eine anfliegende Granate trifft - nicht voll - aber 155mm haben einen so großen Bums und Splitterwirkung, dass 3-4m Vorbeiflug reichen. Und damits lustig wird rechnet das Geschütz auch noch ein wo das Zeug runterfällt und spart zu schützende Bereiche aus - ändert also den Abfangpunkt zeilkich - und dazwischen wird auch noch berechnet ob davor(!) noch Zeit bleibt für den Gegenschuss.

als Betreiber einer Hobby Homepage...

.. haben Sie vielleicht ein paar Fans beim Militär, aber selbstverständlich *nie* Zugang zu Material das classified ist. Sonst müsste das Abwehramt ein paar deppen den Kopf ausreissen. Also müssens Sie es gar nicht dazuschreiben... es ist eh klar.

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