Bildungspsychologen sagen Ja zum Theater

Das Theater der Jugend feiert seinen 80. Geburtstag mit einem Festsymposium

Wien - Im Gründungsjahr 1932 hieß das Theater der Jugend noch "Theater der Schulen". Die Verbindung zu Schulen pflegt das Haus bis heute auch intensiv. Der Großteil der 47.000 Abonnenten sind Schülerinnen und Schüler - eine Zahl, von der andere Institutionen nur träumen können.

Das zum 80. Geburtstag des europaweit größten Kinder- und Jugendtheaterhauses veranstaltete zweitägige Festsymposium ("Wert - Objekt - Kind") hat nun auch weg von künstlerischen Fragen hin zu bildungspsychologischen und pädagogischen geführt, zum Kind als beforschtem Objekt.

Der Berliner Philosoph Gunter Gebauer fragte: "Wann denken Kinder nach?" und kam zu dem wenig überraschenden Ergebnis, dass sie dies ständig tun. Er formulierte auch den schönen Satz: "Aus dem Staunen entsteht Denken" und gab damit den Ball weiter an das Theater als Schule der Empathie, die dem Publikum die Möglichkeit einräumt, aus emotionalen Erfahrungen Erkenntnisse zu gewinnen. Jörg Zirfas, Professor für Pädagogik in Erlangen, hinterfragte den Begriff des Glücks, der auf Kinder projiziert werde. Das Glücksempfinden nehme ab dem 13. Lebensjahr ab.

Barbara Schober von der Universität Wien stellte empirische Studien zur Bildungspsychologie vor, darunter frappierende Ergebnisse zu geschlechtsspezifischen Bildungsverläufen. Trotz formaler Gleichheit und großen Bekenntnisses zu einem geschlechtsneutralen Unterricht sieht die Realität anders aus: Immer noch wird beispielsweise Erfolg bei Buben auf Begabung, Misserfolg auf Faulheit zurückgeführt, während Erfolg bei Mädchen mit Fleiß, Misserfolg aber mit mangelnder Begabung erklärt wird. Diese von Eltern und Lehrern unbewusst gesteuerten Konnotierungen übertragen sich auf die Kinder. Das Theater kann hier gegensteuern helfen. (afze, DER STANDARD, 17./18.11.2012)

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