Kraftwerk in Zwentendorf produziert Sonnenstrom

  • Das Sonnen- neben dem Atomkraftwerk Zwentendorf: Das eine wurde am 
Freitag, das andere nie eröffnet. Von den 2300 Fotovoltaikpaneelen neben
 dem AKW haben Bürger 1300 gekauft.
    foto: evn / günter kargl

    Das Sonnen- neben dem Atomkraftwerk Zwentendorf: Das eine wurde am Freitag, das andere nie eröffnet. Von den 2300 Fotovoltaikpaneelen neben dem AKW haben Bürger 1300 gekauft.

Erste Fotovoltaikanlage mit Bürgerbeteiligung in Niederösterreich

Wien/Zwentendorf - Das Kraftwerk Zwentendorf ist eröffnet. Über Plakate schwenkende, Parolen schreiende Menschen wurde am Freitag aber nichts berichtet, als die Energieversorgung Niederösterreich (EVN) zur Einweihung lud. Die als Sonnenkraftwerk bezeichnete Fotovoltaikanlage liegt auf einem Rasenstück neben dem AKW, das nie in Betrieb gegangen ist. Sie umfasst 2300 Paneele mit einer Leistung von rund 450 kW. 1300 dieser Paneele hat die EVN um je 300 Euro pro Stück an Bürger verkauft - binnen weniger Tage seien sie weg gewesen. Dem ersten Fotovoltaik-Bürgerbeteiligungsmodell Niederösterreichs sollen weitere folgen.

400.000 Euro Errichtungskosten

Die Errichtungskosten der Anlage liegen bei 400.000 Euro - der Betonklotz daneben kostete den Steuerzahler gut eine Milliarde Euro - damals noch rund 14 Milliarden Schilling. Jene Bürger, die ein Paneel erstanden haben, vermieten es für 13 Jahre an die EVN und sollen dafür bis Ende der Laufzeit knapp 400 Euro erhalten.

Die "historische Symbolik" des Ortes ist nach Angaben des niederösterreichischen Umweltlandesrats Stephan Pernkopf (VP) bewusst gewählt: Die Menschen könnten sozusagen "das Atomkraftwerk 'kaufen' und dort ihren eigenen Strom aus der Sonne erzeugen", meint der Landesrat.

Neun von zehn Privathaushalten in Niederösterreich decken ihren Strombedarf laut Pernkopf bereits aus erneuerbaren Energiequellen ab. Bis 2015 sollen es alle sein.

Trainings im AKW beliebt

Ein Ausbau der Fotovoltaikanlage in Zwentendorf ist laut Betreibern denkbar und wäre platzmäßig möglich. Das AKW bleibt unterdessen weiterhin als Übungsort in seiner bisherigen Form erhalten. Dass Deutschland den Atomausstieg beschlossen hat, schlage sich in Zwentendorf noch nicht zu Buche, heißt es von der EVN. Nach wie vor werkeln - außer im Winter, weil es dann zu kalt ist - deutsche Ingenieure zu Übungszwecken im AKW Zwentendorf. Seit heuer arbeitet die EVN auch mit einer indischen Firma, die Trainings im asiatischen Raum anbietet, zusammen. Außerdem finden regelmäßig Führungen statt. Diese sind allerdings schon bis Mitte 2013 ausgebucht. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 17./18.11.2012)

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