Badelt: "Den Bachelor nicht krankreden"

  • Der Bachelor ist an den Unis und in der Wirtschaft angekommen: (von 
links) Martin Gerzabek (Boku), Sabine Seidler (TU), 
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und Christoph Badelt (WU).
    foto: standard/fischer

    Der Bachelor ist an den Unis und in der Wirtschaft angekommen: (von links) Martin Gerzabek (Boku), Sabine Seidler (TU), Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und Christoph Badelt (WU).

Vieles müsse sich bei der dreistufigen Studienarchitektur noch einspielen. Bei der Career Calling wurde mit Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und den Rektoren der teilnehmenden Universitäten über Verbesserungspotenziale diskutiert

Der Bachelor ist in der Wirtschaft großteils angekommen, die nächsten Herausforderungen für Universitäten und Wirtschaft zeichnen sich aber schon ab. Bei der Career Calling, der Karrieremesse der Wirtschaftsuni (WU), Technischen Uni (TU) und der Universität für Bodenkultur (Boku) am Donnerstag in Wien wurde mit Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und den Rektoren dieser Hochschulen über den Status quo der Bologna-Architektur und notwendigen Handlungsbedarf gesprochen.

Alle drei Universitäten haben ihre Studienangebot auf das Bologna-System umgestellt. Nur die Idee, dass nach dem ersten Abschluss zuerst Berufserfahrung gesammelt und später erst ein Masterstudium absolviert wird, geht nicht auf. "Bachelorabsolventen der Informatik sind am Arbeitsmarkt begehrt, aber bei anderen Studienrichtungen wie der technischen Chemie ist das Doktorat der Regelabschluss", sagt Sabine Seidler, die Rektorin der TU.

Martin Gerzabek, der Rektor der Boku, sieht einen Grund darin, dass die Berufsberechtigung für bestimmte Studienrichtungen gesetzlich geregelt und dafür ausschließlich ein Masterabschluss erforderlich sei. Als Beispiel nennt er das Forstwirtschaftsstudium. Mit einem Bachelorabschluss in diesem Fach werden die Absolventen mit solchen einer berufsbildenden höheren Schule gleichgesetzt. Hier sieht er noch Handlungsbedarf. "Denn im Moment können wir niemandem raten, nach dem Bachelor aufzuhören. Das ist eine Vergeudung der Zeit", sagt er.

"Verunsicherung"

Auch an der WU würde der überwiegende Anteil der Studierenden gleich im Anschluss nach dem Bachelor ein Masterstudium absolvieren. Dennoch sieht Rektor Christoph Badelt eine steigende Akzeptanz am Arbeitsmarkt. "Aber wenn die Personalverantwortlichen noch keine Erfahrung mit dem Können von Bachelorabsolventen haben, gibt es noch eine Spur an Verunsicherung" , sagt er. Dennoch ist er überzeugt, dass der Bachelorabschluss in sechs bis sieben Jahren die Regel sein wird. "Aber wir müssen aufhören, den Bachelor krankzureden, denn diese Unsicherheit überträgt sich zu Unrecht" , ergänzt er. Den meisten Handlungsbedarf sowohl bei den Universitäten als auch in der Wirtschaft sieht Badelt darin, Berufstätigen ein Masterstudium zu ermöglichen. Für die Universitäten sei das auch eine Konkurrenz zu den kostenpflichtigen Weiterbildungsmasterstudien. "Hier wäre es vielleicht sinnvoll, für den zweiten Studienabschluss Gebühren einzuheben", sagt er.

Für Töchterle ist das Thema Studiengebühren nur vorerst gelöst. "Und das Masterstudium ist bei der langfristigen Lösung ein Thema, über das geredet werden muss", sagt er. Veränderungsbedarf sieht er auch bei der Rot-Weiß-Rot-Card, mit der qualifizierte Arbeitskräfte eine Aufenthaltserlaubnis in Österreich bekommen können. Denn derzeit werden Bachelor-Absolventen dabei nicht berücksichtigt. Vieles müsse sich noch einspielen, dennoch ist Töchterle überzeugt, dass Bologna eine Erfolgsgeschichte wird. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 17./18.11.2012)

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