Badelt: "Den Bachelor nicht krankreden"

Gudrun Ostermann
16. November 2012, 17:18
  • Der Bachelor ist an den Unis und in der Wirtschaft angekommen: (von 
links) Martin Gerzabek (Boku), Sabine Seidler (TU), 
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und Christoph Badelt (WU).
    foto: standard/fischer

    Der Bachelor ist an den Unis und in der Wirtschaft angekommen: (von links) Martin Gerzabek (Boku), Sabine Seidler (TU), Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und Christoph Badelt (WU).

Vieles müsse sich bei der dreistufigen Studienarchitektur noch einspielen. Bei der Career Calling wurde mit Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und den Rektoren der teilnehmenden Universitäten über Verbesserungspotenziale diskutiert

Der Bachelor ist in der Wirtschaft großteils angekommen, die nächsten Herausforderungen für Universitäten und Wirtschaft zeichnen sich aber schon ab. Bei der Career Calling, der Karrieremesse der Wirtschaftsuni (WU), Technischen Uni (TU) und der Universität für Bodenkultur (Boku) am Donnerstag in Wien wurde mit Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und den Rektoren dieser Hochschulen über den Status quo der Bologna-Architektur und notwendigen Handlungsbedarf gesprochen.

Alle drei Universitäten haben ihre Studienangebot auf das Bologna-System umgestellt. Nur die Idee, dass nach dem ersten Abschluss zuerst Berufserfahrung gesammelt und später erst ein Masterstudium absolviert wird, geht nicht auf. "Bachelorabsolventen der Informatik sind am Arbeitsmarkt begehrt, aber bei anderen Studienrichtungen wie der technischen Chemie ist das Doktorat der Regelabschluss", sagt Sabine Seidler, die Rektorin der TU.

Martin Gerzabek, der Rektor der Boku, sieht einen Grund darin, dass die Berufsberechtigung für bestimmte Studienrichtungen gesetzlich geregelt und dafür ausschließlich ein Masterabschluss erforderlich sei. Als Beispiel nennt er das Forstwirtschaftsstudium. Mit einem Bachelorabschluss in diesem Fach werden die Absolventen mit solchen einer berufsbildenden höheren Schule gleichgesetzt. Hier sieht er noch Handlungsbedarf. "Denn im Moment können wir niemandem raten, nach dem Bachelor aufzuhören. Das ist eine Vergeudung der Zeit", sagt er.

"Verunsicherung"

Auch an der WU würde der überwiegende Anteil der Studierenden gleich im Anschluss nach dem Bachelor ein Masterstudium absolvieren. Dennoch sieht Rektor Christoph Badelt eine steigende Akzeptanz am Arbeitsmarkt. "Aber wenn die Personalverantwortlichen noch keine Erfahrung mit dem Können von Bachelorabsolventen haben, gibt es noch eine Spur an Verunsicherung" , sagt er. Dennoch ist er überzeugt, dass der Bachelorabschluss in sechs bis sieben Jahren die Regel sein wird. "Aber wir müssen aufhören, den Bachelor krankzureden, denn diese Unsicherheit überträgt sich zu Unrecht" , ergänzt er. Den meisten Handlungsbedarf sowohl bei den Universitäten als auch in der Wirtschaft sieht Badelt darin, Berufstätigen ein Masterstudium zu ermöglichen. Für die Universitäten sei das auch eine Konkurrenz zu den kostenpflichtigen Weiterbildungsmasterstudien. "Hier wäre es vielleicht sinnvoll, für den zweiten Studienabschluss Gebühren einzuheben", sagt er.

Für Töchterle ist das Thema Studiengebühren nur vorerst gelöst. "Und das Masterstudium ist bei der langfristigen Lösung ein Thema, über das geredet werden muss", sagt er. Veränderungsbedarf sieht er auch bei der Rot-Weiß-Rot-Card, mit der qualifizierte Arbeitskräfte eine Aufenthaltserlaubnis in Österreich bekommen können. Denn derzeit werden Bachelor-Absolventen dabei nicht berücksichtigt. Vieles müsse sich noch einspielen, dennoch ist Töchterle überzeugt, dass Bologna eine Erfolgsgeschichte wird. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 17./18.11.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 72
1 2
Bachelor...

...fürs niedrige Volk... und ab dann wird bezahlt... ja, so stell ich mir Bildungserwerb in einem VP-beherrschten Österreich vor... genau so... und die sPÖ saftelt weiter vor sich hin und rührt sich fast nicht...

der Bachelor ist in der Wirtschaft angekommen? Wo? in der Mistwirtschaft?
Hahnebücherner Blödsinn!!!

In der Wirtschaft ist er schon angekommen. Es werden viele einfach Techninker, DI(FH), und halt auch Bac. gebraucht, die man halt recht günstig bezahlen kann.

Allerdings: Bei den Studenten ist das (und wird wohl nie) nicht ankommen. Mann kann es keinem verdenken, wenn er für sich halt gerne den höchstwertigsten Abschluss an der besten Uni/TU machen möchte um eben später bessere Chancen zu haben.

Der Batchelor ist schon OK

So wie früher der Mag. cand.
Man muß ihn einfach gern haben...

Im grunde ist die einfuehrung des bachelor-studiums nichts anderes als die gewiefte europaweite abschaffung einer studienmöglichkeit für "jedermann":

Ein bloßes pseudo-studium(das von der wirtschaft völlig realistisch als solches auch eingestuft wird).
Das eigentliche studium ist der master-studiengang,zu dem aus vielerlei gründen(finanziell,zeitlich,zugangs-restriktionen uäm.) dann bloß wenige privilegierte zugang finden können!

Ich sehe den Master eher als Vertiefung des Bachelor-Studiums. 180 ECTS-Punkte Bachelor, 120 ECTS-Punkte Master - das ist die Regel. Die Unterschiede liegen in der Vertiefung der Kompetenzen und einer längeren Master-Arbeit im Vergleich zur Bachelor-Arbeit. Aber ohne Bachelor kein Master, von daher verstehe ich dieses Hintreten auf den Bachelor nicht.

Der Staat der sich aus der Verantwortung schleicht

zuerst der nutzlose bachelor und dann eine sündteure privatuni die von kunden (studienenzahler) abhängig und nicht der qualität verpflichtet ist, oder sein kann. danke spö (von der övp hätte man sich ohnedies nichts erwartet)

den bachelor muss man nicht krankreden

der ist es einfach.

ein schmalspurakademiker nach drei jahren verschulter uni. warum wohl macht in den ländern aus denen dieser schamfu kommt jeder der karriere machen will einen master-degree?

ganz ehrlich gesagt, komtm es aber schon auch auf den Bachelor an.

Mit dem wu bachelor (als zweitstudium) bin ich weiter gekommen als mit dem Magister(informatik).

Ja genau, weil ein Magister in Publizistik oder Pädagogik irgendeinen Wert gehabt haben.

wozu den bachelor schlechtreden, das machen wir ja schon mit diversen magister titeln,die ja nichts wert sein sollen und brotlose kunst...

ist das wirklich legal ?

Unfassbar eigentlich,... Und wenig überraschend, dass es Polizisten triff, die ihre Uniform und eine Puffn brauchen, um sich im Spiegel sehen zu können... Am nächsten wären da nur noch Politiker...

In Krems gibt es ja auch solche Titel, die man mit dem Überweisen von fünfstelligen Studienbeiträgen bekommt, nicht?

Ein weiteres - nicht angesprochenes - gravierendes Problem besteht darin, dass sich die Studienpläne regelmäßig ändern.
Wer nach dem Bachelor unterbricht, um einige Jahre berufstätig zu sein, und erst dann einen Master anschließen will, der sieht sich mit mehreren Problemen konfrontiert:
-) Das Vergessen. Zum Einstieg in einen Master nach langer Unterbrechung gibt es eine große Hürde. Auch die Umstellung von der Berufswelt auf das "Pauken" und wiedereinstellen auf die Prüfungssituation ist eine Hürde.
-) Die Änderung von Studienplänen. Ein Master ist immer auf einen derzeitigen Bachelor abgestimmt. Wenn sich der Studienplan ändert, dann bedeutet das mitunter viele Verluste für diejenigen, deren Bachelor schon länger zurückliegt.

Das ist ja auch so ein Problem, dass viele Master ja eigentlich nichts anderes sind wie ein universitäre Lehre plus, dh. Fachwissen oder praktisches Denken /Herangehensweise wird nicht toleriert, sondern man sollte wieder wie ein Studienanfänger denken.

Badelt muss Handeln statt Reden

Bin ganz bei sociovation, Badelt muss die HR-Abteilungen aller potenziellen Arbeitsgeber, von Bund bis letzte Firmen in Voralberg und Burgenland überzeugen, dass unser Bakk die richtigen Produkte (jung, günstig, flexibel einsetzbar und Upgrade möglich) für sie sind. Noch vor Kurzem wurde Bakk genau wie ein Maturant eingestuft, obwohl die Länge der Ausbildung um mindesten 4 Jahre länger ist. Eine Sauerei der öst. Firmen meiner Meinung nach.

Dass der Bachelor aber mehr wert ist als die Matura, liegt auf der Hand, oder? Der Unterschied beträgt genau 180 ECTS-Punkte, und das kann verdammt viel sein, vor allem wenn man nebenbei noch berufstätig ist... Der Bachelor wird leider krankgeredet, aber ich denke, die Akzeptanz wird zunehmen - hoffentlich. Ich möchte nachher auch mal noch den Master anhängen, aber dafür ist der Bachelor nunmal Voraussetzung. Daher hat er auch seine Berechtigung!

Da gibt es jetzt eh ganz tolle Plakate, von irgendwelchen Konzernmaxln auf der WU, welche die Bachelor Absolventen hochloben.

Könnte daran liegen, dass man einem "Bachelor" nicht viel mehr zahlen muss als einem Hauptschulabbrecher.

"obwohl die Länge der Ausbildung um mindesten 4 Jahre länger ist."

Ein Bachelor dauert 3 Jahre...

Offiziell zumindest...

Wie soll diese Philosphie in die Realität umgesetzt werden. Ein paar Jährchen arbeiten und dann den Master absolvieren - neben dem Job? - Job aufgeben? - Bildungskarenz? - Für wen leistbar? - Oder wer finaniert es? - Oder soll die Arbeitslosenstatistik aufgepusht werden, da es zu einer Interessenrotation gekommen ist?

Naja, ich mache momentan den Bachelor berufsbegleitend. Privatleben habe ich nicht viel, aber es geht, wenn man die richtige Einstellung hat. Finanziell darf man halt keine großen Sprünge erwarten. Das, was ich früher in Urlaube investiert habe, geht jetzt für's Studium drauf und auch sonst muss man sich einschränken. Aber möglich ist es. Genauso kann man später auch den Master berufsbegleitend machen, wenn man noch Motivation dafür hat.

Sicher geht es, ich habe auch mein Studium neben Fulltimejob absolviert. Aber das war der 2. Bildungsweg und ich bin der Ansicht, dass es einen Unterschied macht, ob gleich nach der Matura in die Weiter bzw. Ausbildung investiert wird, oder ob man mehr oder weniger gezwungen wird, zuerst den einen Abschluss zu machen, dann eine zeitlang arbeiten zu gehen und erst dann den Master machen zu können!

Posting 1 bis 25 von 72
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.