Anleitungen für Wege ins Spitzenmanagement

16. November 2012, 17:36
53 Postings

Bei Österreichs größter Karrierenmesse Career Calling am Donnerstag in Wien sagten Spitzenmanager Studierenden, wie sie wurden, was sie sind

Ich werde Chef. Mit dieser Ansage an die künftige Berufsbiografie seien sie nicht in die Schule, an die Uni gegangen, sagen die anlässlich der Karrieremesse Career Calling am Donnerstag im Austria Center Vienna versammelten Top-Manager. Wobei: Ambitionen und Aktionen zum richtigen Zeitpunkt lassen sich aus den CVs ja dann schon durchaus herauslesen. " Diese Funktion war für mich nie erklärtes Ziel. Ich halte die Position als CFO als Ziel zu definieren auch nicht für opportun. Dieser Zugang sollte sich über das Interesse an der Materie und die steigende Kompetenz ergeben", sagt Bettina Glatz-Kremsner, Finanzvorstand in den Casinos Austria und in den Lotterien sowie mehrfache Aufsichtsrätin. Nachsatz: Wenn Verantwortungsbereitschaft da sei, dann entstehe Führungsanspruch fast von selbst.

Voraussetzungen, Bedingungen

"Ich hatte nie einen Karriereplan", behauptet Evelyn Schödl, Generaldirektorin des Pharmaunternehmens GlaxoSmithKline. Das Wesentliche für sie sei immer gewesen: "Welcher Job interessiert mich, was macht mir Spaß." Durch diesen Fokus sei es ihr auch relativ leichtgefallen, ins kalte Wasser verschiedener Führungsfunktionen zu springen. "Alle drei Jahre wurden mir Herausforderungen angeboten, das hat mich dorthin gebracht, wo ich bin." Entscheidend laut Schödl für gelingende Führung: Risikobereitschaft, Entscheidungsfreude und eine Verbindung zu den Mitarbeitern.

"Sucht euch Baustellen, also Projekte, in denen es nicht rund läuft, und stellt eure Problemlösungskompetenz unter Beweis", rät IBM-Generaldirektorin Tatjana Oppitz. Harte Arbeit sei wohl Basis, aber nicht hinter verschlossenen Türen und nicht ohne die Beweise erbracht zu haben, sich immer wieder aus den eigenen Komfortzonen zu begeben. Was eine erfolgreiche Führungskraft kann? "Drei Elemente vereinen, nämlich fachliche Kompetenz, Branchen-Know-how und Leadership-Kompetenzen."

Zum Blick in die Erfolgsingredienzen der Zukunft sagt Leopold Kühmayer, Partner der Wirtschaftstreuhänder TPA Horwath: "Persönlichkeiten, die mit konstanter Veränderung gut umgehen können und mutig neue Wege suchen, werden erfolgreich sein. Die Arbeitswelt wird immer komplexer, soziale und interkulturelle Kompetenz wird in Zukunft noch stärker in den Mittelpunkt rücken."

Mobilität und Flexibilität nennt in diesem Zusammenhang Klaus Malle, Österreich-Chef der Transformationsberater Accenture. Da interkulturelle Teams schon jetzt State of the Art seien, komme der möglichst frühen, möglichst umfangreichen Auslandserfahrung besonders große Bedeutung zu. Vorbehalte in interkulturellen Teams hätten schon lange keinen Platz mehr.

Da stimmt Markus Pichler, nun Chef des Immobilienkonzerns Unibail-Rodamco und zuvor international für Markenartikler tätig, zu, aber: "Schlussendlich müssen Bewerber durch ihre Persönlichkeit überzeugen." Dann sei sein Unternehmen auch bereit, Jungen frühzeitig Verantwortung zu übertragen.

Jürgen Leiße, Geschäftsführer Kraft Foods (nun Teil von Mondelez International) für die D-A-CH-Region, hat seine Karriere lange Jahre zwischen Moskau und Singapur geführt. Internationalität ist für ihn nicht bloß ein Punkt im Lebenslauf, sondern die Chance zum Perspektivenwechsel und damit zur Weiterentwicklung.

Offenheit, Neugierde, Flexibilität

Es gehe um die Einstellung, Erfahrungen machen zu wollen, so Hofer-Generaldirektor Günther Helm. Also um Offenheit, Neugierde, Leistungsbereitschaft. Er selbst arbeitete etwa in Griechenland und in der Schweiz für den Lebensmitteldiskonter. Zur Karriereplanung - da hat sich für Helm alles anders ergeben als eigentlich als Student ausgedacht: "Als promovierter Jurist hatte ich ursprünglich eine Karriere als Anwalt geplant." Hofer war dann doch interessanter für ihn.

Nachgereicht von Bettina Glatz-Kremsner zur Führungskompetenz: "Man sollte Mitarbeiter nicht nur für die Vorhaben begeistern können, sondern ihnen dann auch Anteil am Erfolg lassen können."

Patentrezepte gab es da für die Studierenden erwartungsgemäß nicht - Stoff zum Hinterfragen der eigenen Ambitionen und der Zukunftentwürfe aber wohl. (Karin Bauer, DER STANDARD, 17./18.11.2012)

  • Bettina Glatz-Kremsner, CFO Casinos Austria und österreichische Lotterien.
    foto: lotterien

    Bettina Glatz-Kremsner, CFO Casinos Austria und österreichische Lotterien.

  • Leopold Kühmayer, Partner TPA Horwath Wirtschaftstreuhand, Steuerberatung.
    foto: archiv

    Leopold Kühmayer, Partner TPA Horwath Wirtschaftstreuhand, Steuerberatung.

  • Tatjana Oppitz, Generaldirektorin der IBM für Österreich.
    foto: ibm

    Tatjana Oppitz, Generaldirektorin der IBM für Österreich.

  • Evelyn Schödl, General Manager GlaxoSmithKline und Pharmig-Vorstand.
    foto: archiv

    Evelyn Schödl, General Manager GlaxoSmithKline und Pharmig-Vorstand.

  • Günther Helm, Generaldirektor der Hofer KG.
    foto: hofer

    Günther Helm, Generaldirektor der Hofer KG.

  • Jürgen Leiße, Geschäftsführer Kraft Foods Österreich, Deutschland, Schweiz.
    foto: kraft foods

    Jürgen Leiße, Geschäftsführer Kraft Foods Österreich, Deutschland, Schweiz.

  • Markus Pichler, Managing Director Austria Immobilienkonzern Unibail-Rodamco.
    foto: archiv

    Markus Pichler, Managing Director Austria Immobilienkonzern Unibail-Rodamco.

  • Klaus Malle, Country Managing Director Accenture Österreich.
    foto: accenture

    Klaus Malle, Country Managing Director Accenture Österreich.

Share if you care.