"Fra Diavolo": Muhaha!

Regisseur Harald Gebhartl setzt im Linzer Theater Phönix auf intelligente Anspielungen

Mit Opernmusik verknüpfte italienische Schlager, tanzende und singende Schauspieler und ein Bühnenbild (Georg Lindorfer), das auf die Kartonkulissen früher Filmproduktionen anspielt. Weder die 1830 uraufgeführte komische Oper "Fra Diavolo oder Das Gasthaus zu Terracina" noch der Film "The Devils Brother" (1933, Stan Laurel / Oliver Hardy) sind weit in "Fra Diavolo".

Zwar machen die ersten Minuten schaudern, wenn Judith Goldberg als reizende Wirtstochter Trauben im Holztrog stampfen muss und Angst vor Schenkelklopferwitzchen erweckt, nach wenigen Minuten aber zeigt sich: Regisseur Harald Gebhartl setzt im Linzer Theater Phönix nicht auf Derbheit, sondern auf intelligente Anspielungen.

Spätestens wenn Ensemblegast Sven Sorring als Fra Diavolo die Bühne betritt, ist der absurd-komische Theaterabend perfekt. Sorring ist ein böser Räuber, kein Robin Hood, sondern mephistophelisch bis in die Haarspitzen seiner Perücke. Ob als menschliche Beatbox oder aus den dunkelsten Abgründen seiner Seele "Muhaha!" schmetternd, es gibt keinen Moment, in dem er nicht wirklich böse und deshalb richtig gut ist.

Lisa Fuchs fühlt sich in der Rolle der Mylady Pamela ungemein wohl, ebenso wie Matthias Hack als ihr Gatte, Alois Frank als Wirt und David Fuchs als Lorenzo. Christian Scharrer und Felix Rank erinnern als Fra Diavolos Diener an Stan Laurel und Oliver Hardy. Es ist eine Gratwanderung - auf der einen Seite die Untiefen des Klamauks, auf der anderen die Präzision fordernde Kunst des Komödiantisch-Bösen. Das Ensemble beschreitet diesen Grat bravourös. (wkh, DER STANDARD, 17./18.11.2012)

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