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Salzburg - Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehört das Exzerpieren. Es geht darum, den Textkern zu erfassen und in eigenen Worten zu präsentieren. Werden im Exzerpt Originalzitate verwendet, müssen diese als Zitate gekennzeichnet sein und mit Quellenangabe versehen sein. Wichtig: Der Umfang eines Exzerpts sollte kürzer als das Original sein!
Als letzter Heuler im Theater gilt das Exzerpieren nicht für die Bühne gedachter Texte. Die Wiener Garage X und Hausregisseur Ali M. Abdullah haben natürlich bereits Elfriede Jelinek bearbeitet sowie die im deutschen Raum zu wenig gewürdigte skandinavische Rabiatperle Matias Faldbakken. Ein lobenswerter Drang zur Zeitgenossenschaft führte nun zum großen Desillusionisten Michel Houellebecq. Dessen Roman Karte und Gebiet wurde mit der Argekultur Salzburg ebendort szenisch gezeigt. Und: Man darf hier den guten Willen nicht absprechen. Immerhin ist es schwer, einem Geschichten als solchen misstrauenden, vor menschlicher Nähe und Dialogen flüchtenden Houellebecq und seiner Welt voller Ereignisarmut mit einer Tür-auf-Tür-zu-Inszenierung beizukommen.
Auf einer weißen Bühne findet aus dem bedrohlichen Epizentrum einer kaum einsehbaren Kammer im Hintergrund ein überhitzter Stafettenlauf der bei hohem Tempo durchgedrückten Textblöcke statt. In denen spielen sich der gefühlskalte Landkartenfotograf, Maler und Kunststar wider Willen Jed Martin (fröhlich-forsch Dennis Cubic) und dessen angehender Hagiograf Michel Houellebecq (Alexander Simon) die zynischen Wuchteln über den Kunstbetrieb und über die Frage zu, warum es uns allen so schlecht geht, obwohl es uns doch so gut gehen könnte. Eine gute alte Vater-Sohn-Geschichte gesellt sich pflichtschuldig dazu, am Schluss wird Houellebecq grausam ermordet. Auch Jed Martin stirbt allein.
Übrig bleibt die Erkenntnis, dass man sich von Houellebecq keine flotte Boulevardkomödie erwarten sollte. Und auch Frauen beherrscht er ganz schlecht. Was man nicht kann, mag man nicht. Da konnte Aylin Esener als Jed Martins auch nicht schlecht reservierte russische Frau Olga noch so dramatisch auf die Ostblocktube drücken. (schach, DER STANDARD, 17./18.11.2012)
Ab 22.11., Wiener Garage X
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