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Schmerz, lass nach. Bei der fingierten TV-Show "La Zone Extrême" zeigte ein Schauspieler, was Milgram schon 1961 bewies: Gewaltaus übung unter Anordnung fällt leichter.
Im soziologischen Sinn ist Gewalt eine Quelle der Macht und bringt Anspannungen und Konflikte oft überhaupt erst an die Oberfläche. Das, was der US-Psychologe Stanley Milgram in seinem gleichnamigen Experiment 1961 belegt hat, trifft auch heute zu: Fast jeder Mensch ist - zumindest theoretisch - zu allem fähig.
Milgram, selbst Jude, wollte widerlegen, dass die Deutschen im Besonderen zu den Gräueltaten während des Nationalsozialismus fähig waren. Das Ergebnis seines Versuchs schockierte die Welt: Mehr als 60 Prozent der Testpersonen waren bereit, auf Anweisung einem fremden Menschen Schmerzen zuzufügen.
Ein "Lehrer", die eigentliche Versuchsperson, musste einem "Schüler" einen Stromstoß versetzen, wenn dieser Fehler beim Zusammensetzen eines Wortpaares machte. Bei jedem Fehler wurde die Voltzahl vermeintlich erhöht, der "Lehrer" hörte die Schreie der scheinbar Gequälten. Der Versuchsleiter gab die Anordnung zum Strafen und versprach, die Verantwortung zu übernehmen, wenn jemand Zweifel hatte. 26 der 40 Testpersonen - Männer wie Frauen - gingen bis zur äußersten Grenze von 450 Volt, einer lebensbedrohlichen Stromstärke.
Auf der ganzen Welt wurde das Experiment in verschiedenen Varianten wiederholt, die Ergebnisse waren immer vergleichbar. So auch im Jahr 2009 in Frankreich, in Form einer fingierten TV-Show: 80 Teilnehmer wurden von einer bekannten Moderatorin aufgefordert einen Mitspieler mit Strom zu strafen, das Publikum feuerte sie zusätzlich an. Sehen konnten sie den Mitspieler am elektrischen Stuhl nicht, die Schmerzensschreie ertönten von einem Tonband. Diesmal vollstreckten sogar 81 Prozent der Probanden die Höchststrafe - bis nichts mehr zu hören war und darüber hinaus.
Die Dokumentation Das Spiel mit dem Tod von Filmemacher Christophe Nick, in der die TV-Show eingebaut ist, wurde 2010 im französischen Fernsehen ausgestrahlt. Eingangs erklärte ein Sprecher, dass bei der Show "weder Sadisten noch Feiglinge", sondern ganz normale Leute eingeladen wurden, von denen sich eben 80 Prozent "wie Folterknechte" verhalten haben.
Genau wie Milgram wurde auch Nick dafür kritisiert, Menschen einer traumatisierenden Situation ausgesetzt zu haben. Wer will schon wissen, dass er zu solchen Handlungen imstande ist? Es geht bei all diesen Experimenten vor allem darum, den inneren Konflikt "Gehorsam gegen Gewissen" zu zeigen, nicht um aggressives Verhalten oder Veranlagung.
Nick wollte beweisen, dass das Fernsehen mittlerweile zur Autorität aufgestiegen ist: "Die Menschen sind derart an Gewalt und Voyeurismus gewöhnt, dass man im TV sogar eine Hinrichtung inszenieren könnte."
Spätestens seit Milgram gilt in der Sozialpsychologie die These als gesichert, dass das Abgeben von Verantwortung den Gewissenskonflikt reduziert. Das belegt auch das Standford-Prison-Experiment aus dem Jahr 1971, wo Testpersonen per Zufallsprinzip in Gefängniswärter und Insassen eingeteilt wurden. Der Versuch war ursprünglich für zwei Wochen geplant, musste aber bereits nach sechs Tagen abgebrochen werden, weil das Projekt außer Kontrolle geriet: Einige Wärter zeigten sadistische Verhaltensweisen, die Versuchsleiter mussten einschreiten, um Misshandlungen zu verhindern.
Kognitive Dissonanz ist für Gewalt und Autoritätshörigkeit ebenso ein entscheidender Faktor wie Anonymität, die Macht über Regeln und Vorschriften oder einfach das Bedürfnis nach sozialer Billigung. Sei es die Anerkennung durch die anderen Wärter, durch den Versuchsleiter oder die TV-Moderatorin und das Publikum. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 17./18.11.2012)
Wer sich unsicher fühlt, für den oder die bietet Krav Maga einfache Tricks zur Selbstverteidigung. In Wien bietet etwa der Polizeisportverein Kurse an, um bei einem Angriff die Schrecksekunde durch Training zu verkürzen
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Wenn ohrfeigende Lehrer oder Zwangsbehandlungen an Gefangenen nicht zu einem öffentlichen Aufschrei führen, liegt das laut Jurist Bernd-Christian Funk auch an der "besonderen Autoritätsgläubigkeit" der Österreicher
Von der Wahrnehmung von Gewalt, die nicht immer emotionalisiert
Dazu kommt das die Gewalt
1.) in TV und Kino verherrlicht wird
Siehe Kultfilme wie: Rambo, Terminator und co.
2.) Deren Darsteller sind die Helden unsere Zeit
und werden auch noch geehrt und mit Orden überhäuft.
3.) Videospiele eines der besten Geschäfte für Unternehmen und dadurch auch für Staatskassen sind.
4.) Das Waffengeschäft eines der wenigsten reglemtierten Geschäfte weltweit ist.
Die Staaten und Gesetzgeber unternehmen gerade "nichts" wirksames gegen dessen Verbreitung.
Und da wundert es das die Gewalt überall eskaliert?
Und es gibt auf Youtube einen alten Konzertmitschnitt, wo Gabriel bei dieser Nummer mit seinem Publikum dasselbe macht wie es Milgram-experiment geschehen ist. Er gibt auf geradezu herrische Weise genaue Anweisungen, wie es sich zu verhalten hat. Und das Gruselige daran: Die Leute machen es wirklich.
gegenwärtigen verhältnisse gewalttätige und obrigkeitshörige verhaltensweisen begünstigen. wir bilden uns viel auf unsere zivilisation ein, aber leider ist diese sehr brüchig und die grenze zur barbarei wird schnell überschritten. es hat u.a. damit zu tun, dass wir oft dinge so sehen, wie wir sie gerne sehen möchten, aber nicht, wie sie sind. ein beispiel: viele verwechseln unsere rein formale fassadendemokratie mit lebendiger demokratie. tatsächlich wird die heute oft fehlende demokratie durch staatliche herrschaft (institutionen und gesetze) kompensiert. staatliche - wie jede - herrschaft fördert naturgemäß disziplin und unterwerfung, bis zum blinden kadavergehorsam. echte demokratie verlangt hingegen kritisches denken und zivilcourage.
mich hat das buch the power of obedience sehr stark beeindruckt. ich finde es gut und wichtig, dass die botschaften und lehren dieses und anderer bücher wiederholt werden. die welle, das milgram experiment, das gefängnisexperiment sind alles hinweise darauf, wie wichtig eine offene und demokratische kultur ist. und mir sind unsere politiker lieber, als irgendwelche idealisten, die genau wissen, wo es lang geht, die eine treue gefolgschaft haben und die welt verändern wollen. hatten wir schon, braucht niemand mehr. ein hoch der entideologisierung!!!
Dieses Experiment führte nicht nur dazu zu zeigen, dass sich Menschen einer Autoritätsperson unterordnen - und damit Dinge tun, die sie sonst garnicht täten. Auf der anderen Seite trugen viele Versuchspersonen auch schwere psychische Schäden davon, dadurch das sie potentiell tötliche Stromstöße gaben, und nicht auf Ihr Gewissen gehört haben.
Was ich nicht verstehe, warum wurde dieses Experiment nun wiederholt? Es sollte doch bekannt sein, das es noch immer genug Menschen gibt, die zu schrecklichem in der Lage sind. Zu jeder Zeit, in jedem Zeitalter, ob mit oder ohne Autoriät im Hintergrund.
ich hoffe doch, dass die VPns ancher psychologische Betreeung bekamen/bekommen. Bei einem ähnlichen Experiment (ich glaub der 70iger Jahre) war es so: Stanford Prisoner Experminet. Studenten, die sich zu dem versuch gemeldet haben (ohne zu wissen was passiert) wurden zufällig in 2 gruppen verteilt, die der Gefangenen und die der Aufseher. Erstere wurden ohen Vorwarnung von "Polizisten" in Handschellen abgeführt und in einem *Gefängnis" inhaftiert. Das Experiment musste vorzeitig abgebrochen werden, wegen psychosmatischer Erkrankungen unter den Gefangenen. Das Verhalten JEDENS Versuchsteilnehmers war GruppenSpezifisch!!!! Wir denken bei Psychologie sehr oft nur an individualpsychologie, die meisten Erkenntnisse kommen aber aus der Gruppenpsy
1. Stanford Prison Experiment: Interessant, aber methodisch inakzeptabel, daher bitte nicht überinterpretieren.
2. Milgram: Es gab nicht ein Experiment sondern viele verschiedene Bedingungen, bei denen sich die Bereitschaft, anderen Menschen unter Anordnung Schmerzen zuzufügen, beträchtlich unterschied. Demzufolge sind die situativen Bedingungen dafür entscheidend, wozu Menschen fähig sind. Daher ist es wesentlich, dass wir Systeme schaffen, die es Menschen auch ermöglichen, human zu handeln.
Der Versuchsleiter war gleichzeitig auch Gefängnisleiter (aka Versuchsleitereffekt), die Wachen wurden aktiv angewiesen die Gefangenen zu unterdrücken, die Teilnehmerauswahl hatte potentiell einen (sadistischen) Bias und einige getroffene Maßnahmen haben nichts mit tatsächlichen Gefängnissen zu tun.
Ich finde das SPE ja hochinteressant, wissenschaftlichen Anforderungen genügt es jedoch nicht.
Versuchsleiter = Gefängnisleietr - geht gar nicht, klar. mag sein, dass da das wissen noch nicht da war. potentiell sadistisch... es awren studenten, die sich zu einem ominösen versuch gemeldet haben, und die wurden jeweils aufgeteilt. welche getroffene maßnahmen sind das?
klar, uU muss mans wiederholen, es ist aber wiederum sehr bekannt ..
ergebnis ist ja spannend
Hier ist eine nette Zusammenfassung:
http://skeptoid.com/episodes/4102
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