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Der Weg ins (Sammler-)Paradies führt dieser Tage in die Hofburg: vorbei an Aston-Martin-Edelkarossen über den roten Teppich und 61 Stufen hinauf in die Repräsentationsräume. Auf halber Höhe harrte hier vor kurzem noch Österreichs vorletzter Kaiser mit jenem stoischen Mienenspiel, das ihm ein Bildhauer verpasst hatte. Derzeit ist Franz Joseph I. der Blick auf die Besucher seiner ehemaligen Winterresidenz verwehrt. Versteckt lauert er hinter einer Stellwand, an deren Vorderseite man ein Attersee'sches Gemäldemonster montierte. In Messezeiten ist derlei erlaubt. Und wem das Schachfleisch (1995) gefällt, wird der Galerie Hilger 250.000 Euro dafür bezahlen.
Einen Halbstock höher, am Eingang zum temporären Elysium, gibt Anne Pálffy ihr in Umfang bescheidenes, jedoch in Qualität tadelloses Debüt: Fine Jewels zieren ihre Vitrinen, von 1500 (Brosche, 19. Jh.) bis 69.000 Euro (Smaragdring, 6,4 Kt). Keine Frage, hier lauern Geschmeide, die über den Weihnachtsabend hinaus eine lebenslange Freude bereiten würden. In anderen Bereichen bediente man sich schon eifrig, bildende Kunst steht unangefochten an der Spitze. Abzüglich kolportierter Umsatzwunder, die offenbar als Motivationsschub dienen. Vier Monate später trifft man in Salzburg auf ebenjenes Kunstwerk, das doch gleich in den ersten Vernissage-Minuten verkauft worden sei. Egal. Kunsthändler sind keine geborenen Marketinggenies, aber auch Menschen.
Filetierungsfantasien
Dabei ist die Realität durchaus befriedigend. Es läuft besser als erwartet und schlechter als erhofft. Giese & Schweiger halten bei sieben Verkäufen, darunter Gemälde von Tina Blau und Carl Moll, dazu ein Aquarell von Oskar Kokoschka. Sylvia Kovacek reichte aller Gattung Glas weiter, graviertes aus dem Barock ebenso wie fein bemaltes aus dem Biedermeier, dazu Bilder des 19. und besonders des 20. Jahrhunderts, in einer preislichen Spannweite von 8000 bis 160.000 Euro. Kollegin Lilly Setzer strahlt mit den Beleuchtungsspots nahezu um die Wette.
Querbeet erwarb ihre Klientel Uhren, Skulpturen und Gemälde. Bloß, mit dem Prachensky wurde auch gleich ihre (farblich perfekt passende) Besprechungsgarnitur abtransportiert. Konsumenten, bescheinigen jüngste Studien, werden immer unberechenbarer.
Davon kann Patrick Kovacs ein aktuelles Lied singen. Eine Kundin hätte sich wohl für das zwölfteilige Speisezimmer (Niedermoser, 1907) begeistert, nur befand es deren Architekt nicht als konvenabel. Ensemble-Hoffnungen treffen da flotten Schrittes auf Filetierungs-fantasien. Dass er ein Stadtbahngitter-Element (1894) von Otto Wagner (3800 Euro) abtrat, das künftig als Wäscheständer in einem Schlafzimmer fungiert, mag ein winziger Trost sein.
"Mehr als zufrieden", war Ernst Galéria - einer von zwei aus Budapest angereisten Ausstellern - zu entlocken. Zwei Meisterwerke wechselten neben herrlich schillernden Zsolnay-Keramiken den Besitzer. Hugó Scheibers futuristisches Auf der Straßenbahn (185.000 Euro) wird dann eher in der Internationale als hierzulande eine neue Heimat finden.
Manches braucht Zeit, weiß Ikonenspezialist Stefan Brenske. Im siebenten Teilnahmejahr attestierte er eine Evolution, aus alljährlichen Besuchern seien mittlerweile Stammkunden geworden. Ihm gegenüber gerieten Damen angesichts der Rauminhalt-Präsentation in Verzückung, dem Griff zum Mobiltelefon folgte die auf das Wesentliche reduzierte Botschaft: "Du, wie in Maaaastricht!", wurde die Freundin über das Tefaf-Niveau informiert. (Olga Kronsteiner, DER STANDARD, 17./18.11.2012)
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