Salzburger Sexualstraftäter trägt jetzt Fußfessel

16. November 2012, 19:19
64 Postings

Opfer erhebt neue Vorwürfe - Täter wird wegen Verleumdung klagen

Salzburg - Dem Salzburger Sexualstraftäter, dessen Fall die Debatte um die Gewährung der elektronischen Fußfessel losgetreten hat, wurde am Donnerstag die Fußfessel angelegt. Er wird nun seine unbedingte Haftstrafe von sechs Monaten im elektronisch überwachten Hausarrest absitzen. Sein Bewegungsradius ist dabei auf seinen Arbeitsplatz und seine Wohnung begrenzt. Gleichzeitig wird täglich überwacht, ob der 51-Jährige Alkohol trinkt. Die Auflage sind 0,0 Promille.

Der 51-jährige Salzburger hatte in den Jahren 2005 und 2006 eine 15-Jährige, die bei ihm im Haus wohnte, fünfmal vergewaltigt und sexuell missbraucht. Das Mädchen kam aus einer zerrütteten Familie und suchte bei dem ehemaligen Hundetrainer Zuflucht. Der Täter wurde zu zwei Jahren teilbedingter Haft verurteilt. Für die unbedingte Haftstrafe von sechs Monaten hat der Verwaltungsgerichtshof Ende Oktober in letzter Instanz die elektronische Fußfessel bewilligt.

Opfer fordert Gefängnisstrafe

Das Opfer forderte vehement, dass ihr Vergewaltiger die Strafe im Gefängnis verbüßen solle. Ohne Erfolg. Am Montag erhob die heute 22-Jährige neue Vorwürfe gegen den verurteilten Sexualstraftäter und erstattete Anzeige. Er habe sie im März dieses Jahres verfolgt, genötigt und bedroht. Ihr Anwalt Nikolaus Rast sieht dem Verfahren gelassen entgegen: "Für jede Tat gibt es Zeugen. Die Gerechtigkeit wird siegen." Seine Mandantin hoffe, dass der Salzburger wenigstens für die neuen Taten eine gerechte Strafe bekomme. Die Anzeige wurde in Wien erstattet. Komme der Fall nach Salzburg, werde die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren einleiten.

Der 51-Jährige behauptet, die Anschuldigungen seien frei erfunden und beabsichtigt selbst Anzeige wegen Verleumdung gegen die 22-Jährige zu erstatten. Auch sein Anwalt Franz Essl erklärt: "Die Vorwürfe sind unrichtig. Es ist nicht nachvollziehbar, dass jetzt die Anzeige erhoben wird, obwohl sich die Vorfälle im März zugetragen haben sollen."

Opfer will Gerechtigkeit

Mit der Bewilligung der Fußfessel hätten die neuen Vorwürfe nichts zu tun, betont der Anwalt der 22-Jährigen: "Meine Mandantin ist kein Racheengel, sie will lediglich Gerechtigkeit." (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 17./18.11.2012)

Share if you care.