Vielbeobachteter Orionnebel hat doch noch ein Rätsel parat

18. November 2012, 19:11
  • Blick auf den Orionnebel. Das untere Bild zeigt die räumliche Verteilung der Sterne vor dem Hintergrund des Nebels. Im Zentrum der blauen Linien erreicht die Sterndichte ihr Maximum: Dort liegt das Zentrum des zweiten Sternhaufens, der Astronomen nun Rätsel aufgegeben hat.
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    foto: jon christensen

    Blick auf den Orionnebel. Das untere Bild zeigt die räumliche Verteilung der Sterne vor dem Hintergrund des Nebels. Im Zentrum der blauen Linien erreicht die Sterndichte ihr Maximum: Dort liegt das Zentrum des zweiten Sternhaufens, der Astronomen nun Rätsel aufgegeben hat.

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    foto: alves & bouy / edp sciences

Formation umfasst zwei Sternhaufen unterschiedlichen Alters, die dennoch nahe beieinander liegen

Wien - Der 1.350 Lichtjahre von uns entfernte Orionnebel ist eine produktive Geburtsstätte von Sternen. Unter allen bekannten Stern-"Kreißsälen"der Milchstraße liegt dieser Emissionsnebel der Erde am nächsten und ermöglicht dadurch der Wissenschaft, den Prozess der Sternentstehung besser zu verstehen. Der Orionnebel wurde so zum "goldenen Standard", wie es die Universität Wien nannte. Viele klassische Sternentstehungsmodelle nehmen ihn als Basis.

Neue Beobachtungen, an denen auch Wiener Astronomen beteiligt waren, zeigen nun aber, wie massereich neben dem sich gerade im Nebelinneren bildenden Sternehaufen ein zweiter Haufen aus etwas älteren Sternen ist, der vor dem Orionnebel liegt. Die Forscher rätseln, wie dies mit ihren Modellen in Einklang zu bringen ist und fürchten, "etwas Fundamentales noch nicht verstanden zu haben". Die Studie ist in der Fachzeitschrift "Astronomy & Astrophysics"erschienen.

Unübersehbar

Der Orionnebel, in klaren Winternächten sogar mit freiem Auge erkennbar, wurde schon vor rund 400 Jahren vom französischen Astronom Nicolas-Claude Fabri de Peiresc entdeckt. In den vergangenen Jahrzehnten fand man im Bereich dieses Gasnebels eine Vielfalt an werdenden Sternen und sternähnlichen Objekten - von massereichen Objekten mit mehreren Dutzend Sonnenmassen bis hin zu sogenannten Braunen Zwergen, die zu wenig Masse haben, um durch Wasserstofffusion zu eigentlichen Sternen zu werden.

Jüngste Beobachtungen am spanischen Calar Alto Observatory, mit dem Canadian-French Hawaii Telescope (CFHT) und dem Sloan Digital Sky Survey (SDSS) haben nun zu einer überraschenden "Perspektiven-Korrektur" geführt. Die Wissenschafter haben nämlich festgestellt, wie massereich ein zweiter, bereits bekannter Haufen aus etwas älteren Sternen ist, "der von uns aus gesehen vor dem Orionnebel steht", berichtet Joao Alves, Leiter des Instituts für Astrophysik der Universität Wien. Diese Masse ist nicht gleichförmig verteilt, sondern um den Stern Iota Orionis konzentriert, der die südliche Spitze des "Schwerts des Orion" bildet.

Offene Fragen

Es zeigte sich, dass es sich im Bereich des Orionnebels in Wirklichkeit eine komplizierte Mischung aus zwei Sternhaufen sowie einigen damit nicht zusammenhängenden Sternen ist. "Für mich ist das größte Rätsel, warum der etwas ältere Sternhaufen, der Iota-Orionis-Haufen, so nahe an dem jüngeren Haufen liegt, der sich im Inneren des Orionnebels noch bildet", sagte Alves.

Es sei noch völlig offen, wie diese neuen Beobachtungsbefunde mit gängigen Modellen der Sternhaufen-Entstehung zu vereinbaren sein werden. "Wir scheinen etwas Fundamentales noch nicht verstanden zu haben. Die Bildung von Sternhaufen ist wahrscheinlich der dominante Weg zur Sternentstehung im Universum, aber wir sind weit entfernt davon, genau zu wissen, warum", rätselt der Wissenschafter. Für Hervé Bouy vom Centro de Astrobiologia in Madrid müssen die Astronomen ihre Vorstellungen von den Beobachtungsgrößen revidieren, die sie bisher für die zuverlässigsten Indikatoren der Stern- und Sternhaufen-Entstehung hielten. (APA/red, derStandard.at, 18. 11. 2012)

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21 Postings

Ich fürchte, da hab' ich jetzt etwas nicht ganz verstanden:
Es gibt, auf Sichtlinie zum "derzeitigen" Sternentstehungsgebiet im Orionnebel einen etwas älteren Sternencluster. Gut, aber warum steht das im Widerspruch mit den gängigen Theorien zur Sternentstehung? Ist der ältere Cluster so nahe dran, daß man davon ausgehen müsste, daß er bei seiner Bildung den Rest der Wolke zerstört hätte, oder wo liegt das Problem?

Vielleicht kann da mal jemand, der sich besser auskennt, aushelfen?

"Gut, aber warum steht das im Widerspruch mit den gängigen Theorien zur Sternentstehung?"

Die Theorie der Sternentstehung eines Sterns wird hier an sich nicht angetastet, sondern nur die Behauptung aufgestellt, dass die Erkenntnisse zur Sternentstehung in Sternhaufen (und damit auch die Sternhaufenentstehung), welche man aus gewissen Beobachtungsgrößen von Sternen gewinnt, zu Fehlinterpretationen führen können (...was für ein Satz).
Ich habe die Arbeit noch nicht gelesen, aber ich nehme mal an, dass es um Probleme bei der IMF und der Altersbestimmung geht (wenn man plötzlich 2 Sternhaufen betrachtet).

"Wir müssen unsere Vorstellungen von den Beobachtungsgrößen revidieren, die wir bisher für die zuverlässigsten Indikatoren der Stern- und Sternhaufen-Entstehung hielten"

http://astro.univie.ac.at/

http://www.youtube.com/watch

Ja, danke, daß Sterne in Gruppen/Haufen entstehen war mir klar, auch danke für den link zur 'univie' (der YouTube-link liefert bei mir leider etwas seltsame Resultate?), aber das beantwortet nicht meine Frage:
Wo liegt der Widerspruch zu den bisherigen Theorien?

Ups, ich meinte eigentlich dieses Video:

http://www.youtube.com/watch?v=3... re=related

Das ist sozusagen (noch) "state of the art" in der Modellrechnung von offenen Sternhaufen und hier gibt es weder zwei kollabierende Wolken, noch zwei verschiedene Sternhaufen als Endprodukte.

Cooles Video!
Aber irgendwie beantwortet das meine Frage auch nicht?

(Ja, ich weiß, ich bin lästig heute, aber das ist bei mir normal, wenn ich etwas nicht verstehe...)

Keine Ursache. Ich bin ja auch kein Experte, jedenfalls hoffe ich später mal ein Experte darin zu werden.

Die Frage ist, wie 2 Sternhaufen so nahe beisammen fast gleichzeitig entstehen können. Die derzeitigen Modellrechnungen (siehe Video) gehen zur Zeit von nur 1 kollabierenden Wolke aus und sie erzeugt auch nur 1 Sternhaufen. Außerdem hat sie nur 500 Sonnenmassen (zu wenig), knapp 1pc Durchmesser (zu klein), ist berandet (es gibt keinen "Rand"), sphärisch (unwahrscheinlich) und rotiert nicht (ditto), also da gehen viele Idealvorstellungen ein.
Nach derzeitigem Kenntnisstand erzeugen die Modelle offenbar nur 1 Sternhaufen (bitte um Korrektur, falls ich mich irre). Klar, man könnte ein Modell mit 2 benachbarten Molekülwolken rechnen, aber das würde wohl wiedermal die Rechenzeit sprengen und man müsste wohl auch weitere Vereinfachungen annehmen.

Ah, Danke! So langsam klingelts bei mir...

Ich hatte ursprünglich eher in die Richtung gedacht, daß ein (junger) Sternencluster durch seinen Strahlungsdruck die Gaswolken in seiner Umgebung "verbläst" und darum im Nahbereich längerfristig keine anderen Cluster entstehen könnten.

Natürlich, auch solch ein Prozess muss behandelt und modelliert werden.

Morgen werde ich mal in die Arbeit schauen und sie lesen. Dann kann ich hoffentlich mehr Auskünfte geben.

Was ist jetzt das Rätsel? Die Sternhaufen liegen zu nahe beisammen? Wenn ich mir das Universum als Ganzes anschau, kann ich mich dann trauen einen "Mindestabstand" zwischen Sternhaufen zu definieren? Ich halt das für sehr mutig - und sie wurden eh enttäuscht, wie man sieht...

Das korrektere Modell für Nebel, wie etwa dem Orion wäre das einer Leuchtstoffröhre, bei der die emmittierte Strahlung der Anregungsfrequenz des jeweils vorhandenen Gases entspricht. Der Strom, der dabei durch die Röhre fließt läßt das Neonplasma in…

…gelblichen Licht erstrahlen.

Astronomen meinen hingegent, daß es irgendwelche "Schockwellen" v.Supernovae "sein müßten", die da -natürlich ein WEITES- Frequenzspektrum im Gas durch Kompression z.Aufleuchten brächte.

Komischer Weise leuchten aber 90% aller "planetaren" Nebeln nur im Frequenzbereich v.ionisiertem Sauerstoff, was wiederum eher einer Anregung durch Elektrizität zuzuschreiben ist, als irgendwelchen, mechanisch-gravitativen Erklärungsversuchen.

Die Astronomologen haben die Physiker mit ihren "heiß-Gas"-Theorietscherln leider dermaßen viral angesteckt, daß 50 Jahre erfolgsarmes Basteln mit Fusion die Folge sind. Es ist nunmal *unnatürlich*, ein Gas in ein entsprechend enges Volumen z.pressen um so dann Fusion zu erreichen!

Vom Unnatürlichen im All

zu sprechen, ist gelinde viral verseucht.....
....denn vorgestellte Mechanismen ohne anderen Beweis zu verwerfen ..bringt halt auch wenig.

"Komischer Weise leuchten aber 90% aller "planetaren" Nebeln nur im Frequenzbereich v.ionisiertem Sauerstoff"

Der Orionnebel ist kein planetarischer Nebel. Dort haben sehr wahrscheinlich SN stattgefunden (ist aber auch nicht der Grund für das Leuchten des Nebels), aber all das hat nichts mit planetarischen Nebeln zu tun.

Außerdem leuchten die planetarischen Nebel ebenfalls in den Wasserstofflinien (sogar noch stärker als in der verbotenen O Linie):
http://www.capella-observatory.com/Planetary... eIndex.htm
Foto anklicken und nach "RBG", "H-alpha" Ausschau halten. Der H-alpha Beobachtung wird meistens die Farbe rot zugeschrieben, [OIII] wird oft blau oder grün dargestellt.

Das mit den planetarischen (danke f.d.Korr.) Nebeln war eigentlich als Vergleich z.Orionnebel gedacht. Diese Sternengeburtsstätte ist ja in ihrem Zentrum derart "kalt", daß -lt.Konsensmeinung jedenfalls- dort neue Sterne buchstäblich "kondensieren"…

…können, weil irgendwann, irgendeine Schockwelle von einer angeblichen SN irgendwo durchgbraust ist und so den Barnardnebel dort u.a. "in Aktivität" versetzten.

Kein Wort von Elektrizität.

Und auch ihnen wünscht das FS3 viel Spaß beim Versuch ihre Leuchtstoffröhre zu Hause mit ihrer Fahrradpumpe zum Leuchten bringen zu wollen. Die Astro-"Physik" zeigt ihnen den Weg!

jaja, das F S 3 - lol

in welchem paralleluniversum das F S § wohl lebt? jedenfalls muss es da echt interessant sein, wenn NEON gelb statt rot leuchtet ...

aus wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Neon :
"Wie andere Edelgase zeigt Neon bei Gasentladungen ein charakteristisches Linienspektrum. Da die Linien im sichtbaren Spektralbereich vorwiegend im roten bis gelben Bereich sind, erscheint das Gas bei einer Entladung in einer typischen roten Farbe."

Was ich sie schon immer Fragen wollte: Arbeiten Sie eigentlich für den Standard um für die Berichte Klicks anzulocken ?

Sie verlinken ja ständig auf Ihre eigenen Beiträge was den Klickwert und damit auch den Werbewert der Seite erhöhen würde...

Fällt Dir auch was zum Thema ein?
FS3 hat schon was dazu zu sagen, halt in seinem unverkennlichen Stil...
Du könntest z.B. antworten, daß Du auch nicht glaubst, daß sich Gas aus dem Nichts heraus zusammenballt, komprimiert und eine Fusion startet. Dann wüßte ich, daß Du mit Interesse liest, was hier gepostet wird.

FS3 sagt aber auch nix zum Thema.

Es stellt nur vollkommen unbewiesene Behauptungen reinster Phantasie auf. Das hat genau so viel mit der Sache zu tun wie ein Kochrezept. Ein Troll halt.

Es kann dir egal sein was ich schreibe...

Weißt Du was? Du hast recht. Es kann mir egal sein, was Du schreibst. Ich möchte mich für meine Ausfälligkeit entschuldigen, war grantig, hab nicht nachgedacht.

Wow, es gibt sie doch noch, Leute mit Einsicht und Größe, Fehler einzugestehen, bewahren Sie sich diese Eigenschaft.

Troll!

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