Direktor Amon "untergräbt Unabhängigkeit der Radio-Information"

16. November 2012, 18:17

Eineinhalb Stunden Aussprache über Innenpolitikchef - Einstimmige Resolution an ORF-General im Wortlaut

Wien - Schwere Vorwürfe erheben die Radioredakteure nach einer Aussprache einstimmig gegen ihren Direktor Karl Amon: Radio-Wien-Wortchef Edgar Weinzettl gegen das Votum der Redakteure als Innenpolitikchef vorzuschlagen sei "fachlich und sachlich nicht nachvollziehbar".

Amon habe "Misstrauen nicht ausgeräumt, sondern verstärkt". Er "untergräbt die Unabhängigkeit der Radioinformation und schadet dem Ansehen der Redaktion." ORF-Chef Alexander Wrabetz will demnächst entscheiden. 

Resolution im Wortlaut

"Die Redakteurinnen und Redakteure der Radio-Information fordern von der Geschäftsführung dringendst eine Deeskalation des Konflikts um den Hörfunkdirektor und seinen unhaltbaren Personalwunsch für den Chef der Innenpolitik. Die Redaktion tritt für eine gute und rasche Lösung ein und bietet Kompromissvarianten an. Schließlich gibt es mehrere Kandidatinnen und Kandidaten, die die Anforderungen der Ausschreibung erfüllen und anerkannte Innenpolitik-Journalistinnen und -Journalisten sind, allen voran Stefan Kappacher und Andreas Jölli.

Der Hörfunkdirektor allerdings zeigt sich an Kompromissen nicht interessiert und beharrt auf seinem Besetzungsvorschlag. Dieser ist bekanntlich nach fachlichen und inhaltlichen Kriterien nicht nachvollziehbar, woran auch anderslautende Bekundungen des Hörfunkdirektors nichts ändern. Wenn aber die Kriterien für so eine wesentliche Postenbesetzung nicht nachvollziehbar sind, leidet die Glaubwürdigkeit der Radio-Information und des ganzen Unternehmens.

In der heutigen Redakteursversammlung hat der Hörfunkdirektor das diesbezügliche Misstrauen der Redaktion gegen ihn nicht ausgeräumt, sondern verstärkt. Das Verhalten des Hörfunkdirektors untergräbt die Unabhängigkeit der Radio-Information und schadet dem Ansehen der ganzen Redaktion. Wir fordern den Generaldirektor auf, die Pläne des Hörfunkdirektors zu stoppen und gemeinsam mit der Redakteursvertretung eine Einigung zu finden, die das Ansehen des ORF nicht beschädigt." (red, DER STANDARD, 17./18.11.2012/online ergänz)

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6 Postings
Köstlich, ein Haufen Parteigünstlinge kämpft gegen einen Parteigünstling.

Bitte, in diesem ORF sitzen doch alle mit einem Partei-Ticket auf ihren völlig überbezahlten Posten. Und sind daraüber hinaus vielfach untereinander verwandt, verschägert und verhabert. Ein Kampf der Cliquen halt, nicht ein Funkten Mitleid ist angebracht.

Politik raus aus dem ORF!

Räte-Republik-Phantasien

Dalebg halt F. H. Wendl seine alten kommunistischen Räte-Republik-Phantasien aus, so wie er es als Redakteur der kommunistischen VOLKSSTIMME in Zeiten der KPdSU gelernt hat.

NEIN: Der ORF gehört nicht den Redakteuren bzw. den Redakteurs-Räten.

Wobei aber der Redakteursrat glaubt, die

... Personalhoheit im ORF zu stellen. Während die Pelinka-Anstellung zu recht kritisiert und rückgängig gemacht wurde, ist das in diesem Fall komplett anders gelagert. Weinzettl stellte sich einem Hearing und wurde erstgereiht. Ich kenne Herrn Weinzettl überhaupt nicht, vielleicht ist er der größte Ungustl überhaupt, aber es ist ein fieses Spiel des Redakteurrates mit Namedropping einen gegen den anderen aufzuhetzen. Die Herrschaften vergessen, von wem sie seinerzeit aufgenommen wurden - wohl doch nicht vom Redakteursrat.

was ist da los?

Kann das einer logisch erklären, warum dieser Konflikt so hochgeht

Weil's um einen Kandidaten mit zu großer politischer Nähe geht, dessen Bestellung von einem Direktor gegen mittlerweile (fast?) alle seine Redakteure durchgesetzt werden soll.

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