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Lois Lammerhuber: "Art for Peace". Textbeiträge von Irina Bokova & Michael Spindelegger. 448 Seiten. Edition Lammerhuber. Baden/Wien 2012.

Im Rahmen eines Festaktes überreicht die Republik Österreich, vertreten durch Staatssektretär Reinhold Lopatka und Botschafterin Ursula Plassnik, der Unesco, stellvertretend Generaldirektorin Irina Bokova, das als Limited Edition publizierte Projekt als "Kunstwerk aller Kunstwerke".
"Vita brevis, ars longa". Mit diesem vom römischen Philosophen Seneca übersetzten Aphorismus des griechischen Arztes Hippokrates transportiert Lois Lammerhuber unmissverständlich sein Anliegen: Wider die Missgunst der Natur, wider Vergänglichkeit und Unbill oft in kurzer Frist verwirkten Lebens, wider Krieg und Gewalt, wider Neid und Ignoranz, für Respekt und Toleranz, für Freiheit und Frieden will er - in Form eines kreativen Prozesses - eintreten. "Das Leben ist kurz, die Kunst hält lange" stellt er quasi als Präambel seinem jüngsten Projekt voran: In einem opulenten Bildband dokumentiert der 1952 geborene Künstler die im Pariser Unesco-Hauptquartier verortete größte Kunstsammlung der Vereinten Nationen: Art for Peace.
Die Sammlung der Unesco wurde von niemandem geplant oder kuratiert. Es handelt sich ausschließlich um Schenkungen von Künstlern und Repräsentanten der Mitgliedsstaaten, von Persönlichkeiten, die derart den Zielen der Unesco Tribut zollen, sie mit einem sichtbaren Zeichen unterstützen. Das Spektrum der Kunstsammlung, die frei von inhaltlichen Zwängen ist, reflektiert mit den globalen Stilrichtungen die Philosophie der Unesco: "Building a Culture of Peace".
Lammerhuber, Mitglied des Art Directors Club in New York, näherte sich der Aufgabe nicht mit rein lyrisch-inszenierten Postkartenidyllen. Spürbar ist in seinen Kompositionen und Tableaus der Respekt vor der Kreativität und der Individualität der Künstler. Kongenial visualisiert er die Symbiose von Architektur und Kunst, den Dialog zwischen modernen Formen, archaischen Materialien, kargen Wänden, zwischen Skulpturen, Gemälden, In stallationen, Provokationen und beabsichtigten Irritationen.
Virtueller Dialog der Künste
Mittels seiner exzentrischen Perspektiven entsteht eine originäre Bildsprache, ein originäres Kunstwerk per se. Es ist "L'art pour l'art" im besten, ursprünglich positiven, Sinne.
Durch das fotografische Wechselspiel von Fragmentierung, grober Stilisierung einerseits und großflächiger Wirkung im Raum, in den Fluchten verwinkelter respektive abgerundeter Wände, ineinanderfließender Open Spaces andererseits können sich die Kunstwerke entfalten und kommunizieren. Lois Lammerhubers subtiler Blick korreliert äußerst eindrucksvoll mit dem Schaffen der herkömmlichen, der tradierten Kunst geschichte. Teils fragil, teils episch, teils verdichtet.
Die Sammlung umfasst Werke unterschiedlicher Kontinente und Perioden. Lammerhuber transportiert die einzelnen Werke zu einem großen Ganzen. Ohne Wertung nach Marktpreis oder Schätzwert folgt auch sein Opus rein der Inspiration kreativer Potenziale und gewährt jedem seine Wertschätzung.
Gemäß seiner humanitären Grundeinstellung - analog zu seinen fantastischen Publikationen über den Louvre, in denen er grosso modo als unbedeutend geltenden Details mehr Aufmerksamkeit schenkte als Vorhersehbarem - entdeckt Lammerhuber Spiegelungen, Schattenwürfe, Deformationen, Duplizierungen und enthüllt derart grandiose Metamorphosen. Kunst im Dialog mit Raum und Zeit. Authentisch dokumentiert in großformatigen Tableaus von zeitloser Ästhetik.
Plädoyer für Respekt
"Mit größtem Respekt vor den kreativen Genies, die jene Kunstwerke geschaffen haben, denen sich dieses Projekt widmet, habe ich mit meiner visuellen Sprache versucht, den Meisterwerken eine neue Interpretationsfacette hinzuzufügen", resümiert er subjektiv den Weg.
1889 formulierte die österreichische Friedensaktivistin Bertha von Suttner ihre programmatische Streitschrift Die Waffen nieder!. Nun wiederholt Lois Lammerhuber - ohne Worte, aber nicht minder eindringlich - dieses an die internationale Staatengemeinschaft gerichtete pazifistische Postulat mittels seiner von Humanismus und Engagement beseelten Fotografien.
In seinem Werk manifestiert sich ein dezidiert geformtes Plädoyer für Respekt, Menschenwürde und Frieden. (Gregor Auenhammer, Album, DER STANDARD, 17./18.11.2012)
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