Von Pilgervätern, Scharfrichtern und Helden

Frank Herrmann aus Washington, 16. November 2012, 18:39

Kaum ein Prominenter in den USA kann der offiziellen Moralvorstellung Genüge tun

Es bedurfte eines Schotten, um auf den Punkt zu bringen, warum amerikanische Moralvorstellungen Europäern manchmal so fremd sind. Der Pädagoge Colin Greer, er leitet in New York die liberale New World Foundation, schreibt in einem Essay von einer Scheinheiligkeit der Neuen Welt. "Das Besondere an Amerika ist ein Maß an puritanischen Standards, von dem wir wissen, dass es sich auf die meisten Menschen gar nicht anwenden lässt."

Wenn dann ein Prominenter dem Pilgerväter-Ideal nicht entspreche, werde er von verbalen Scharfrichtern geradezu drakonisch bestraft. Dazu, doziert der schottische Gelehrte, geselle sich eine ausgeprägte Lust am voyeuristischen Blick durchs Schlüsselloch, sodass sich die Petraeus-Saga vor aller Augen zu einer wahren Seifenopernserie entfalte.

So what? Staatsgeheimnisse sind offenbar nicht verraten worden. Die Strategie in Afghanistan ändert sich nicht, bloß weil John Allen, der US-Kommandant am Hindukusch, Jill Kelley "Sweetheart" nannte, was auch gutgelaunte Kassiererinnen im Supermarkt laufend zu ihren Kunden sagen - die sie gar nicht kennen.

Die hausinternen Ermittlungen der CIA gehen mittlerweile in eine andere Richtung: Der Generalinspekteur des Geheimdienstes will herausfinden, ob Petraeus - der am Freitag im Kongress in einem mehrstündigen Hearing hinter verschlossenen Türen zum Anschlag auf das US-Konsulat in Bengasi aussagte - steuerfinanzierte Privatjets, Chauffeure oder Wohnungen für seine Romanze mit Broadwell missbrauchte.

Fast nebenbei ist etwas Wichtiges deutlich geworden: akuter Reformbedarf. Der Electronic Communications Privacy Act, der den Umgang mit persönlichen E-Mails regelt, stammt aus dem Jahr 1986. Demgemäß hat der Autor einer E-Mail diese "aufgegeben", wenn sie noch nicht versendet, aber 180 Tage alt ist. Um sie lesen zu dürfen, braucht das FBI nicht einmal die Genehmigung eines Richters.

Kollision der Traditionen

Er sehe die Affäre eher durch die französische Brille, bemerkt David Brooks, New York Times-Kolumnist und eine der tolerantesten Stimmen im öffentlichen Chor. "Das Ganze ist Privatsache." Man solle sehr talentierte Leute ihre Arbeit auch dann machen lassen, wenn sie sich im Privaten beschämend verhalten hätten. "Es gibt nämlich nicht so viele sehr talentierte Leute." Selbst der greise TV-Prediger Pat Robertson verteidigt Petraeus: "Der Mann ist in einem fernen Land, er ist einsam, und da kommt diese gut aussehende Frau, die sich ihm in die Arme wirft. Ich meine: Er ist ein Mann!"

Allerdings kollidieren in diesem Fall zwei alte amerikanische Traditionen: das Puritanische und der Heldenkult um Soldaten; und der ist in der Gründungsgeschichte verwurzelt: George Washington befehligte die Rebellenarmee, die gegen die britische Krone die Unabhängigkeit erkämpfte. Ulysses Grant zog bloß ins Weiße Haus ein, weil er sich als Bürgerkriegsgeneral Abraham Lincolns empfohlen hatte. Und Colin Powell wäre nicht Außenminister geworden, wäre er nicht Stabschef im Golfkrieg gewesen. Nach Umfragen haben 78 Prozent der Amerikaner Vertrauen ins Militär. Mehr als in jede andere Institution.

Damit verbinden sich Erwartungen, denen kaum ein Uniformträger gerecht werden kann. Petraeus hat eifrig mitgestrickt an dem Heroenbild, indem er oft und gern mit Reportern plauderte. Umso tiefer ist der Sturz vom Podest - und umso gebannter verfolgt das Land das Spektakel der Entzauberung von "King David". (Frank Hermann, DER STANDARD, 17.11.2012)

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alleine in pakistan

eigentlich egal, wer mit wem gerade rummacht, zu hinterfragen ist mMn nach nur, wie ein John Allen Zeit hat, dieser Schnitte 30.000 Seiten zu schreiben ohne seine Arbeit zu vernachlässigen...

Generäle, die mit schulterhohen

Ordenspangen auf dem A-Dress herumlaufen, sind mir immer schon suspekt gewesen. Solche enormen Anhäufungen von Blech links und rechts auf der Brust zeugen möglicherweise von einer gewissen infantilen Eitelkeit.

(Dabei gab es gerade in den USA bedeutende Generäle, die auf den lächerlichen Ordensaufputz völlig verzichteten: Ulysses S. Grant trug z.B. grundsätzlich keine Orden auf der Uniform, Eisenhower beschränkte sich auf ein einziges schmales Ordensbändchen.)

(4.Versuch, wieso eigentlich?) - Wie das FS3 berichtete, sind hier weitaus mehr hochrangige Militärs GLEICH NACH DER ERFOLGTEN WAHL Obamas demontiert worden. Das sieht demnach eher nach einem "Großputz" aus. Die Liste beinhaltet u.a. bereits: …



- Gen.Carter Ham,der ehem.Leiter Africom

- Konteradm.Charles M.Gaoutte,Kommandant der 3.Trägergruppe

- Cmdr.Joseph E.Darlak,Kommandant des US-Raketenkreuzers Vandegrift

- Brigadegen.Jeffry A.Sinclair,Kommandant der 82.Airborne Afghanistan

- Der russ.Verteidigungsminister

- Gen.Petraeus

Obama ist jetzt mit der vertuschten Bengahzi-Geschichte wundervoll "lenkbar" u.Petraeus kann sich nach dem Ausscheiden aus der CIA endlich auf den 5. berufen!



FS3-NACHLESEN:
http://tinyurl.com/bfretzr
http://tinyurl.com/bkdlcxx
http://tinyurl.com/azheckz
http://tinyurl.com/bfebmu6



PS: Inzwischen wurde auch gegen einen Gen.im Ruhestand, William E.Ward (Ex-Kommandeur des Africa Command) wg. "Überhöhter Spesen"(!) ein Verfahren eingeleitet…

Kip Ward

Liess nach, er war eben noch nicht im Ruhestand. Alles harmlos, er ist sehr weich gefallen. Statt ca 230000 USD Pension pro Jahr nur ca 200000. Wow.

Ja, der Fall wurde nun nach der Wahl beendet, richtig. Aber was das mit dem russischen Verteidigungsminister zu tun haben soll, erschliesst sich mir nicht.
Gibt es noch einen Zusammenhang zu General Entacher?

Obama hat offenbar Angst vor einem Umsturzversuch, wie auch seine (nicht veröffentlichte!) presidiale Geheimdirektive PPD 20 zeigt: Hiebei wurde offenbar der Einsatz von US-Militärs auf amerikanischem Boden(!) erwogen - ein Verstoß gegen alle…

…"demokratischen" Regeln und gegen die Konstitution:
http://rt.com/usa/news/... c-foia-192

Und nicht nur das (bestinformierteste) FS3 ist bereits dieser Ansicht, sondern die Spatzen schreien es bereits von allen Dächern:
http://tinyurl.com/c9muku2

"Sexuelle" Verfehlungen? Lachhaft!

Die Auflistung des ehem.russ.Verteidigungsministers in der Liste der US-Geschaßten war übrigens kein Fehler, sondern ganz bewußt, da der gute Mann seine Kompetenzen überschritt u.sich in inneramerikansiche Angelegenheiten aktiv einmischte, worauf er ebenfalls aus seinem Amt entfernt werden mußte.

Schließlich gibt es ja noch eine "übergeordnete" Direktive - und die ist international. Wo kämen wir nur hin, wenn da ein paar ahnungslose…

usw.usf…

der russische

verteidigungsminister war eben ein amerikanischer spion, derjetzt aufgeflogen ist. fs3 kann dir da sicher näheres berichten.

Aber auch für sie hat das FS3 etwas Neues zum Lachen: Zwei weitere, hochrangige Kommandeure der 6.US-Flotte (Jetzt bitte mitsingen: "Wir lagen vor Benghazi, und hatten zwei 'Ohren an Bord…") - Ray Hartman, Kommandant des amphibischen…

…Landungsschiffes "USS Fort McHenry" u.Cpt.Ted Williams, v.der "USS Mount Whitney" wurden wg. "Fehlverhaltens" vorläufig suspendiert.

Natürlich beeeilte sich das DoD sofort festzustellen, daß "keinesfalls militärische", sondern ausschließlich "persönliche Gründe, usw-usf." für die disziplinarischen Maßnahme verantwortlich seien.

Williams war übrigens kurzfristig als Ersatz für den im Juli suspendierten stellvertretenden Kommandeuer des Trägers USS Eisenhower -Cpt. Robert Gamberg- abkommandiert worden, welcher…

…ebenfalls wg. eines angeblichen "Verhältnisses" mit … v.Dienst suspendiert worden war.

Der russ.Minister hatte übrigens seine Kompetenzen etwas überschritten, indem er in internen US-Angelegenheiten mitgemischt hatte.

Ist Patraeus in Uniform aufgetreten? Ist der so auf seinen Nick "P4" geil? Mag ich nicht glauben. Er ist noch immer der intelleginteste (Ex-)General der jüngeren Geschichte, der lauter super Leute um sich scharen kann. Und anscheinend ein trauriger Held des Unterleibes.

Also der "intelligenteste" General hat 2 Kriege verloren

..und liess täglich irgendwelche Leute in Ländern mit denen die USA nicht einmal im Krieg stehen abmurksen.

herrlich wie belesen sie die arbeit des david petraeus beschreiben...

Der intelleginteste ist er sicher unter Generälen.

Ob das allerdings ein Kompliment ist?

Sorry wegen Tipp(pp)fehler, falls Sie darauf anspielen.

Ja, ich sehe es als Kompliment. Er hat unter anderem deswegen viel erreicht, weil er sehr intelligent ist und gute Leute um sich scharen konnte. So liest man halt.

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