Jugendliche möchten über Sex reden, tun es aber nicht

  • "Junge Frauen glauben, dass Männer mehr vom Sex haben", sagt die Gynäkologin.
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    foto: apa/oliver berg

    "Junge Frauen glauben, dass Männer mehr vom Sex haben", sagt die Gynäkologin.

Vor allem Burschen schämen sich, über Intimes zu sprechen - Geschlechtssensible Sexualpädagogik und Sensibilisierung gefordert

Wien - Österreichs Jugend hat ein großes Mitteilungsbedürfnis, wenn es um Sex geht. Das zeigen die Besucherzahlen bei Sexualberatungsstellen wie der First-Love-Ambulanz in der Wiener Rudolfstiftung, die bereits ihr 20-jähriges Bestehen feiert. "Doch die Beratungssituation hat sich geändert. Es geht nicht mehr ausschließlich um Verhütung, wir müssen auch über Körperbewusstsein der Jugendlichen reden", sagte Claudia Linemayr-Wagner, Gynäkologin und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF), am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Vor allem Burschen schweigen

Zwar hätten die Jugendlichen Peergroups wie Freunde, aber auch Familie als Ansprechpartner. Eine 2012 fertiggestellte Umfrage unter 218 Personen im Alter von 13 bis 20 Jahren zeigte jedoch, dass sich viele zum Thema Sex niemandem anvertrauen, besonders die Burschen (15,5 Prozent im Gegensatz zu 8,7 Prozent der Mädchen).

"Diese Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt", sagte Studienautorin Martina Strilic. 2001 wurden Österreichs Jugendliche zuletzt über ihr Sexualverhalten befragt.

Infos aus Pornos

Die Information über geschlechtliche Handlungen würden die Befragten häufig aus dem Fernsehen, dem Internet, Zeitschriften, aber auch aus Pornos beziehen. Besonders die Burschen holen sich ihr Wissen aus Sexfilmen, Internetplattformen wie Youporn würden Jugendlichen einen leichten Zugang ermöglichen. "Da herrscht eine große Kluft zwischen Burschen und Mädchen", betonte Strilic. Die Burschen sind auch der Meinung, dass man aus Pornos "viel lernen" könne. 

Bei der Befragung fiel auch auf, dass sich Burschen und Mädchen sehr stark durch ihren Zugang zur Sexualität unterscheiden. Mädchen hätten meist ein negativeres Körperselbstbild und erleben den Übergang vom Mädchen- zum Frausein negativer als Burschen jenen zum Mannsein. "Die jungen Frauen glauben auch, dass Männer mehr vom Sex haben", berichtete Linemayr-Wagner aus ihrem Praxisalltag als Gynäkologin. 

Geschlechtssensible Beratung gefordert

Die Umfrage zeigte laut Linemayr-Wagner, dass eine geschlechtssensible Beratungskultur notwendig ist. "Hier haben Eltern und Schulen eine enorm wichtige Aufgabe." Diese müssten durch eine intensive Sexualpädagogik noch mehr für das Thema sensibilisiert werden und dabei auch über Tabuthemen wie Pornografie und Selbstbefriedigung sprechen, so die Gynäkologin. 

Entgegen der allgemeinen Meinung sind Österreichs Jugendliche nicht äußerst früh sexuell aktiv. In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Durchschnittsalter von 16 Jahren für das "erste Mal" nicht verändert, resümierte Strilic. Die Umfrage zeigte allerdings, dass Jugendliche, deren Eltern getrennt leben, ihren ersten Geschlechtsverkehr früher erleben. (APA/red, derStandard.at, 12.12.2012)

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