Über eine mit Namen gestrafte Nachkommenschaft

Kolumne | Christian Schachinger
18. November 2012, 17:00

Nicht jedem von uns ist es vergönnt, Menschen mit außergewöhnlichen Namen auch persönlich zu kennen. Dennoch fragt man sich mitunter, wie es zum Beispiel Leuten innerlich gehen mag, die im deutschen Privatfernsehen als Pascale-Kevin Schink durchs Leben gehen. Pascale-Kevin war jetzt gerade Star einer Folge der bei abgebrühten Kindern enorm beliebten TV-Serie "Die strengsten Eltern der Welt".

Er rauchte und trank und vernachlässigte mit kräftigem Untertiteldeutsch die Schule. Das war schon gruselig und lenkte einmal mehr das Auge des Zusehers auf soziale Brennpunkte in nicht so schönen Wohngegenden mitten unter uns. Pascale-Kevin also wurde aufgrund seines unbelehrbaren Verhaltens von seiner für schwarze Pädagogik empfänglichen Mutter unter Vortäuschung falscher Tatsachen zu einer Gastfamilie in den argentinischen Dschungel geschickt.

Dort sollte er im Bootcamp ein guter Sohn werden, ohne fließendes Wasser und ohne Fußgängerzone mit Anbindung an fragwürdige Cliquen. Wie wir spätestens seit Johnny Cashs Song "A Boy Named Sue" wissen, sind Vornamen enorm wichtig. Bei Johnny Cash war es ein unbarmherziger Vater, der seinem Sohn einen Mädchennamen gab. "Sue" sollte möglichst hart gegenüber der Welt und den Menschen gemacht werden.

Diverse aufgrund des Namens provozierte Prügeleien auf dem Schulhof und in übel beleumundeten Kaschemmen konnten so das Recht des Stärkeren zum Faustrecht der Freiheit befordern. Das mag in gesetzlosen Weltgegenden wie dem Wilden Westen seine Richtigkeit haben. Dort wie in der Zivilisation gilt im Zweifel allerdings, dass am besten durchs Leben kommt, wer möglichst wenig auffällt. Menschen, die den Kopf aus der Deckung heben, haben schnell einmal die Faust des Johnny Cash im Gesicht.

A Boy Named Sue

Was auf dem Papier pfiffig klingen mag, durfte in der Realität doch recht häufig zu Verhaltensoriginalität mit all ihren Begleiterscheinungen führen. Was hätte aus Pascale-Kevin alles werden konnen, wenn man ihn Franz Schink genannt hätte? Wäre er heute ein guter Schüler? Würde er alten Omas über die Straße helfen oder in einer Nachbarschaftshilfe aktiv sein? Oder wäre er dasselbe Gfrast geworden, das jetzt im Fernsehen der indigenen Gastfamilie das Rote in die Augen trieb.

Immerhin gilt: Wer seinen Kindern derartige Namen gibt, muss so wie die damit gestrafte Nachkommenschaft mit Widerstand rechnen: "Gleich gibt's auf Schnauze!" Mein Sohn Maurice-Andre und meine Tochter Gina-Chiara haben jedenfalls nach der Fernsehsendung gemeint, dass sie ab jetzt nicht mehr so viel rauchen und Prosetscho trinken und schlimme Worte sagen wollen. Nein, sie wollen den Namen des Vaters und der Mutter ehren. Wir seien die liebsten Eltern der Welt. Nicht schlecht für Volksschulkinder. (Christian Schachinger, Family, DER STANDARD, 18.11.2012)

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ich würde jetzt aber schon auch gerne von all den anti.kevins hier wissen, wie ihre kinder heißen.

meine kinder heißen alfred und bettina, jahrgang 89 und 91 - gibt's dazu irgendwelche diagnosen?

wenn ich in die glaskugel schaue, sehe ich definitiv häkelgardinen

Ist das auf dem Bild der Herr Christian Schachinger? Welch hübscher Kerl! :-)

Hr. Ribota

Magistrat Linz

jetzt

mal im ernst: schachinger schreibt jetzt eine familien-kolumne, nach den wilden kerlen jetzt den kindskopf, echt?

Lasst doch endlich die Kinder in Ruhe!

Wenn ich Kevin hieße und ANDAUERND diese Sachen lesen müsste - ich tät mich ganz schön ärgern/kränken/aufregen. Lasst doch endlich die Kinder in Ruhe, egal wie sie heißen, ihr (Möchtegern-)Feuillletonnisten! Ihr seid es nämlich, ihr seid die Diskriminierer. Hört euch mal dieses Lied an und seid einfach still:
http://www.youtube.com/watch?v=VaNeUqk0wBU

Wenn ich Kevin hieße, würde ich mich auch ärgern: über meine Eltern, die offensichtlich bei der Namensgebung betrunken waren oder ihren Hass auf ihr Kind zum Ausdruck bringen wollten.

oder so doof, dass sie den Film damals toll fanden

Der Lars Schlecker wird sich auch mehrfach gewundert haben warum sein Vater (Firmengründer Anton Schlecker) ausgerechnet diesen Vornamen genommen hat.....

Hätte schlimmer kommen können - Hätte auch das L & S von Lars weglassen können

uff. schon wieder? bzw. noch einmal? echt jetzt?

lassts sowas, wenns denn sein muss, den winder schreiben; der baut euch aus dem kevinismusthema zumindest noch ein schönes glied.

Da war mal ein Artikel im Spiegel... Kevins habens echt schwer

http://www.spiegel.de/schulspie... 49421.html

Auch gut: "Kävin wüüst hutschn?" (Wienerin fragt ihren Knaben ob er auf die Schaukel will)

http://de.uncyclopedia.org/wiki/Zita... Kevinismus

Letztens hat im Supermarkt eine Frau nach ihrer Jacke gerufen ... einer Jacke namens Lihne.

"Jacke-Lihne, kimmst jetzt endlich?"

... war allerdings im Ruhrpott.

Irre der Link! Ich habe mir gerade in die Hose gemacht vor lachen!

Ich schreib das jetzt nochmal, weil es tatsächlich gelöscht wurde:

Noch schlechter als das Unterschicht-TV vom Vortag im Standard nachzuerzählen ist eigentlich nur, sich über die Namen der dort vorkommenden Protagonisten zu erregen.

Muss ich jetzt wirklich das offensichtliche wortreich begründen, damit es gepostet bleibt? Bitte nicht.

Es lebe die Obersteiermark!

Unsere Nachbarin hat zwei Buben.
Leo + Ben!

S*it happens!

Ein judendfreund hat mitte der 80'er seinen Sohn nach dem Fussballer Kevin Keagen benannt. Der arme ist ca. 6 Jahre als die anderen Kevins. Der tut mir seit Anfang der 90'er leid.

Gestatten, KEEGAN. Kevin KEEGAN.

Ich glaub fast ich kenne besagten Kevin. Zumindest passt grob das Geburtsjahr und die Geschichte zum Namen.

ups

es soll Jugendfreund heißen. ;-)

p.s. zu diesen Thema gibt es eine gneuale Homepage
http://chantalismus.tumblr.com/

Jaja, jeder kennt einen Kevin in seinem Umfeld. Sind wir also froh um die Kreativität der Eltern von Jonas, Elias, Noah und Co.

Kenne weder Kevin, noch Elias, Jonas, Noah oder ähnliches!

Ich kenne einen Noah und einen Abraham...(beide Studenten im üblichen Studentenalter)

was sich der schachinger wieder einfallen lässt.

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