Lehrerausbildung: Uni-Rektoren gegen "Zwangsehe" mit PH

  • "Wie bei jeder Zwangsehe kann das nur schiefgehen", sagte uniko-Chef Heinrich Schmidinger
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    "Wie bei jeder Zwangsehe kann das nur schiefgehen", sagte uniko-Chef Heinrich Schmidinger

Schmidinger: Zertifizierungsrat "de facto politisches Kontrollinstrument" - Unterricht soll erst mit Masterabschluss möglich sein - Töchterle verteidigt Pläne, ist aber diskussionsbereit

Wien - Die Uni-Rektoren sind in einigen Punkten alles andere als zufrieden mit den Reformplänen der Regierung für die Lehrerausbildung. Vor allem die Vorgabe, dass die Unis zu Kooperationen mit Pädagogischen Hochschulen (PH) verpflichtet werden sollen, widerstrebt der Universitätenkonferenz (uniko). "Wie bei jeder Zwangsehe kann das nur schiefgehen", sagte uniko-Chef Heinrich Schmidinger anlässlich einer Tagung des Wissenschaftsrats zur Reform der Lehrerbildung.

Die Partner seien einfach zu unterschiedlich, sagte Schmidinger: Die Unis - derzeit zuständig für die Ausbildung der Lehrer an AHS und berufsbildenden höheren Schulen (BHS) - sind autonom, die für die Ausbildung von Pflichtschullehrern (Volks-, Haupt-, Sonder- und Polytechnische Schulen) verantwortlichen PH hingegen eine weisungsgebundene, nachgeordnete Dienststelle des Unterrichtsministeriums. "Wenn diese zwei sehr unterschiedlichen Partner zusammengebracht werden, sind Schwierigkeiten absehbar."

Kritik an Zertifizierungsrat

Gerade die Autonomie der Unis sieht Schmidinger durch die geplante Reform in Gefahr: So seien Studienpläne bisher allein in deren Hoheit gefallen, wobei sie zu Qualitätssicherung verpflichtet seien. Künftig soll hingegen ein von Wissenschafts- und Unterrichtsministerium beschickter Zertifizierungsrat feststellen, ob das jeweilige Studienangebot die Kriterien für eine Anstellung an Schulen erfüllt und dabei etwa Studienpläne und das eingesetzte Personal kontrollieren. "Der Zertifizierungsrat ist intendiert als Qualitätssicherungsorgan, de facto wird er ein politisches Kontrollinstrument sein", verweist Schmindinger auf die Erfahrungen mit dem als Kontrollorgan eingerichteten Universitätsrat.

Der Zertifizierungsrat wäre damit "fast schon eine Karikatur dessen, was international in der Qualitätssicherung üblich ist", kritisiert Schmidinger, der außerdem darauf verweist, dass erst heuer mit der AQA Austria eine neue Qualitätssicherungsagentur für alle Hochschulen geschaffen wurde. Dass von dieser alle Hochschulen, für die das Wissenschaftsministerium verantwortlich ist, aber nicht die beim Unterrichtsministerium ressortierenden PH erfasst werden, "kann nur ein parteipolitisches Motiv haben".

Die Qualität der Lehrerausbildung sieht Schmidinger auch durch die geplante Struktur gefährdet: Künftig sollen schon Bachelorabsolventen unterrichten dürfen und der Master erst für eine Fixanstellung notwendig sein. Angesichts des sich ankündigenden Lehrermangels befürchtet er, dass Lehrer mit Bachelorabschluss von der Not- zur Dauerlösung werden könnten. Die Rektoren wünschen sich daher, dass erst mit dem Master unterrichtet werden darf. Die Ausbildung soll in der Sekundarstufe unter Federführung der Unis erfolgen und die Praxiserfahrung über die PH dazugeholt werden. Eine Hoffnung hat Schmidinger allerdings noch: Immerhin handle es sich derzeit lediglich um Pläne, die noch nicht Gesetz sind.

Töchterle: "Bedeutendes Etappenziel"

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) nennt die Pläne der Regierung indes in einer Aussendung ein "bedeutendes Etappenziel". Die Neuregelung solle "gute Universitätsbildung am Puls der Wissenschaft" mit einer "praktischen Perspektive" zusammenführen und die Qualität der Lehrerausbildung durch moderne Curricula, einheitliche Eignungsüberprüfungen und eine unabhängige Qualitätskontrolle "signifikant erhöhen". Der frühere Rektor der Uni Innsbruck verteidigte zudem den Zertifizierungsrat: Dieser werde nicht in die Autonomie der Unis eingreifen, aber es sei "legitim", dass der künftige Dienstgeber sich auf Instrumente der Qualitätssicherung stütze. Der Minister betonte, er seit bereit, die Pläne zu diskutieren. Hinter die erreichte Position dürfe man aber nicht zurückfallen.(APA, 16.11.2012)

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12 Postings
info hilft

es ist löblich, dass unis auf ihre autonomie wert legt, es muss allerdings wohl legitim sein, dass der staat vorgaben bzg. der lehrerausbildung macht

wir könnten auch einfach postler umschulen, oder auch unteroffiziere vom bundesheer (so ein oberstabswachtmeister im geschichteunterricht ist sicher ein voller erfolg).

Also die Lehrer Ausbildung soll noch weiter von der Ausbildung vom Rest der Akademiker abgeschottet werden?

Ob das Qualität sichert ist eher zu bezweifeln.

Naja, eine gute Sache hat es ja. Wen der Master nicht mehr verpflichtend ist um Lehrer zu werden muss ich nur 3 Jahre Pädagogik Vorlesungen über mich ergehen lassen sobald meinem Bereich das Geld ausgeht und man mich nach meiner Habil auf die Straße setzt. Jupi!

Sie haben keine Ahnung von Tuten und Blasen.

der bachelor wird 4 jahre (240 ects) dauern...

Angedachte regelstudienzeit in meinem fach ist 3 jahre.

es geht nicht ums fach, sondern um die arbeitsstelle...

wenn geld fehlt, dann machen wir halt das volk dumm :(

1) nein zu bachelor-lehrern. das werden mit sicherheit fixanstellungen und schließlich standard, denn wer wird den master machen, "wenns nicht sein muss"?

2) das lehramt an gymnasien muss an der uni bleiben. die ph kann das fachwissen nicht vermitteln. unsere bildungseinrichtungen dürfen nicht vorrangig erziehungs- und verwahranstalten werden - das gym. schon gar nicht! genau auf diesem weg sind wir aber momentan. wenn, wie oftmals geschildert, sogar in der sekundarstufe II mehr als die hälfte der unterrichtszeit der erziehung gewidmet werden muss, so ist dies ein dramatisches zeichen für unsere gesellschaft! erziehung ist primär aufgabe von eltern und horterziehern. aufgabe der lehrer sollte die lehre sein, bleiben, werden...

ja erzogene kinder im oberstufengymnasialbereich - das wäre schön, aber das gibts halt nur mehr in katholischen privatschulen... leider!

1) der ba wird - so ists geplant - vier jahre dauern. d.h. genauso lang, wie die bisherige ausbildung. darin ist keine verschlechterung gegeben.

2) die kompetenz für die ahs-ausbildung bleibt auf der uni. lediglich im weiterbildungsbereich wird es zu kooperationen zw ph und uni kommen müssen.

der skandal ist nicht, dass die ausbildung selber verschlechtert wird, sie bleibt einfach gleich schlecht - nur das etikett wird ausgetauscht. der skandal ist vielmehr das der staat auf dem umweg des zertifizierungsrats (welche zu gleichen anteilen vom wissenschaftsministerium und vom unterrichtsministerium bestellt wird) das curriculum der päd.bild. macht. ...

die weiterbildungen sind schon lange sache der ph - und oft dementsprechend sinnlos für ahs und bhs lehrer. fast alle fortbildungen sind auf volks- und hauptschullehrer ausgerichtet. außer es geht gerade um die "neue matura". konsequenz: man schimpft auf die nicht weiterbildungswilligen ahs-lehrer.

unsere lehrerausbildung ist nicht schlecht. schlecht ist vielmehr, dass viele fähige leute in den ersten dienstjahren vergrausigt werden: durch verbitterte kollegInnen, starre strukturen, frustrierende zwangsfortbildungen, lehrerbashing, gehalt...

im übrigen sind die fächer hinsichtlich qualität der lehrerausbildung sehr, sehr verschieden - je nach curriculum und dozenten. manche haben z.b. 9 praktika während des studiums, andere nur 2.

Mit Etikettenschwindel haben sie eh schon Erfahrung, siehe HS -> NMS

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