Polizeiauto 2025: Auf dem Highway ist die Hölle los

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Die diesjährige Design Challenge der Los Angeles Autoshow hat nach dem Polizeiauto der Zukunft gefahndet. Die Ermittlungsergebnisse sind kurios bis schräg - und der neue Mercedes G wurde auch identifiziert

Drohnen, fliegende Motorräder, bemannte Bodenraketen und Exekutivorgane mit Kinnladen im Verbundlenkerachsenformat - die Verbrecherjagd der Zukunft wird cool, voll vernetzt und vor allem sehr dynamisch vonstatten gehen. Das ist zumindest die Kernbotschaft der Beiträge zur Design Challenge 2012, die auch dieses Jahr im Rahmen der Los Angeles Autoshow ausgerufen wurde.

Zum neunten Mal bat eine Jury im Vorfeld der am 30. November anhebenden Veranstaltung die Automobilindustrie, ihre Ideen zu einem Zukunftsthema zu visualisieren. Diesmal galt es, das "Highway Patrol Vehicle 2025" zu entwickeln. Originelles Design, das Aufspüren technologischer Trends und ein möglichst hoher Ökofaktor standen bei den Juroren ganz oben auf der Wunschliste. General Motors, BMW, Honda, Mercedes und Subaru fühlten sich befähigt, derlei umzusetzen. Nun liegen die Ergebnisse der etwas anderen Ermittlertätigkeit vor. Gewiss ist eines: Auf dem Highway ist 2025 die Hölle los.

Law&Order trifft Ausblick auf Mercedes G

Ganz gleich, ob von General Motors oder Honda - der Kriminelle der Zukunft sieht sich mit einem knallig verpackten Hightech-Aufmarsch konfrontiert. Action-Epen wie "Robocop" oder "Judge Dredd" dürften mehr als bloß eine Inspirationsquelle gewesen sein, wie überhaupt so mancher Hollywood-Set den Designern den Zeichenstift geführt hat. Vor allem bei der General-Motors-Tochter Chevrolet steht Law&Order ganz oben auf dem virtuellen Einsatzplan, Honda hingegen nimmt sich zumindest in Ansätzen des schnöden Themas Verkehrsüberwachung an.

Einzig Daimler sticht aus dem überzeichneten, etwas selbstverliebten Action-Inferno der Kreativen heraus und präsentiert eine Art realmöglicher Zukunft: den Mercedes-Benz Ener-G-Force, eine Reminiszenz an den Kantenklassiker Mercedes G. Wo seit über 30 Jahren urwüchsige Kraft, endzweckgerichtete Formen und humorlose Winkel walten, dominieren beim Ener-G-Force geblähte Nüstern und feiste Radkästen. Es ist also eine Revolution im Reich der Böschungswinkel-Fetischisten angesagt.

Nicht weniger revolutionär geben sich die gezeigten Zukunftsentwürfe in Sachen Observation und Verbrechensvereitelung. Damit müssen Pülcher, Verkehrsrowdies und staatsgefährdende Subjekte in Hinkunft rechnen - die Polizei-Patrouille 2025, eine Zusammenschau. (Stefan Schlögl, derStandard.at, 20.11.2012)

foto: bmw

Sehr flexibel ist das "Human-Drone Pursuit Vehicle" von BMW Designworks USA angelegt. Einsatzgebiet für die E-Patrol ist der Großraum Los Angeles. Erfreuliche Nachricht: Ein Verkehrsstau ist für die BMW-Cops kein Grund, die Verfolgung einzustellen.

foto: bmw

Per Knopfdruck sprengt das Mutterschiff drei Trabanten mit unterschiedlichen Spezialaufgaben ab. Eine Mini-Drohne observiert die Verfolgung aus der Luft. Ein Mono-Wheeler schlängelt sich durch den Verkehr. Die Aufgabe des Magnetic-Connection-Teils ist etwas dubios, aber sicher zukunftsfähig.

foto: bmw

Der Innenraum des Mutterschiffs: Unterkühlter, von Carbon und Plexiglas geprägter Kampfjet-Style macht die Ergreifung jedes Handtaschenräubers zum nationalen Auftrag.

foto: gm

Die schnelle Eingreiftruppe von General Motors hört auf den Namen "Volt Squad". Mehrere Gerätschaften werden hier zu einer schlagkräftigen Truppe der CHP (California Highway Patrol) vereint.

foto: gm

Sie alle sind dem GM-Designstudio zufolge einer Mission verpflichtet: "Überwachen, verfolgen und ergreifen".

foto: gm

Hier sind zwei Kollegen der Abteilung "Observe" auf der Jagd nach Altmetall. Der Autodieb der Zukunft ist im Vergleich zur "Volt Squad" vor allem eines: chancenlos.

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Die Bodentruppen dürfen hingegen auf dieses Vehikel mit Namen "Engage" vertrauen. Der Antrieb kommt GM zufolge vom jetzt schon verfügbaren Elektromodell Chevrolet Volt.

foto: gm

Die Polizeigarage der Zukunft sieht hingegen noch ein wenig renovierungsbedürftig aus.

foto: gm

Der "Engage" ist eher etwas für die gemütliche Patrouille. Präsenz zeigen, durch die Hood cruisen, die kriminelle Lage checken.

foto: gm

Für die großen Bullitt-Szenen ist hingegen dieser Flachmann vorgesehen: das Modell "Pursue", der Einsatzwagen für die ambitionierte Hochgeschwindigkeitsverfolgung.

foto: gm

Auf dem Weg zur Perlustrierung: Die funkelnde Harley Davidson Police Road King hat als Dienstfahrzeug im Jahr 2025 offenbar ausgedient.

foto: honda

Honda hat die US-Kollegen von Honda Advanced Design auf das Thema "Highway Patrol 2025" losgelassen. Die sehen die Zukunft von Los Angeles eher düster. Geleckte Straßen und mattfunkelnde Verheißungen gibt's in dieser Vision nicht. Um die Infrastruktur der Mega-City nicht weiter zu strapazieren, kann offenbar nur noch der Einsatz aus der Luft für Sicherheit sorgen.

foto: honda

Einmal eingeflogen kann das bemannte Leitfahrzeug bei Bedarf kleinere, unbemannte Moto-Drohnen auf den Weg schicken.

foto: honda

Der Kontakt mit der Exekutive wird im Jahr 2025 also eher unpersönlich sein. Aber dafür sehr multimedial.

foto: daimler

Auch bei Mercedes will man nicht so recht an gelackte Zukunftsvisionen glauben. Das Szenario: noch vollere Straßen, eine weiter wachsende Bevölkerung, aber auch größere Sensibilität bei Umweltthemen. Dem soll der Mercedes Ener-G-Force erfolgreich begegnen. Das Ergebnis des Nachdenkprozesses: Der Einsatzwagen setzt auf eine martialische Optik, die Polizei auf sehr tailliert geschnittene Uniformen.

foto: mercedes

Der Entwurf stammt von Mercedes-Benz Research & Development USA und bewegt sich ökologisch korrekt fort: Ein Wasserstofftank auf dem Dach beliefert den Einsatzwagen mit Energie. Das Wasser wurde nach einem Recycling-Prozess in einem "Hydro-Tech Converter" gewonnen. Reichweite laut Prospekt: 800 Kilometer.

foto: daimler

Im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern des Design-Wettkampfs reichte Stuttgart auch eine Studie nach. Deren Optik präsentiert zumindest Ansätze eines Nachfolgers für den Mercedes/Puch G. Richtig festlegen will sich Chefdesigner Gordon Wagener nicht, stattdessen spricht er von einem "Hinweis auf einen Neuanfang für die Offroad-Gene von Mercedes."

foto: daimler

Auf den ersten Blick erkennbar: der Ener-G-Force kann gar nicht in Verdacht geraten, den ewigen Klassiker des Geländegangs zu kopieren. Stattdessen glänzt das Gerät mit schriller Wucht und Ballon-Bereifung. Eine genetische Laune, offenbar.

foto: subaru

Selbstironisch und folglich lockerer nimmt sich Subaru der Zukunft an. Die wird in Sachen Sicherheit von SHARC (Subaru Highway Automated Response Concept) geprägt. Die Japaner verlegen die Arbeitsplätze ihrer Kreationen nach New York, Kalifornien und Hawaii. Dieser Kollege von der Feuerwehr ist ab 2030 mit seinem Straßenkajak im Einsatz. Sämtliche Gefährte sind (natürlich) emissionsfrei und bei Bedarf unbemannt unterwegs.

foto: subaru

Im Vergleich zu den wuchtigen Visionen von Honda oder GM gibt man sich bei Subaru nachgerade dezent. Statt mächtiger Displays dominierten smarte Lösungen, wie etwa diese Highend-Version einer Multimedia-Brille.

foto: subaru

Im Übrigen sollte der Subaru-Cop angesichts der knappen Einstiegsluke auf seine Figur achten. Sonst zwickt die Zukunft um die Hüften. Und die smarte Verbrecherjagd ist bald schon Vergangenheit.

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Los Angeles Autoshow

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