Terry Pratchett: Scheibenwelt bleibt in der Familie

Fantasy-Star regelt die Zukunft seiner Schöpfung: Tochter Rhianna, eine Autorin von Computerspiel-Drehbüchern, soll übernehmen

London - Angesichts seines steitig schlechter werdenden Gesundheitszustands macht sich Bestseller-Autor Terry Pratchett schon seit langem Gedanken, wie es mit seiner populärsten Schöpfung, der "Scheibenwelt", weitergehen soll. Die Entscheidung ist nun offenbar zu Gunsten familiärer Erwägungen gefallen: Pratchetts einzige Tochter Rhianna soll die Reihe fortführen.

Pratchett leidet unter einer seltenen Form von Alzheimer, die sein Leben bereits deutlich eingeschränkt hat. Da er keine Tastatur mehr benutzen und auch nur noch begrenzt mit der Hand schreiben kann, musste er seine jüngsten Romane (darunter den Scheibenwelt-Roman "Snuff"/"Steife Prise") seinem Assistenten diktieren. Die Nebenwirkungen seiner Medikamente und sein immer noch voller Terminkalender haben vor kurzem dazu geführt, dass Pratchett bei einem Besuch in New York nach einem Anfall von Vorhofflimmern wiederbelebt werden musste.

Die Erbin der Scheibenwelt

Dennoch gab sich der Autor im Interview mit dem Magazin "New Statesman" grundsätzlich optimistisch. Die Einschränkungen beim Schreiben versucht er mit Humor zu nehmen, bekennt aber auch große Wut darüber. Die Zukunft seiner humoristischen Fantasy-Welt, die im Verlauf von beinahe 30 Jahren, 39 Romanen und umfangreicher Sekundärliteratur einen enormen Grad an Detailreichtum erlangt hat, scheint jedenfalls geregelt: "Die Scheibenwelt ist in den Händen meiner Tochter sicher", sagte er. Rhianna sei mit der Scheibenwelt aufgewachsen und kenne sie in- und auswendig.

Als Romanautorin ist Rhianna Pratchett bislang allerdings nicht in Erscheinung getreten. Sie schreibt Scripts und Dialoge für Computerspiele wie "Heavenly Sword" oder "Overlord" - für letzteres erhielt sie den Writers' Guild Award für das beste Drehbuch. Sie wird außerdem dem Autorenteam einer neuen BBC-Serie angehören, die auf Pratchetts Romanen um die Stadtwache von Ankh-Morpork beruhen und diese fortsetzen soll. (red, derStandard.at, 16. 11. 2012)

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