Oberösterreich: Gemeindeamtsleiter als falscher Magister entlarvt

Rücktritt und Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft - Mann dürfte bei der Geliebten statt im Hörsaal gewesen sein

Linz - Der Amtsleiter einer Gemeinde im oberösterreichischen Zentralraum ist als falscher Magister der Rechtswissenschaften entlarvt worden. Der Mann ist zurückgetreten und hat Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Das berichteten die Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) in ihrer Freitag-Ausgabe.

Aufgeflogen ist die Affäre nach zwei anonymen Briefen, die den Bürgermeister erreichten. Der erste enthielt nur vage Andeutungen, die das Gemeindeoberhaupt nicht ernst nahm. Im zweiten stand der konkrete Vorwurf, der sich letztlich bestätigte. Die von dem Amtsleiter bei seiner Bewerbung um den Posten vorgelegte Kopie einer Diplom-Urkunde der Linzer Johannes Kepler Universität stellte sich als plumpe Fälschung heraus.

Dabei hätte der Mann diesen Winkelzug gar nicht notwendig gehabt. Denn für den Amtsleiter-Posten war kein abgeschlossenes Studium vorausgesetzt worden. Der Beamte habe unter den sechs Kandidaten den mit Abstand besten Eindruck hinterlassen und sei in den politischen Gremien ohne Gegenstimme bestellt worden. "Er hat sich dann in der Arbeit keine Fehler geleistet und war allseits respektiert", wird der Bürgermeister von der Zeitung zitiert.

Türschild und Affäre

Der Beamte war vor seiner jüngsten Beschäftigung in einer anderen Kommune tätig. Dort hatte er noch mit seinen Kollegen den vorgetäuschten Abschluss des Jusstudiums gefeiert. Damals wurde auch sein Türschild ersetzt und der Beamte fortan als Magister tituliert. Er dürfte als Familienvater ein Doppelleben geführt haben. Das Studium habe er nur erfunden, um Zeit mit einer Kollegin zu verbringen, erklärte sein letzter Arbeitgeber. Damit habe er sich den Spielraum für eine außereheliche Beziehung geschaffen. Sein Jobwechsel hatte finanzielle Gründe. Der Beamte lebte schon in Scheidung und der Amtsleiterposten war deutlich besser dotiert als sein vorheriger.

Die OÖN zitieren auch den nunmehr Ex-Amtsleiter zu der Affäre: "Das war ein riesengroßer Fehler, den ich zutiefst bereue. Ich muss jetzt zu diesem Fehler stehen. Die Konsequenzen sind mir bewusst. Ich bin jetzt in der Sackgasse". Weiter holte die Zeitung eine Rechtsmeinung vom Linzer Strafrechtsprofessor Alois Birklbauer ein: "Wenn Jobbewerber Qualifikationen erfinden, scheidet Betrug eher aus, weil kein Schaden entstanden ist, vor allem, wenn ein akademischer Grad gar nicht verlangt ist". In Betracht komme ein Urkundenfälschungsdelikt, allerdings gebe es unterschiedliche Rechtsmeinungen zu Fälschungen von Kopien. In Betracht komme jedenfalls die "Fälschung eines Beweismittels". Dafür drohe bis zu einem Jahr Haft. (APA, 16.11.2012)

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das land der titel und scheine....

kein lercherl:

http://www.nachrichten.at/oberoeste... t67,779122

"Dass es um den Posten ein monatelanges, politisches Tauziehen gab, empfindet er als „Herausforderung“. Die Zusammenarbeit auf politischer Seite erfordere einfach ein gewisses Maß an Diplomatie, lautet Hingsamers Devise."

Ich habe einen Titel und bin selbständiger Rechtsanwalt. Außer auf meinem Anwaltsausweis, der im Übrigen wie ein besserer Schülerausweis aussieht, scheint der Titel in keinem meiner Ausweise auf, wozu auch?

Dem Vernehmen nach war der gute Herr in seiner Funktion als Amtsleiter sehr zuvorkommend und noch qualifiziert. Ein akademischer Titel ist außerdem kein Qualifikationserfordernis für diesen Job, also was solls? Ich halte es für falsch, den Mann jetzt um seine Existenz zu bringen. Jeder der das Jus-Studium kennt, weiß was für ein praxisfremder Mist einem da eingebläut wird. Mir ist ein Amtsleiter, der weiß was eine Waschbetonplatte ist, deutlich lieber, als einer der den Hauer-Leukauf runterbeten kann, aber trotzdem keine Ahnung hat.

Der akademische Titel war ist kein Qualifikationserfordernis für diesen Job. Was allerdings in einem solchen öffentlichen Amt sehr wohl ein Qualifikationserfordernis sein sollte, ist ein Mindestmaß an persönlicher Integrität und Redlichkeit. Jemand, der einen Titel vortäuscht, um einen Job zu bekommen (und davor ein Studium vortäuscht, um eine Affäre zu vertuschen) erfüllt dieses Erfordernis eindeutig nicht.

....

Blödsinn! Wer einen - salopp gesagt - Titel zu Unrecht trägt, will daraus Vorteile schlagen - unzweifelhaft.
Und sei es nur der kleinste Nutzen, den er durch unrechtmäßige Aneignung hat(te) - es ist schlicht auch unfair denen gegenüber, die sich in einem Studium abmühen.
Gerade in einem titelgeilen Land, wie Ö, kann man aber davon ausgehen, dass er sich dadurch Vorteile erhoffte - sonst nix.

falscher Magister der Rechtswissenschaften

Eine armselige Geschichte ...

Wieso gibt's bei Studienabschlüssen nicht auch eine

Datenbank wie bei Personenzertifikaten?

Es gibt dieses Register:

Das Standesamt! Akademische Titel sind Teil des Namens und wer seinen Titel nicht in Reisepass oder Personalausweis stehen hat, hat keinen oder kriegt eine Verwaltungsstrafe…

Komplett falsch.
1) Es gibt einmal keine Titel in diesem Sinne,
man spricht von akademischen Graden ! Titel wären die Amtstitel der Beamten etc.
2) Kein akademischer Grad ist Namensbestandteil
3) Akademische Grade können in ein Dokument eingetragen weden, müssen aber nicht. Lediglich akademische Grade, welche in der EU erworben wurden sind Eintragungsfähig.
4) Und mir geht diese österreichische Titelgeilheit auf die Nerven und zwar massiv !

Hätte man §10 PStG

http://www.ris.bka.gv.at/GeltendeF... r=10005556

beachtet, wäre die Anstellung eines Menschen mit angemassten Akademischen Grad nicht passiert.

Dass Akademische Grade _in_Österreich_ Teil des Namens sind, hat genau diesen Hintergrund, von Titelgeilheit können da nur ZDF-Konzumenten schwätzen…

Unsinn!

Ich habe einen akademischen Grad, der in keinem Ausweis bis auf die E-Card aufscheint.

Der Titel ist eben nicht Namensbestandteil - niemand ist verpflichtet ihn zu führen.

Tja, so einfach koennte es sein. Wenn dann allerdings nicht EU-titel hinzukommen wirds wiederum schwer.

was sind "nicht EU-Titel"?

Naja jeder Abschluss/Titel der eben nicht in der EU gemacht wurde. Machens einen Abschluss in den USA und schauns mal ob das in Oe irgendwo aufscheint.

mh ich weiss nicht wie das mit den diplomzeugnissen ist, aber auf jedem einzelzeugniss kann ich eine ID auf der seite der TU eingeben und die sagt mir dann ob es ein echtes zeugniss ist oder nicht...

dafür drohen ein jahr haft

dafür laufen die vergewaltiger mit fussfessel frei herum

ein sinnvoller Vergleich kann entweder den Strafrahmen oder die ausgesprochene Strafe betreffen;

eine maximal mögliche Strafe mit einer ausgesprochenen Strafe zu vergleichen ist billigste Polemik

wenn er gefeuert wird, sollte man denjenigen der personalabteilung der ihn für die amtsleiterstelle eingestellt hat aber genauso feuern.
weil heutzutage ists ja wirklich ein kinderspiel zu überprüfen ob derjenige tatsächlich einen abschluss hat. einfach die jeweilige uni homepage aufrufen, dort nach abschlussarbeiten suchen, und schon hat die bestätigung.

Ein Jurist schreibt leider keine Diplomarbeit im Sinne einer regulären Arbeit. Diese ist auch dadurch nicht im österreichischen Verbundkatalog zu finden.

nicht so einfach

ich denke einmal dass der amstleiter durch einen gemeinderatsbeschluss oder gemeindevorstandsbeschluss bestellt wurde. solche gemeinden sind oft recht klein, und ich denke dass steinhaus bei wels keine eigene personalabteilung hat. und wenn, dürfte die auch nur vollziehen was politisch beschlossen wurde.

Soo simpel ist das nicht, wenn auch beim Mag.iur. leichter als bei BA(FH) u.ä.

jetzt wirds Zeit für eine politische Karriere. Der Typ hat das Zeug zum Leistungsträger.

fabelhaft

mehr solcher "Tiergeschichten" gibz bei der KABEG im Kärntnerland. Da hat auch ein Kaiser sein Recht verloren,,,,

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