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Ausnahmekönner Stjepan Stazic sorgt für Punkte.

Petar Stazic Strbac ist Macher und Manager des BC Zepter Vienna.
Wien - BC Zepter Vienna, das ist zunächst einmal eine Erfolgsgeschichte, eine kleine. Zehn Spiele, zehn Siege, überlegene Führung in der Admiral Basketball Bundesliga (ABL), Einzug ins Cup-Final-Four. Vom "Phoenix aus der Asche" wird geschrieben und geredet, und Petar Stazic Strbac bestätigt: "Wir haben in kurzer Zeit viel erreicht. Dabei war der Glaube an Basketball fast weg." Im August 2010 hatten die Stazic-Brüder, Wiener mit serbischen (Mutter) wie kroatischen Wurzeln (Vater), den Klub übernommen. Zuvor war Basketball in Wien in der Versenkung verschwunden. Der letzte Titel liegt zwei Jahrzehnte zurück.
Nun gibt der 32-jährige Petar den General Manager des Vereins, sein Bruder Stjepan (34) ist für Marketing, vor allem aber für Punkte auf dem Spielfeld zuständig. Der Forward ist ein Ausnahmekönner, für heimische Begriffe sowieso, jahrelang spielte er im Ausland (Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland, Bosnien), ehe er 2009 zurückkehrte. In Wien wollen die Stazic-Brüder hoch hinaus. "Der Moment ist wunderschön", hat Petar kürzlich gesagt, nach dem 79:74 gegen Meister Dukes Klosterneuburg in der Stadthalle B. "Dafür haben wir hart gearbeitet. Aber die Saison dauert noch lange."
Die Geschichte des BC Vienna ist auch eine Geschichte vieler Namen. Stazic, der Name steht an erster Stelle. Bernhard Häupl und Peko Baxant, zwei andere Namen. Die SPÖ-Politiker würden Wiener Basketballerfolge besonders freuen. Gemeinderat Baxant ist Präsident des Wiener Basketballverbands und, wie der Bürgermeistersohn, regelmäßig bei BC-Vienna-Spielen zu Gast. Dass sie erste Reihe fußfrei sitzen, heißt nicht viel, es gibt nur vier Reihen in der Stadthalle B - und die nur an den Spielfeld-Längsseiten. Da finden 560 Zuseher Platz, Überzählige stehen an den Breitseiten hinter den Körben.
Für Baxant ist "Basketball die urbanste Sportart", er sieht große Entwicklungsmöglichkeiten und lobt Stjepan Stazic, der sich "sehr verdient gemacht" habe. Nun gehe es darum, den BC Vienna "finanziell abzusichern", und Baxant ist "zuversichtlich, dass dies in der Sportstadt Wien auch klappen wird". Der BC Vienna wird von Wien Energie und der Wien Holding gesponsert. Petar Stazic Strbac sagt, die geschäftlichen Beziehungen haben sich "mittlerweile zu Freundschaften entwickelt".
Über kurz oder lang könnte die Stadthalle B zu klein werden. Spätestens im Playoff würde man sich wohl mit Zusatztribünen helfen und damit auf mehr als 1500 Zuseher kommen. Gegen Klosterneuburg fanden sich mehr als 700 ein, wobei die Fans der Gäste zumindest akustisch überlegen waren. Fünf Klosterneuburger Trommeln ließen der einen Wiener Trommel keine Chance. Auch die Kinder, die in der Pause neben dem Spielfeld Bälle peppelten, trugen vornehmlich Dukes-Leiberln. Der BC Vienna hat die Nachwuchsarbeit ausgegliedert, kooperiert mit anderen Vereinen.
Klosterneuburgs Trainer und Obmann Werner Sallomon hofft, "dass in Wien etwas G'scheites herauskommt". Skepsis klingt durch. Zu oft hat sich Basketball in Wien als Blase erwiesen, zu viele Blasen sind geplatzt. Dabei wäre ein seriös aufgestellter Hauptstadtklub wichtig für die Liga. Immerhin hält Sallomon den italienischen BC-Vienna-Coach An drea Maghelli, der aus Traiskirchen kam, für einen "sehr guten Mann". Maghelli hat Spieler wie Shawn Ray, Zarko Rakocevic, Ian Boylan, Benedikt Danek oder Florian Trmal - viele neue Namen - rasch auf Linie gebracht. Auch Stjepan Stazic, dem Alleingänge nicht völlig fremd sind, spielt mannschaftsdienlich. Sein Bruder winkt ab, nennt man BC Vienna einen Favoriten. "Wir bleiben ein Überraschungsteam."
Philip Zepter. Ein zentraler Name beim BC Vienna, der seit Juli also BC Zepter Vienna heißt. Zepter International, der Hauptsponsor, stellt "exklusive und hochwertige Konsumgüter" her und verkauft sie. Abgedeckt werden etwa die Bereiche Kosmetik, Luxus und Haushalt, das Verkaufsteam umfasst weltweit mehr als 120.000 "Berater". Der serbische Firmengründer Zepter (61), geboren als Milan Jankovic, war mit 29 Jahren nach Österreich gekommen, wo er Kochtöpfe verkaufte und mit 35 selbstständig wurde. Mittlerweile lebt Zepter in Monaco, wo er den Fürsten zu seinen Freunden zählt. Sein Abschied aus Österreich soll, wie 2004 das Magazin Profil berichtete, nicht ganz freiwillig erfolgt sein. Zepter-Anwalt Jürg Altorfer sagte damals, es habe 1999 in Steuerbelangen "unterschiedliche Auffassungen mit den Behörden gegeben", das sei "längst bereinigt".
Ebenfalls nie bestätigt haben sich Medienspekulationen, Zepter sei in dubiose Geschäfte verwickelt. Jedenfalls wird Philip Zepters Vermögen auf fünf Milliarden US-Dollar geschätzt. Zepter International war jahrelang Hauptsponsor des Formel-1-GP von Monaco, der Powerboat-WM, des Basketball-Weltverbands, der Eishockey-WM et cetera.
Die Stazic-Brüder trafen Zepter erstmals im Vorjahr, beim Kanzlerfest im Gartenhotel Altmannsdorf. "Er war begeistert von unserem Projekt." Stazic Strbac zählt eins und eins zusammen. Die Basketball-Begeisterung am Balkan ist eine Tatsache, die Menge von Einwanderern in Wien eine andere. Die Stazic-Brüder träumen von der Teilnahme an der Adriatic League, die derzeit 14 Teams aus sieben Ländern (Kroatien, Serbien, Slowenien, Bosnien-Her zegowina, Montenegro, Mazedonien, Ungarn) umfasst. Vorerst stieg, während der BC Zepter Vienna die Dukes Klosterneuburg besiegte, drüben in der großen Stadthalle das Pferdefest. "Vielleicht werden ja wir einmal dort spielen", hat Petar Stazic Strbac gesagt. Vorerst stellen sie an den Breitseiten hinter den Körben noch ein paar Bänke hin. Vorerst hat der BC Zepter Vienna zehn Spiele gewonnen. Vielleicht wird das einmal Teil einer Geschichte sein, einer großen.
(Fritz Neumann, DER STANDARD, 16. November 2012)
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