Bergbauern erhielten zu hohe Förderungen

Johanna Ruzicka, 15. November 2012, 17:35

Wegen falscher Almflächen-Berechnungen stoppte die Kommission EU-Zahlungen. Politik will Bauern helfen

Wien/Brüssel - Zu falschen Flächenberechnungen bei den Almen kam es in Österreich, kritisierte der EU-Rechnungshof in seinem letzten Bericht. "Überprüfungen ergaben, dass es zu Überschirmungen kam, erläutert der Österreich-Vertreter der Organisation, Harald Wögerbauer.

"Überschirmungen" - dies ist ein Ausdruck dafür, dass es auf Teilen der angegebenen Almflächen statt saftiger Wiesen Wald, Geröll oder Buschbewuchs gab, sodass gar keine Almwirtschaft möglich war. Weil die Bauern aber trotzdem Förderungen für die Bewirtschaftung dieser " benachteiligten Gebiete" erhielten und der EU-Rechnungshof die falsche Datenlage schon mehrfach kritisiert hatte, hat nun die EU-Kommission kurzerhand die Zahlungen gestoppt. Die Bergbauern erhalten derzeit keine Förderung, bei denen es noch keine "Vor-Ort-Kontrolle" durch die Agrarmarkt Austria (Ama) gegeben hat. Überhaupt kam die Sache dadurch ins Rollen, dass im Rahmen einer Digitalisierung landwirtschaftlicher Flächen auch Almen unter die Lupe genommen wurden.

Bei den Bergbauern, die in der Regel finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, bedeutet dies eine ziemliche Härte. Rückzahlungen der Förderungen können sich auf bis zu 20.000 Euro pro Betrieb summieren, heißt es bei der Landwirtschaftskammer. In den Bundesländern, wo besonders viele Bauern betroffen sind - Tirol und Vorarlberg - wird von politischer Seite darüber nachgedacht, wie geholfen werden kann. Der zuständige Landesrat in Tirol, Anton Steixner (ÖVP), sagte der APA kürzlich, man wolle die betroffenen Landwirte bei der Zinsbelastung mit insgesamt bis zu 100.000 Euro helfen. In Tirol wurden rund hundert Abweichungen zwischen den angeführten Flächen und den tatsächlich bewirtschafteten Gebieten festgestellt. In Vorarlberg, wo es 250 Fälle gibt, wird ähnliches überlegt. Bundesweit werden laut Ama deshalb heuer 45 Mio. Euro nicht ausgezahlt.

Suche nach Schuldigen

Naturgemäß will an der Situation niemand schuld sein, schon gar nicht die Bauern, bei denen es zu einem Almenschwund kam. Unter der Hand heißt es, die Ama hätte sich früher damit beschäftigten sollen, auf Basis welcher Flächenberechnungen Förderanträge gestellt werden, auch wenn Vermessungen am Berg schwierig sind. Auch die Landwirtschaftskammern werden von empörten Bauern als Schuldige genannt. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 16.11.2012)

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Almen statt Olivenbäume ....

griechenland ist überall ....

"Bei meiner Ehr,

ich hob die Felsen poliert und das Geröll gerecht damit der Tourischt einen schönen Anblick hat"

Bisserl betrügen und die ÖVP steht bei Fuss um den schlauen Bäuerlein finanziell unter die Arme zu greifen. Als Belohnung für die Bauernschläue wahrscheinlich.

"Wenn man keine Ahnung hat,..."

Darf ich Sie daran erinnern

Dass Sie ohne Bauern verhungern würden... Nur mal so zum Nachdenken...

schön. nur das es hier

nicht um betrug geht, sondern um bürokratie.

Ganz einfach: die tatsächliche Fläche ist immer genau so groß,

wie sie der hierarchisch am höchsten angeordnete Kontrollor fixiert (es gibt nämlich immer Interpretationsspielraum). So ist das in jeder Fördersparte. Darum übernimmt auch niemand mehr Verantwortung und werden Akten dicker und dicker: immer mehr übergeordnete (je höher, desto fetter bezahlt) Organe müssen ihre Paraphen in das Aktenkonvolut hineinsetzen, Gegenzeichnung, 4-Augenprinzip, beantragende und genehmigende Instanz usw. Irgenwann kommt dann eine externe Consultingfirma und installiert für teures Steuergeld ein ISO-Zertifizieungssystem für den Aktenlauf. Der Bauer ist dann längst wurscht, er wird als Antragsteller gebraucht (missbraucht), damit die Maschinerie eine Selbstberechtigung hat.

ÖVP!

Sonst nichts.

Ernstgemeinte Frage, bitte um Aufklärung

Wozu gibt es überhaupt Förderungen?

eigentlich brauch ich keine aber sollte es keine mehr geben wird halt der schutzwald niedergeholzt, da steht eine menge geld von dem ich nichts habe
die alm wird auch nicht mehr bewirtschaftet und was passiert? richtig, sie verwildert und die touristen kommen nicht um mitten im wald zu stehen...

an die tierschutzprojekte würde ich mich irgendwie auch nicht mehr gebunden fühlen

Äh - korrigieren Sie mich:

Kein Schutzwald mehr, dh erstens haben Sie dann Holz (in welcher Qualität?) zum derzeit niedrigen Preis geschlägert. Holz, da mind eine Generation vor Ihnen gepflanzt wurde. Zweitens rutscht Ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit das Land weg oder Geröll drauf, dh Sie können weder etwas anbauen noch sonstwas damit machen.

Kein Wald, keine Alm, keine Tierhaltung, kein Käse von der Alm, kein Ausschank an Touristen, und Tierschutzprojekte haben sich sowieso von selbst erledigt und Sie haben auch keine Einnahmen mehr. Und Förderungen gibt's sowieso nicht mehr.

Wovon leben Sie dann?? Vieh im Stall, das zu noch mehr Milch beiträgt, deren Preis künstlich hochgehalten wird? Fleisch mit Antibiotika?

da haben wir gleich zwei probleme:

erstens: von der alm und vom käse usw. können die beize nicht mehr leben, weil er so billig sein muss, dass ich für lebensmittel nur so wenig ausgeben muss, dass sich zwei mal urlaub im jahr und mindestens ein passat ausgehen müssen. wären lm teurer, wären förderungen nicht nötig. bauernförderungen=konsumentenförderungen.
und: der ländliche raum besteht nicht nur aus bauern.
und außerdem dachte ich, dass der holzpreis jetzt grade eh nicht soooo niedrig ist.

gerne korrigiere ich

wieso niedriger preis? der preis derzeit ist ok und nein der wurde nicht gepflanzt sondern entstand so wie ein wald immer entstanden ist, durch sameneinflug, deshalb ist es auch keine monokultur

zweitens eher nicht, umholzen heist in diesem fall auf ein erträgliches mass ausdünnen, da haben sie noch keine erosionsprobleme
im gegenteil, es könnte für die nächste generation wieder besser / mehr nachwachsen

tiere habe ich keine also kann ich dazu nicht viel sagen ausser,
wenn die eu meint mir auf bestimmten flächen vorzuschreiben was ich anbauen und was ich nicht anbauen darf dann sorry wenn ich jetzt ihre idylle zerstöre, aber dann will ich geld dafür

Also wenn die vorschreiben würden, was angebaut wird, dann würd ich auch Geld verlangen. keine Idylle zerstört :)

und nicht alles umschneiden, nur ausdünnen ist doch super. dann werden die Bäume kräftiger und schützen besser - wieso ist das denn wieder nicht im Sinn der EU??

Scheint ja ein ziemlicher Berg an Bürokratie zu sein ....

es kommt immer drauf an was für einen wald sie haben und wer der waldaufseher ist, deshalb kann man nicht sagen dass pauschal alles schlecht ist, bei "mir" ist es halt so dass ich in dem als schutzwald ausgewiesenen stück so gut wie gar nichts machen darf

Natürliche Sukzession

Große Teile Österreichs sind Kulturlandschaft, da kann der natürliche Anflug (wo soll das kilometerweit herfliegen) nur in gaaaanz kleinräumigen Biotopen eine Rolle spielen.
Abgesehen davon gibt's Erosionsprobleme nur dort, wo Wirtschaftsgüter davon betroffen sind.
Imho wird nicht vorgeschrieben was sie anzubauen haben, sondern wofür sie die meisten Förderungen bekommen, das bauen dann alle anderen auch an und der Markt kennt sich dann nimmermehr aus ;-)
Ein Klassiker Maximierung vs. Optimierung.

Sollten mit Schutzwälder

Die Fichtenmonokulturen gemeint sein, holzen sie diese bitte um, bevor sie beim nächsten stärkeren Windhauch zu Pellets werden.
"da steht eine Menge Geld von der ich nichts habe...."
Aha, es geht um Geld, dann sollen die Bauern so wirtschaften wie es viele andere Selbstständige auch tun müssen.
Förderungen die aufgrund der Betriebsgröße, dem Viehbestand,etc., dh. wer mehr hat, bekommt mehr, ausgezahlt werden, können doch nicht Basis für den Lebensunterhalt bzw. die Bereitstellung von Lebensmittel sein.
Damit degradiert sich der Bauerstand zum, von der Politik und dem Förderungstopf abhängigen Produktionsbetrieb, nix mit Sozialromantik vom unabhängigen Leben ala "bei meiner Ehr", sondern Produktion auf Zuruf.

na natürlich gehts ums geld, um was soll es sonst bitte gehen?
auch wenn es hart klingt aber im endeffekt geht es doch immer ums geld
und lesens erster bevor die suderei beginnt, ich schrieb ich brauche keine förderung!
im gegensatz dazu will ich auf meinen grund und boden aber machen dürfen was ich will

"...will ich auf meinen grund und boden aber machen dürfen was ich will..."

Ich auch. Darf keiner mehr. Viel zuviele Gesetze. Manche gut, manche schlecht.

Bravo!

Da sind sie aber einer der wenigen, brauch ich ihnen aber nicht erklären, sie kennen ihre Pappenheimer sicher besser........
BTW Agrarförderungen sind im EU-Budget der größte Posten, irgendwer muß die Kohle ja bekommen, wenn nicht sie.

als doch irgendwie nutzer des derzeitigen systems sage ich rauf mit den preisen und weg mit den förderungen, man könnte sich dann die eu wirklich schön herrichten

1. die einen sagen, der Konsument hätte ein recht auf regionale oder zumindest nationale oder europäische produkte. Die wären aber zu teuer, wären sie nicht subventioniert.
2. die anderen sagen, Bauern sind Landschaftspfleger, können dies aber unter dem Druck des Marktes nicht gewährleisten.
3. die Idee, sich einer potentiellen Autarkie zumindest annähern zu können, wird bei manchen wohl auch noch vorhanden sein
4. durch Förderung der europäischen landwirtschaft kann man nicht nur leistbare Lebensmittel aus Europa für Europäer herstellen, sondern gleich auch am Weltmarkt konkurrenzfähige Lebensmittel "anbieten" (was besonders afrikanische bauern freut...).

Hab sicher was vergessen...

Was mir fehlt in der Berichterstattung:

Um wieviel % weichen die Angaben vom Realen ab?

Ein paar % werden wohl nichts ausmachen, Toleranzen werden wohl vorgesehen sein.

Ausgewertet wird über Luftaufnahmen, dazu arbeite eigens Agenturen für die EU und bspw. in Italien und Griechenland nicht existierende Fantasieplantagen der Olivenbauern aufspüren.

Jetzt ist halt Österreich dran. Peinlich ist das schon ...

Wobei ja hierzulande der Bauer nicht schuld sein kann. Geht nicht. Klarerweise. Da Bauer ist ehrlich, insbes. in Tirol. Daher hat die Tiroler Bauernregierung entschlossen, dass jetzt der Steuerzahler sein Geld an die Opfer überweist.

Es gibt keine Toleranzen

wenn bei einer Kontrolle auf einer geförderten Fläche eine Palette steht wird die schon abgezogen....

AMA zerschlagen (ggf. Mafiaparagraphen anwenden), alle Förderungen abdrehen, wenn die Almen bewirtschaftet werden sollen müssen u.U. die Tourismusvereine etwas zuschießen für die schöne Kuhlandschaft.

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