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Wien - Alter und Abschied: Diese Begriffe verbindet nicht nur der Gleichklang der Alliteration, sondern auch die Schnittmenge des Schmerzes. Denn war da nicht Wehmut, als Georges Prêtre - nach einem letzten, eruptiv-vitalen Winken - von der Bühne abging?
Ein rückwärtiges Geländer verbat sich der Franzose bei seinem Auftritt mit den Wiener Symphonikern, und ein Pult für die Partituren musste auch nicht sein. Seine Gesten setzte der 88-Jährige ökonomisch: Mal zeichnete er mit links eine Kantilene vor, mal ruckelte er energisch mit den Armen. Mitunter tat er aber auch einfach gar nichts und schaute und hörte dem Orchester lächelnd zu. Souveränität des Alters. Sollen die Stimmführer mal was hackeln. Nach einer bekömmlich und unterhaltsam vorgetragenen 4. Symphonie Beethovens kredenzte Prêtre Dreivierteltaktiges. Bei den Philharmonikern ist der Kommandeur der französischen Ehrenlegion ja erst nach einer gewissenhaften Überlegungsphase zum Walzerkönig ausgerufen worden - er durfte 2008 und 2010 das Neujahrskonzert dirigieren.
Mit den Symphonikern entzückte er das Publikum mit der walzerseligen Rosenkavalier-Suite von Richard Strauss - wenn die Unternehmung auch anfangs noch etwas schlingerte und solistische Paarläufe etwas asynchron absolviert wurden. Effektvoll dann La Valse, Ravels ballrauschender Abgesang auf die Zeit des Fin de Siècle. Schluss ist für Prêtre noch lange nicht: 2013 dirigiert er die Philharmoniker, im Jahr seines 90. Geburtstags die Symphoniker. (Stefan Ender, DER STANDARD, 16.11.2012)
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