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Nur dem Supertasker gelingt es beim Telefonieren konzentriert mit dem Auto zu fahren.
Zeit ist bekanntlich Geld. Daher müssen Mails zeitnah beantwortet und Telefonate sofort geführt werden. Äußert der Chef dazwischen noch Wünsche, dann müssen diese erfüllt werden - selbstverständlich so schnell wie nur möglich. Und auch der Stapel Unterlagen auf dem Schreibtisch muss abgearbeitet werden. Am besten wird alles gleichzeitig erledigt.
"Multitasking" ist ein Modebegriff, der in Folge der rasanten Technologieentwicklung entstanden ist. Ursprünglich stammt er aus der Informatik und beschreibt ein Betriebssystem, das mehrere Aufgaben nebeneinander ausführt. Doch auf den Menschen lässt sich das nicht so einfach übertragen. Das menschliche Gehirn ist kein Betriebssystem. Viele Wissenschaftler sind sich mittlerweile darin einig, dass Multitasking ein Mythos ist.
Die amerikanische Informatikerin Gloria Mark hat etwa demonstriert, dass gleichzeitiges Abarbeiten mehrerer Aufgaben keine Zeitersparnis bringt. Im Gegenteil: kalifornische Büroangestellte verloren durch ständige Unterbrechungen Arbeitszeit. Sie wurden im Schnitt alle elf Minuten unterbrochen und benötigen jedes Mal 25 Minuten, um zu ihrer ursprünglichen Aufgabe zurückzukehren.
Multitasking kostet also Zeit - und lenkt ab. Das konnte auch der Kommunikationswissenschaftler Clifford Nass von der Stanford University nachweisen. Er unterteilte Probanden in "heavy multitasker", die besonders viele Medien gleichzeitig nutzen, und Untersuchungsteilnehmer, die dies wesentlich seltener tun. Ausgerechnet die "heavy multitasker" hatten Probleme, sich zu konzentrieren. Störende Signale lenkten die Multitasker von der Fragestellung ab. Sie benötigten daher mehr Zeit für die jeweilige Tätigkeit als jene, die selten mehrere Medien gleichzeitig nutzen. Wurden sie hingegen weder gestört noch abgelenkt, lösten beide Gruppen die Aufgaben gleich gut.
Ob nun die Henne oder das Ei zuerst da war, lässt sich durch diese Studie aber nicht klären. Offen bleibt daher, ob das Multitasking verantwortlich für die Konzentrationsschwächen der Probanden war - oder dass umgekehrt jene, die sich schwieriger konzentrieren können, von Grund auf eher dazu neigen, Multitasking zu betreiben.
Fest steht: Mehrere Aufgaben parallel und trotzdem genauso gut zu erledigen, das können nur wenige Menschen. Amerikanische Psychologen erfanden den Begriff des "Supertasker", als sie unter 200 jungen Probanden fünf fanden, die gleichzeitig mit dem Handy telefonierten und ein simuliertes Autofahrtraining mit Brems- und Ausweichmanövern absolvierten - ohne dabei einen Fehler zu machen. Das jedoch sind Ausnahmen.
Die meisten Menschen können nicht mehrere Sachen parallel machen. "Multitasking funktioniert zwar, aber nicht ohne dass wir länger brauchen und Fehler machen", sagt die Psychologin Melanie Tschernegg. Am effizientesten sei es, eine Aufgabe abzuschließen, bevor die nächste in Angriff genommen wird.
Der französische Neurowissenschaftler Etienne Koechlin veröffentlichte in "Science" eine Studie, deren zufolge es gehirnphysiologisch gar nicht möglich sei, mehr als zwei anspruchsvolle Aufgaben paralell zu bewältigen. Während 16 Frauen und 16 Männer zwischen 19 und 32 Jahren komplizierte Aufgaben mit Buchstaben lösten, wurden ihre Gehirnaktivitäten mit einer Magnetresonanztomographie beobachtet.
Eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung der Reize spielt dabei der präfrontale Kortex an der Vorderseite des Gehirns, der die sensorischen Signale empfängt. Löst das Gehirn nur eine Aufgabe, so sind beide Gehirnhälften in diesem Bereich gleichzeitig aktiv. Muss ein Proband allerdings parallel zwei Aufgaben lösen, betreiben laut Koechlin die beiden Gehirnhälften Arbeitsteilung: die linke Gehirnhälfte kümmert sich um die eine, die rechte um die andere Aufgabe. Physiologisch sind wir daher darauf angewiesen, nicht mehr als zwei Dinge gleichzeitig zu tun, schreibt Koechlin.
Davon ausgeschlossen sind Dinge, die keine Entscheidung abverlangen, etwa Kaugummi kauen oder spazieren gehen. "Sobald wir aber mehr als eine Entscheidung in einem Zeitpunkt treffen müssen, was eine stärkere Verarbeitung verlangt, funktioniert die Verarbeitung in unserem Gehirn nicht mehr so effizient", sagt Tschernegg. In einer Studie hat sie die Gehirnaktivität von 19 Frauen und 19 Männern beim Dual-Tasking beobachtet, also beim Erledigen zweier Aufgaben gleichzeitig.
Wie bei Koechlin spielten dabei Buchstabenrätsel eine große Rolle. Tschernegg verglich dabei auch die unterschiedlichen Gehirnaktivitäten von Männern und Frauen mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie. Es zeigten sich keine Unterschiede in der Multitaskingfähigkeit zwischen den Geschlechtern. "Männer und Frauen aktivieren zwar unterschiedliche Areale im Gehirn, das hat aber auf das Lösen der Aufgabe keinen Einfluss", sagt Tschernegg abschließend. (Sophie Niedenzu, derStandard.at, 16.11.2012)
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Die Frage, obs dann auch gut wird, ist halt eine andere. Leidenschaft und Hingabe jedenfalls sind kaum "multitaskingfähig". Und obs nicht letztlich wirtschaftlicher ist, alles hintereinander und dafür "gscheit" zu machen als alles gleichzeitig so, dass mans nachher eh weghauen kann, wäre auch zu bedenken.
Diejenigen, die auf der 2.Spur entgegen dem restlichen Verkehrsfluss deutlich anders/langsamer fahren, sind Telefonierer!
Egal, ob Mann oder Frau, das telefonieren lenkt scheinbar so stark ab, dass die Umgebung nur mehr eingeschränkt wahrgenommen wird.
Diese Beobachtung wurde von einem "Nichtwissenschaftler" ohne den Einsatz jeglicher Magnetresonanz gemacht.
Erstaunlich?
Man hätte im Lexikon auch weiterlesen können, um es als Mythos zu identifizieren, denn da steht weiters: Dabei werden die verschiedenen Prozesse in so kurzen Abständen immer abwechselnd aktiviert, dass der Eindruck der Gleichzeitigkeit entsteht.
Da haben wir es: Es entsteht der Eindruck von Gleichzeitigkeit.
Es ist eine Illusion wie im Film: Viele einzelne Bilder hektisch aneinandergereiht, ergeben einen laufenden Film. Im Kino ist das in Ordnung, im wirklichen Leben weniger.
Multitasker erklären Aktionismus zur Produktivität. Dabei kommen sie natürlich bei all jenen gut durch, die sich ebenso durchwursteln immer wie auf der Flucht, von einer Aufgabe in die nächste: Mach nichts ganz. Rase an den Oberflächen dahin.
kann der Arbeitnehmer beim Gehen auch gleich noch den Boden kehren...
Wie schaut's im Gegenzug eigentlich mit einer angemessenen Bezahlung aus, wenn schon so hohe Ansprüche gestellt werden? Oder muss dieser "optimale" Arbeitnehmer auch noch besonders bescheiden sein?
sowie das handy sind die drei unnötigsten erfindungen des modernen arbeitslebens aus meiner erfahrung. zuerst wird in zeitintensiven und ermüdenden (weil sinnlosen) meetings bullshitbingo gespielt, um danach denselben blödsinn via email noch mal durchzukauen. und dazu kommen noch ca. 50% aller anrufe am handy die völlig sinnbefreit sind
Immer wieder "schön" mitanzusehen was passiert, wenn Begriffe von Leuten, die davon nicht die geringste Ahnung haben, aus einem Fachgebiet herausgerissen werden, und dann völlig isoliert, ohne ihren Kontext (haha!), dastehen und verwendet werden.
Dass der Wechsel von einem Prozess zu einem anderen, auch Context Switch genannt, alles andere als gratis ist, sondern mit vergleichsweise hohen (zeitlichen) Kosten behaftet ist, lernt man spätestens im 1. Semester. Dieser Kostenfaktor fließt natürlich in irgendeiner Form in das Scheduling ein, um nicht zu oft zu switchen. Am ehesten nimmt man das dann in Kauf, wenn vorm Kastl ein ungeduldiger User (~Chef) sitzt, dem die Illusion von Interaktivität und Gleichzeitigkeit zu vermitteln ist. Absurd!
die meinen, sie müssten ihre Angestellten nur bis zum Äußersten unter Druck zu setzen, dann würden sie auch für zwei arbeiten, was zur Folge hat, dass die Angestellten dann so tun, als ob sie für zwei arbeiten, solange der Chef hinschaut, und zum Ausgleich dafür sonst besonders langsam arbeiten, oder gar nicht
stellen wir gleich neben die "Powerfrau"!;)
Schön brav "eintrichtern" lassen, wie wir nicht alle sein sollten! ... und nicht "jammern"!;) (das ist ganz WICHTIG)
... schön brav das Getriebe am Laufen lassen! Wer nicht funktioniert fliegt raus und ist obendrein ein "Verlierer"!;)
Früher konnte ich einmal bei einem Bankett drei Gesprächen gleichzeitig lauschen und auf Keywords aufpassen. Die Gespräche waren in Deutsch, Russisch und Englisch. Heute kann ich das nicht mehr, allerhöchsten vielleicht bei zwei Gesprächsthemen.
Doch in Wirklichkeit ist das nicht Multitasking. Es ist ein Roundrobin-System mit einer Zeitscheibendauer von ungefähr einer Sekunde. Aus der akustischen Erinnerung ergänze ich dann den Teil, den ich nicht aktiv gehört habe.
Aber die Diskussionen über Multitasking öden mich an. Irgendwer hat geschrieben, Multitasking gibt es auch nicht im Computer, es sei denn man hat einen Mehrkernprozessor. Dem stimme ich zu. Auch der Folgerung, das wäre dann als würden mehrere Menschen gleichzeitig arbeiten.
Das Multitasking ist vorgegeben. Wesentlich ist die Entscheidung, preemptiv zu operieren. Sich auf eine Sache so lange zu konzentrieren, bis sie fertig ist.Das funktioniert allerdings in der Praxis deswegen nicht, weil man es gar nicht steuern kann. Wenn ich - beispielsweise - drei Sitzungen im Tag habe, wo über die Arbeit meiner Kollegen gesprochen wird, arbeitet mein Unterbewusstsein an Fragestellungen über die angesprochenen Probleme. Das kann ich solange unterdrücken, solange ich selbst an einem Problem konzentriert arbeite. Sitze ich in der U-Bahn nach Hause und entspanne mich, arbeitet das Unterbewusstsein weiter. Woran? Das kann ich nicht kontrollieren. Die Ergebnisse, wenn mir etwas einfällt, kommen ungeordnet daher. Wie im Traum.
Multitasking für Menschen ist das Modewort der Selbstausbeutung. Es ist positiv besetzt und daher will das jeder können, für den Aufgabenzuteiler ist das auch ideal, denn er kann seine Unfähigkeit der Aufgabenverteilung und Planung dahinter verstecken.
Natürlich können wir Menschen, lebensnotwendige Dinge parallel durchführen. Laufen (fahren) und reden (telefonieren) ist nicht wirklich eine Leistung, den Koordination durch sprechen beim Jagen ist eine elementare Überlebensfrage.
Bilanzschreiben, Stellensuchen schreiben und parallel Berichte lesen ist eher nicht in der Kategorie.
Auch ein Computer macht Multitasking nur mit Mehraufwand, denn je Tast müssen alle Gedanken nach der Taskzeit gesichert und vor Taskstart geholt werden.
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