Medizin-Uni: Klage gegen Aufnahmetest bei VfGH eingegangen

15. November 2012, 15:02

Student fühlt sich durch "gendergerechte" Auswertung diskriminiert

Wien - Beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) ist der Individualantrag eines Studenten eingegangen, der sich durch die "gendergerechte" Auswertung des Aufnahmetests für das Medizinstudium an der Medizinuniversität Wien diskriminiert fühlt. Nach Ansicht des Klägers ist die nach Geschlechtern getrennte Auswertung der Testergebnisse gleichheitswidrig.

Ein Individualantrag kann dann beim VfGH eingereicht werden, wenn eine Einzelperson meint, von einem Gesetz oder einer Verordnung direkt betroffen zu sein. Allerdings sind die formalen Hürden für einen Individualantrag sehr hoch. Ab dem Zeitpunkt, wo die Beschwerde eingeht, dauert ein Verfahren beim VfGH durchschnittlich neun Monate.

Durch die "gendergerechte" Auswertung haben Frauen mehr Studienplätze erhalten als ihnen rein nach der Punktezahl zugestanden wären. Die Regelung wurde eingeführt, weil sich bisher stets mehr Frauen als Männer beworben hatten, der Anteil an zum Studium zugelassenen Frauen aber deutlich darunter lag.

Die Auswertungsmethode war von Beginn an umstritten, nach einer Beschwerde der HochschülerInnenschaft (ÖH) der Medizin-Uni Wien wurden mit finanzieller Unterstützung des Wissenschaftsministeriums 60 zusätzliche Anfänger-Studienplätze geschaffen. (APA, 15.11.2012)

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25 Postings
Wieso spricht der Standard...

...hier permanent von "gendergerecht"?
Die dem Wort innerte Eigenschaft Gerechtigkeit wird von von der breiten Mehrheit massiv in Frage gestellt.
Es ist simpel eine Bewertungsskala aufgestellt worden, welche bereits vor dem eigentlichen Test das Ergebnis festgesetzt hat. Nach diesem Bewertungsschema wäre ein Transgender mit einem Ergebnis von einem einzigen Punkt durchgekommen, wenn sich nur fünf Transgender dem Test unterzogen und mit null Punkten abgeschlossen hätten.
Gerechtigkeit sieht anders aus!
Vielleicht sollte man sich die Frage stellen, warum die schlechteren Ergebnisse nur österreichische weibliche Prülinge bestrifft. Kann es sein, dass der neusprachliche Zweig vielleicht schlechter vorbereitet als der naturwissenschaftliche?

Weiters wird das biologische Geschlecht zur Einstufung herangezogen.

Warum

im Verhältnis so wenige Frauen im Vergleich zur Zahl der Angetreten den Test schaffen, liegt doch einfach nur daran, dass viele Ihre "Matura" billig in einer "Knödelakademie" bekommen haben und sich anschließend wundern, dass sie von dem geforderten Wissen im Test keine Ahnung haben.

Statistische Auswertungen in diese Richtung wären sicher erhellend.

Möchte ich ja mal sehen, dass eine ehemalige Schülerin mit Gym-Matura auch nur einen Jota schlechter oder weniger tough diesen Test ablegen kann, als Ihre männlichen Pendants - glaub ich nämlich nicht.

Nach Ansicht des Klägers ist die nach Geschlechtern getrennte Auswertung der Testergebnisse gleichheitswidrig.

Da hat der Klaeger recht!

kriegt...

...er aber auch "recht"?

Sehr merkwürdig übrigens ...

dass die deutsche "Zeit" bereits am 13.11 einen umfassenden Bericht mit angemessener Häme zu dieser VfGH-Beschwerde gebracht hat (Link unten), während sich die APA erst zwei Tage später zu einem Dreizeiler durchringen konnte.
Anstatt die Geschädigten dazu aufzurufen, doch endlich den A... zu bewegen, wird geradezu davon abgeraten (formale Hürden, Verfahrensdauer).

Meine Prognose für den Ausgang der Geschichte:
Die Uni macht einen Deal mit dem Beschwerdeführer, der kriegt unter der Hand doch noch einen Studienplatz, dafür zieht er die Beschwerde zurück, und legt ein Schweigegelübde ab.
Die Uni ist fein raus, und die übrigen Geschädigten fallen um ihre Schadenersatzansprüche um, weil sie nichts gemacht haben. Dann wächst Gras darüber.

Sehr merkwürdig auch

dass keiner auf die Rolle der Illuminati und der Bilderberger eingeht ....

Schon praktisch so ein kleines Verschörungsgschichterl, enthebt einen von der Pflicht zum Nachdenken!

Dieser Student (Vorsicht, Bezeichnung PC inkompatibel und nicht gendergerecht!)............,

es muß Studierender (für XX-Chromos: Studierende) heißen, wird wohl sein Recht bekommen, alles andere würde mich sehr verwundern. Es heißt hier in Austria "Österreicherinnen und Österreicher", aus rein grammatikalischen Gründen ist Deutschland Gott sei Dank noch! nicht bei "Deutschinnen und Deutschen" angekommen, aber lang kann es nicht mehr dauern! Warum haben wir, wenn es z.B. um Kriminalitat geht noch nie von "MörderInnen" gelesen, müssen ansonsten den Gender-Sprech mit BinnenI aber überall erdulden, mit diesen "Panzersperren der Sprache", die jeden Text entwerten und Franzosen und Engländer zu Recht über uns lachen lassen? Stellen Sie sich ein Rilke-Gedicht in Gender-Sprak vor: das vertreibt gewiß jedem/er nachhaltig die Lust auf Lyrik!

sie halten nichts von PC-Sprech?

Dann verwenden sie es einfach nicht. Es zwingt sie niemand dazu. Wie überall sonst auch im Leben müssen sie halt dann mit den Konsequenzen leben. Genauso, wie wenn sie unflätig schimpfen würden. Ich verstehe dieses ganze Gesudere über PC nicht. Da wird ein Problem stilisiert, dass einfach nicht da ist. Die Diffamierung von PC ist ja nur der Versuch des rechten Randes, ein Feindbild zu kreieren. Manche Leute brauchen einfach immer etwas, worüber sie schimpfen können. Dass über PC geschimpft wird, ist ja nur ein Zeichen, wie gut es uns eigentlich geht.

Ich verwende es ja auch nicht............

mit rechts oder links hat das übrigens gar nichts zu tun. PC Sprech ist zu 60% Euphemisierung der Sprache, Widersprüche und Probleme werden marginalisiert und wenn das dann doch nicht möglich ist mit neuen Worterfindungen oder Umdeutungen bedeutungsmäßig und ästhetisch einfach "zugeschissen".
Ich stimme Ihnen zu, dass es größere Probleme gibt als PC oder Gender-Auswüchse, aber das Ganze ist einfach auch eine ästhetische Frage.
Klartext und klare Ansagen, für die die deutsche Sprache genügend Vokabular bereithält, erleichtern die Situationsanalyse und Lösungsfindung. Herumeiern und sich um eine dezidierte Meinung drücken sind die Grundpfeiler der PC, letzten Endes ist die PC eine bequeme Schule der Verlogenheit.

offensichtlich

meinen sie etwas vollkommen anderes als ich. Dadurch, dass ich StudentInnen statt Studenten sage und Migranten statt "Scheiss-Türken" bin ich noch nie in der Situationsanalyse behindert worden. Sehr wohl allerdings dadurch, alle Migranten "Ausländer" zu nennen. Oder alle Personen mit türkischem Migrationshintergrund als Türken zu bezeichnen. Was sie nicht sind. Was sie meinen ist nicht, das Bemühen, Ausdrücke zu vermeiden, die diskriminieren oder beleidigen, sondern den Druck, Probleme zu kaschieren. Das hat aber mit PC nichts zu tun. Man kann Probleme sehr wohl sehr klar auch unter Berücksichtigung der PC ansprechen.

Dazu diese Zeilen von Gunkl:

"Schließen Sie einen Pakt mit sich selbst, den Sie unmöglich einhalten können. Beobachten Sie, wer im Falle der Nichteinhaltung dann wem verzeiht; der oder die, der oder die den Pakt aufgestellt hat, dem oder der, der oder die ihn nicht eingehalten hat, oder der oder die, der oder die den Pakt nicht erfüllt hat, dem oder der, der oder die so einen Pakt überhaupt aufgestellt hat."

Das PC Problem mit "Student/Studentin".......

ist der Plural. Der wird in der Regel einfach "Studenten" heißen, was beide Genera beinhalten soll, obwohl natürlich "Studentinnen" als Präzisierung möglich wäre.

Das alles entfällt, verwendet man das laue Wortpaar "Studierender/Studierende". Der Plural davon: "Studierende" steht noch nicht mal bei den ärgsten PC-Gender-Emanzen (die, die statt "man denkt" "frau denkt" schreiben) im Verdacht der "political incorrectness"!

Mir geht das Binnen-I auch auf den Nerv, aber wenn es um eine festgelegte Einzelperson geht, schreibt man natürlich "Student" oder "Studentin". Ist ja keine allgemeine Bezeichnung einer Gruppe, sondern eine Person.

Was ich mich immer Frage:

Gender ist doch nicht gleich das biologische Geschlecht sondern das soziale/psychologische.

Wenn es da also um diese "gendergerechte Auswertung" geht, dann müssten doch einfach nur alle Männer die antreten sagen, dass Sie als Frau benotet werden wollen. Oder?

Martin Kaffanke
Martin Kaffanke
30
16.11.2012, 08:12
Gender

das biologische vs. soziale/psychologische Geschlecht, wie Sie es nennen, sind in erster Linie Begriffe, die sich auf die Betrachtungsweise beziehen. Auch sein soziales Geschlecht kann man nicht so ohne weiteres ändern, nur weil man gerade Lust dazu hat.
Ich glaube, das ist ein gesellschaftliches Missverständnis. Und erinnert mich auch ein wenig an "Das Leben des Brian", wo ein Mann auf sein Recht Kinder zur Welt bringen zu dürfen besteht. :)

Nagut

aber wäre dann ein (biologischer) Mann dessen soziales/psychologisches Geschlecht tatsächlich weiblich ist männlich doer weiblich beurteilt worden?

Also ist es eine "genderspezifische" oder "geschlechtsspezifische" Auswertung?

Martin Kaffanke
Martin Kaffanke
00
16.11.2012, 22:28

Da bin ich überfragt, möglicherweise mit psychologischem Gutachten, vielleicht kann man sich dann mit anderem Geschlecht inskribieren? IANAL

Student fühlt sich durch "gendergerechte" Auswertung diskriminiert

Was heißt "Er fühlt sich diskriminiert"?
Warum bedient man sich in Standard-Artikeln zu diesem Thema eigentlich immer solcher Euphemismen?

Die gendergetrennte Auswertung IST schlicht und ergreifend eine ganz klare Diskriminierung.

Asperitias=VfGh?

"Fühlt" passt schon. Wer sind Sie, dass Sie sich im Besitz der absoluten Wahrheit wähnen?
Ungleichbehandlung ist unter bestimmten Voraussetzungen zulässig (lesen Sie am besten das hoffentlich bald vorliegende Urteil). Nämlich dann, wenn mit der Ungleichbehandlung ein "höheres" Ziel verfolgt wird. In diesem Fall allerdings torpediert die "gendergerechte" Auswertung das eigentliche Ziel des Tests, nämlich die objekiv bestgeeigneten Kandidaten für das Studium herauszufiltern. Auch für mein Gefühl liegt hier Ungleichbehandlung vor, aber dass der VfGh es genauso sieht, kann ich mir bestenfalls vom Christkind wünschen.

Also rein formal gesehen ist

es zuerst mal eine Differenzierung nach Geschlecht. Diese kann jetzt diskriminierend sein, oder auch nicht.

Man differenziert bei gewissen Örtlichkeiten auch nach Geschlecht, und dennoch ist es keine Diskriminierung.

Die Diskriminierung muss rein formal durch ein Gericht festgestellt werden.

Praktisch und nach gesunden Menschenverstand (der zählt aber nicht in der Juristerei) ist es eine Diskriminierung

bei toiletten differenziert man, ja, aber man diskriminiert nicht, da beide gleichermaßen die möglichkeit haben, ihr geschäft zu verrichten.

wäre es umgekehrt hätte man schon von einem skandal gesprochen und es wäre in den medien viel präsenter!

Die Zeit berichtet detaillierter:
http://www.zeit.de/studium/h... sverfahren

An alle Betroffenen:
Im Zeit-Artikel steht der Name des Anwalts. Setzt euch mit dem in Verbindung und hängt euch dran!

Warum klagt eigentlich niemand wegen Wettbewerbsverzerrung? Das wäre doch viel ausichtsreicher und brisanter.

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