Himmlische Kreaturen

Isabella Reicher
15. November 2012, 20:35
  • Als Künstler, Performer und Filmemacher eine zentrale Figur des US-Undergrounds: Jack Smith (1932-1989)
    vergrößern 600x816
    foto: filmmuseum, friedl kubelka

    Als Künstler, Performer und Filmemacher eine zentrale Figur des US-Undergrounds: Jack Smith (1932-1989)

  • Smith-Idol  María Montez als Scheherazade in "Arabische Nächte" (1942) ...
    foto: universal

    Smith-Idol María Montez als Scheherazade in "Arabische Nächte" (1942) ...

  • ... und Smith-Star Mario Montez in "Normal Love" (1963).
    vergrößern 600x400
    foto: filmmuseum

    ... und Smith-Star Mario Montez in "Normal Love" (1963).

Das Österreichische Filmmuseum wird Flaming Cinema: Darin widmet man sich Werk und Wirkung des US-Polyartisten Jack Smith

Wien - Ein junger Mann mit dem Allerweltsnamen Jack Smith lässt sich mit knapp zwanzig Jahren, aus Texas kommend, in New York nieder. Die Stadt bietet damals, Anfang der 1950er-Jahre, Spiel- und Freiraum.

Der Mann arbeitet zunächst als Fotograf. Er inszeniert für die Kamera farbenfrohe, nicht immer jugendfreie Szenarien. Inspiration sind B-Movies und Hollywooddiven, Jahrmarktattraktionen und Märchen aus 1001 Nacht. Aus Gossenkindern macht er - noch vor Andy Warhol - "Superstars". Sets und Kostüme bastelt er aus dem, was er findet.

1963 entsteht in diesem Stil und diesem freien Geist ein lichter, schwarzweißer, glamouröser und geheimnisvoller Film namens "Flaming Creatures". Der einzigartige, bald verbotene Film macht Smith berühmt und berüchtigt.

Noch heute verstellt er manchmal die Sicht auf Smith als Polyartisten: "einzig wahrer Untergrund-Filmer" (John Waters), Schlüsselfigur der Performance-Kunst, Proponent queerer Ästhetik und Aneignungskünstler wider jede Kunstmarktlogik.

Smith stirbt 1989 an den Folgen seiner Aids-Erkrankung. Zehn Jahre später richtet das PS1 in New York eine erste große Retrospektive aus. Im deutschsprachigen Raum sind die Reihe "Re-Make, Re-Model" beim Steirischen Herbst 1999 oder zehn Jahre später das Mammutprojekt "Live Film! Jack Smith!" in Berlin wichtige Stationen für die anhaltende Smith-Rezeption.

Das Österreichische Filmmuseum widmet sich nun im Rahmen der Vienna Art Week dieser "Flaming Creature". Neben Smiths eigenen Arbeiten sind bis 29. November auch solche zu sehen, in denen er als unverwechselbarer Darsteller agiert (etwa für Andy Warhol oder Ken Jacobs). Ein Film mit seiner Leinwandgöttin Maria Montez steht ebenso am Programm wie Werke von Wahlverwandten wie Werner Schroeter.

Vier Vorträge - von Marc Siegel, Peter Kubelka, J. Hoberman und Diedrich Diederichsen - gehen unterschiedlichen Aspekten von Smiths Arbeit nach.  (Isabella Reicher, DER STANDARD, 16.11.2012)

Share if you care
2 Postings

Dieser Film wäre in dem Zusammenhang sehenswert:
Roy Cohn/Jack Smith
(1995) 88 minutes
16 mm rentals and purchase, Jill Godmilow, 219-631-7167
From one of the seminal theatrical events of the 90's - Ron Vawter's stunning performance piece ROY COHN/JACK SMITH - Jill Godmilow has crafted a dramatically deft, comic and terrifying film diptych of queer-on-queer. Roy Cohn, the homophobic right-wing lawyer and sleazy back-room politico, thunders against the Sodom and Gomorrah of homosexuality at a banquet for the American Society for the Protection of the Family - while across town and light years away, the notorious underground filmmaker of "Flaming Creatures" fame, Jack Smith, in flamboyant harem drag, constructs his own private resistance ..

Fortsetzung im Text

..private resistance theatre from fragments of Arabian Nights kitsch, avant-garde film feuds and passionate B movie camp. Vawter performs both men exquisitely in this film about the closet, where silence is powerful, but from which, both of these infamous homosexuals from the repressive and punishing 50's, leak out privileged knowledge of Queerness in brilliant performances of their own - Cohn using politics as a form of drag and Smith turning drag into an extraordinary form of politics, pathos and jouissance. Cohn and Smith had nothing in common except their homosexuality and their death from AIDS in the late 1980's. Vawter, who accepts and produces both men in his own voice and body, also died of AIDS, six months after the film was shot.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.