Krankenkassen erwarten heuer Überschuss von 106 Millionen Euro

15. November 2012, 14:15
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Mit der NÖGkk und der SVA zwei Träger im Minus - Hauptverbands-Chef Schelling pocht auf Fortsetzung der Konsolidierung

Wien - Die Krankenkassen erwarten für heuer einen Überschuss von 105,9 Millionen Euro. Dies geht aus dem am Donnerstag vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger veröffentlichten, aktualisierten Voranschlag für 2012 hervor. Nur für zwei Träger, nämlich die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse und die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft, wird ein Defizit prognostiziert. In seiner letzten Prognose vom August hatte der Hauptverband nur mit einem Plus von insgesamt 73 Millionen Euro gerechnet.

Für 2013 wird mit einem Plus von 109 Millionen Euro gerechnet. Der Schuldenstand - vor einigen Jahren noch über einer Milliarde - liegt nun bei rund 200 Millionen Euro. Der Großteil davon geht auf die Wiener Gebietskrankenkasse zurück.

Wiener kein Sorgenkind mehr

Die neun Gebietskrankenkassen zusammen erwarten einen Überschuss von 74,9 Millionen Euro. Als einzige GKK rechnet die Niederösterreichische mit einem Minus von 15,8 Millionen Euro. Jene im Burgenland, in Tirol und in Vorarlberg erwarten ein ausgeglichenes Ergebnis. Den größten Überschuss soll die GKK der Steiermark mit 43,7 Millionen Euro erwirtschaften. Die Wiener, die jahrelang als größtes Sorgenkind gegolten haben, erwarten ein Plus von 23,2 Millionen Euro. Ebenfalls mit einem Überschuss rechnen die Kärntner (plus 12,2 Millionen), die Salzburger (plus 7,2 Millionen) und die Oberöstereicher (plus 4,4 Millionen).

Unter den anderen Trägern ist die SVA der gewerblichen Wirtschaft mit 9,8 Millionen Euro als einzige im Minus. Die SVA macht dafür einen "Zwangsbeitrag" zur Budgetkonsolidierung, die doppelte Hebesatzsenkung und ihren Finanzierungsanteil am Wiener Hanusch-Spital verantwortlich. Ohne diese "Eingriffe von außen" könnte die SVA nach eigenen Angaben für heuer einen Gewinn von 22,5 Millionen Euro erwirtschaften.

Im erwarteten Gesamtergebnis von 106 Millionen Euro sind die 40 Millionen Euro aus dem Strukuturfonds sowie die Auswirkungen der vereinbarten Finanzziele bereits berücksichtigt. Ebenso berücksichtigt sind die Maßnahmen des Konsolidierungspakets (Beitragssatzsenkung bei der BVA sowie Hebesatzsenkung bei der SVA und der Versicherungsanstalt für Eisenbahn und Bergbau).

Schelling pocht auf Fortsetzung des Konsolidierungskurses

 

Trotz des erwarteten Überschusse der Krankenkassen von 106 Millionen Euro im heurigen Jahr pocht der Vorstandsvorsitzende im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Hans Jörg Schelling, auf eine Fortsetzung des Konsolidierungskurses. Das sei aufgrund der von der Regierung beschlossenen Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung und des in den kommenden vier Jahren bis 2016 von der Krankenversicherung erwarteten Konsolidierungsbeitrags in der Höhe von knapp 1,4 Milliarden Euro notwendig, sagte Schelling am Donnerstag in einer Aussendung.

Einen kleinen Seitenhieb in Richtung Ärztekammer konnte sich Schelling angesichts der heuer um 4,4 Prozent steigenden Ausgaben für ärztliche Leistungen - im Wesentlichen sind das die Honorare für die niedergelassenen Vertragsärzte - nicht verkneifen: "Diese Zahlen der Krankenkassen machen doch deutlich, dass von Einsparungen oder gar Schließungen von Arztordinationen keine Rede sein kann." Dies behauptet die Ärztekammer in ihrer derzeit laufenden Plakataktion. Schelling verwies darauf, dass der Kostenanstieg für ärztliche Hilfe heuer sogar geringfügig höher sein werde als der Anstieg der zu erwartenden Beitragseinnahmen.

Sorgen bereitet den Finanzverantwortlichen in den Krankenkassen auch der wieder stärkere Anstieg der Medikamentenkosten. Nachdem das Wachstum bei den Ausgaben für Arzneimittel in den vergangenen beiden Jahren eingebremst werden konnte (2,2 Prozent von 2010 auf 2011), wird für heuer wieder mit einem Anstieg von 4,3 Prozent gerechnet. Für Schelling zeigt diese Entwicklung deutlich, wie wichtig nach dem Beschluss des ELGA-Gesetzes nun die Einführung der e-Medikation in ganz Österreich und der damit zu erwartende Effekt auf die Verschreibung von Doppelverordnungen sei. (APA, 15.11.2012)

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