Kralinger: Leistungsschutzrecht hat für VÖZ höchste Priorität

15. November 2012, 13:51
  • Neuer VÖZ-Präsident: Thomas Kralinger.
    foto: apa-foto: georg hochmuth

    Neuer VÖZ-Präsident: Thomas Kralinger.

Leseförderung muss her - Online-Werbeabgabe muss zweckgewidmet werden - Haushaltsabgabe auch für Privatanbieter

Wien - Die Umsetzung eines Leistungsschutzrechtes hat für den neuen Präsidenten des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ), Thomas Kralinger, "Priorität Nummer Eins". "Erst der Rechtsschutz für Content und die Durchsetzbarkeit von Leistungsschutzrechten machen Erlösmodelle für den Qualitätsjournalismus im Web möglich", sagte Kralinger . Grundsätzlich wolle sich der VÖZ in den kommenden Jahren bei der Politik weiterhin "für Chancengleichheit, Fairness und korrektere Marktverhältnisse am heimischen Onlinemarkt einsetzen".

Vor allem ausländische Internetplattformen, die sich an den Inhalten der Zeitungen bedienen, sind den Verlegern ein Dorn im Auge: "Bereits mehr als die Hälfte der heimischen Online-Werbeerlöse verbuchen Marktteilnehmer, die kaum Arbeitsplätze und Steuerleistung in Österreich schaffen, aber ihr Geschäftsmodell auf der Leistung österreichischer Verlage aufbauen." Die Möglichkeiten für Nutzung und Verbreitung der teuer produzierten Zeitungsinhalte in der digitalen Welt, würden ein konkretes Handeln seitens der Politik unverzichtbar machen, so Kralinger.

Reform der Presseförderung, usdehnung der Werbeabgabe auf Onlinemedien

Ein entscheidendes Anliegen für den VÖZ ist die Reform der Presseförderung, bei der eine wesentliche Säule die Leseförderung sein müsse. "Denn eine Wissensgesellschaft, deren Kinder die Kulturtechnik Lesen nur mehr mangelhaft ausüben können, ist zum wirtschaftlichen und kulturellen Abstieg verdammt."

In Anbetracht der Einsicht, dass eine Abschaffung der Werbeabgabe momentan nicht möglich ist, spricht sich der VÖZ auch für eine Ausdehnung der Werbeabgabe auf Onlinemedien aus. "Unser Vorschlag würde so lauten, dass eine Online-Werbeabgabe wieder in den Markt zurückfließt", so Kralinger. Die Einnahmen sollten für Qualitätsjournalismus im Web zweckgewidmet sein. "Wenn es damit eine weitere Finanzierungsquelle für hoch qualitativen Content im Web gibt, wird in weiterer Folge auch das Werbeumfeld für potenzielle Kunden attraktiver", glaubt der VÖZ-Präsident. Eine Reduktion des Online-Werbevolumens fürchtet er daher durch die Einführung der Online-Werbeabgabe nicht.

Fokussierung auf Paid-Content

Grundsätzlich ist Kralinger überzeugt, dass die Finanzierung der Printmedien großteils aus den Vertriebserlösen erfolgen muss "und dazu gehört natürlich eine Fokussierung auf Paid-Content". Die Etablierung einer Bezahlschranke am österreichischen Onlinemarkt sei für viele Verlagshäuser eine interessante Option, aber aufgrund der dominanten Stellung von ORF.at ein schwierigeres Unterfangen. Die Verlagshäuser seien gefordert, trotz gebührenfinanzierter ORF-Konkurrenz, alleinstehende Inhalte zu erstellen, für die der Nutzer zu zahlen bereit ist. Daher brauche es "in absehbarer Zeit auch zukunftsfähige Rahmenbedingungen durch den Gesetzgeber".

Dumping-Preise

Auch konnte die Sorge der Verleger, dass der ORF durch Dumpingpreise den Onlinewerbemarkt zerstört, bisher nicht ausgeräumt werden. "Ich hoffe, dass die KommAustria hier entsprechende Vorsorge treffen wird. Fest steht, wer am heimischen Online-Werbemarkt Werbeeinschaltungen zu Dumping-Preisen anbietet, fügt der Entwicklung dieses aufstrebenden Marktes Schaden zu, der alle Markteilnehmer betrifft. Und in diesem Zusammenhang kommt dem ORF eine besondere Verantwortung zu." Daran, dass der VÖZ der Vermarktung der ORF-TVthek "unter konkreten Bedingungen" zustimmt, ändert das nichts.

Haushaltsabgabe auch für Privatanbieter

Auch die Einführung einer Haushaltsabgabe unterstützt der Verlegerverband, hält allerdings den Vorschlag von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, dass jener Teil der Rundfunkgebühren, der bisher an Bund und Länder geflossen ist, künftig in die Presseförderung und die Förderung von Privatsender fließen soll, für schwer realisierbar: "Wenn Herr Dr. Wrabetz jenes Geld, das bisher die Bundesländer als Kulturabgabe mit der GIS-Gebühr eingenommen haben, in den Fördertopf der Presseförderung umleiten will, wünsche ich ihm viel Erfolg bei den Verhandlungen mit den Ländern. Da stelle ich mir die Umsetzung nicht einfach vor." Aus Sicht des VÖZ sollte eine Haushaltsgabe eingeführt werden, die auch privaten Anbietern von Public Value zu Gute kommt. "Damit schaffen wir einen Qualitätswettbewerb um Gebührenmittel, denn öffentlich-rechtlicher Content wird ja nicht alleine vom ORF erstellt." (APA, 15.11.2012)

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10 Postings
Subventionsritter, sonst gar nichts!

Klar, es ist ihnen egal wer zahlt. Die Kunden wollen nicht mehr, soll halt Google zahlen oder derSteuerzahler über irgendeine grundlose Abgabe, oder am besten beide. Und den Kuchen teilen wir dann ganz gerecht nach ... Printauflage???

Ja Himmeldonnerwetter, soll ich jetzt die Krone finanzieren? Geht's noch? Aber wirklich nicht. Sorry, ich muss auch arbeiten für mein Geld :)

Wie definiert Kralinger Qualitätsjournalismus?

A la Kurier? Wohl eher nicht. Und will ich diesen überhaupt. Ist mir vielleicht dumper Boulevard lieber - weil unterhaltsamer, weniger anstrengend, weniger zeitraubend usw.
Die Frage ist doch, was will der Einzelne lesen.
Da soll Kralinger einmal die Öffis benützen und sehen, was die potentiellen Kunden in der Hand halten.

das ist interessant. gelten dann auch die gesetzlichen beschränkungen für die privaten, wenn sie gebühren-/steuergelder erhalten?

wenn eine gleiche ausgangssituation geschaffen werden soll und die privaten für öffentlich-rechtlichen content förderungen erhalten, gelten dann doch auch gleiche pflichten. zum beispiel keine politische werbung mehr bei den verlagen, keine unterbrecherwerbung bei den sendern...

alles andere wäre marktverzerrend eine bevorzugung der privaten verlage, sender, was auch immer und eine vera*schung des steuerzahlers.

alle Onlineplattformen zahlen Werbeabgabe und der Herr Krallinger dann damit seine (noch nicht gekündigten Journalisten) ... klingt irgendwie nach einer sehr sehr verschobenen Realität ...

Ich bin auch fuer Leistungsschutz und Quelitaetsjournalismus

Leistungsschutz ja, aber auch für die Redakteure also extra-Honorare, wenn die Texte auch online verwendet werden. Die Verlage wollen sich neue Einnahmequellen eröffnen, aber die Urheber sicher nicht an den Früchten der Mehrarbeit teilhaben lassen. Und Qualitätsjournalismus ist mittlerweile eine Legende - wo bitte gibt es in Österreich noch Qualität? Die Medien werden gerade im journalistischen Bereich ausgedünnt (Kurier, Presse, News, etc) wie soll hier mehr Qualität raus kommen?

Momentan is scheinbar echt eine "Gehts sch***en"-Phase

Und der VÖZ ist schon zum zweiten Mal der Verursacher (aber kluger Schachzug, jetzt mags grad eh keiner, da macht noch mehr Schmarrn auch nix mehr aus...)

Liebe Zeitungen: Es steht euch völlig frei, Google und Co von euren Seiten auszuschließen. Und wenn euch das nicht reicht, dann gebts "euren" Content (lustig, wo der Großteil eh von der APA ist und einfach mehrfachverwertet wird) halt hinter eine Paywall oder drehts einfach eure Seiten komplett ab.

Aber nein, das will man natürlich auch nicht, denn immerhin bringt Google mehr als es (angeblich) kostet. Es geht einfach nur darum, ohne zusätzliche Leistung zusätzliches Geld zu lukrieren.

Langweilig.

Die gleichen Argumente wie in Deutschland.

Und wer sind denn die bösen Marktteilnehmer, die "ihr Geschäftsmodell auf der Leistung österreichischer Verlage aufbauen"? Das große G mit dem werbefreien "News"?

Sehr kreativ auch die Presseförderung als Kinderleseförderung. Reschpeckt. Kinder ziehen immer.

Bzgl. der Haushaltsabgabe auch für Private bin ich jedoch bei ihm. Das ist eine gute Idee und sicher einen Versuch wert. Nur die Beurteilung des "Public Value" wird sicher eine lustige Geschichte.

Es wird

dazu genau wie in Deutschland vergessen zu erwähnen dass man sich vor Google bereits heute mit einem Dateieintrag am Server schützen kann, daraufhin ignoriert Google die Seite. Das wollen die Verlage natürlich auch nicht stattdessen soll eine Lex Google geschaffen werden damit man an die Werbeeinnahmen von Google rankommt ohne selber Reichweiten zu verlieren.
Schmierentheater das ganze hier wie in Deutschland.

Alle ausnahmslos aus dem Google-Register streichen. Twitter, G+, Facebookverbot für alle diese Publikationen

dann werden sie schon lernen das Google & Co ihnen Geld bringen, nicht nimmt.

Ansonsten viel Glück dabei APA-Pressmitteilungen im Internet verkaufen zu können.

damit haben Sie Recht

Was man vergessen hat ist, dass die Basis für jedes Geschäftsmodell in der Medienbranche Reichweite ist. Mit APA/Reuters Copy & Paste Journalismus wird man kein Alleinstellungsmerkmal erreichen und darf sich nicht wundern, wenn der Konsument auch nicht mehr bereit ist für so etwas zu bezahlen.

Vielleicht ist das Geschäftsmodell "Tageszeitung" ernsthaft und grundlegend zu überdenken?

Wenn Gratis Zeitungen wie Heute (ungeachtet dessen, was man von ihnen halten möge) Reichweiten- und ökonomischen Erfolg haben, dann kann man ja vielleicht auch einmal über einen völlig neuen Weg nachdenken.

Das wäre aber dann Innovation und die ist grundgefährlich, bringt sie doch Veränderung mit sich und verlangt sie neue Fähigkeiten.

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