Knochenfunde illustrieren den Niedergang der Maya

Gebeine von Kindern aus dem 16. Jahrhundert zeigen alle Anzeichen von Mangelernährung

Cancun - Neu entdeckte Knochenfunde an der mexikanischen Ostküste zeigen das Elend der Maya zur Zeit der beginnenden Invasion spanischer Eroberer in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die Forscher gruben in der Fundstätte San Miguelito im heutigen Badeort Cancun insgesamt 47 menschliche Knochen aus, wie die Archäologen mitteilten.

30 der Knochen stammten von Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren. Sie alle waren zum Zeitpunkt ihres Todes unterernährt und litten an Blutarmut und weiteren Folgeerscheinungen von Mangelernährung. Auch die bescheidenen Grabbeigaben werten die Forscher des staatlichen Instituts für Anthropologie und Geschichte (INAH) als typische Zeichen von Verarmung und gesellschaftlichem Niedergang.

Der Fund werfe ein Schlaglicht auf das Ende der Maya, erklärten die Forscher. Die Maya-Kultur hatte ihre Blütezeit zwischen den Jahren 250 und 900. Danach folgten drei Jahrhunderte des Niedergangs, verursacht nach heutiger Meinung durch ökologische Faktoren. Die spanische Conquista verschärfte dies zusätzlich: Der Jahrzehnte andauernde Eroberungszug und eingeschleppte Seuchen dezimierten die Maya-Bevölkerung. Auch Stadtstaaten, die noch nicht direkt in den Krieg hineingezogen worden waren, litten darunter, dass alte Handelsrouten gekappt wurden. Im 13. und 14. Jahrhundert war San Miguelito laut den Archäologen noch ein blühendes Handelszentrum gewesen. (APA/red, derStandard.at, 15. 11. 2012)

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