Sechs Dinge, die wir 2012 gelernt haben

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foto: ap

Gefunden: Der Stamm

Marcel Kollers Mischung aus einem 4-2-3-1 und einem 4-4-1-1 wird konsequent gespielt. Es wird meist taktisch sinnvoll an den jeweiligen Gegner angepasst, weist keine gravierenden Schwachstellen auf, wird von den Akteuren modern interpretiert und ist entwicklungsfähig. Vor allem die Defensive funktioniert schon gut (dazu gleich noch mehr) und man erwischt Gegner in ihrer Vorwärtsbewegung regelmäßig am falschen Fuß. Hat man das Spiel selbst in der Hand fehlt noch ein ähnlicher Schliff. Diese Arbeit dauert naturgemäß länger. Im Februar könnte man gegen Wales den Fokus darauf legen, ehe man es gegen die Färöer und Irland bereits brauchen wird.

Schon der grundsätzliche Kader wird immer weniger verändert. Personell liegt die konkrete Besetzung des Systems ohne Verletzungen abgesehen von wenigen Positionen je nach Gegner ziemlich auf der Hand. Im Zentrum ist David Alaba der Schlüsselspieler, ohne den die Mannschaft offensiv an Qualität verliert. Wenn er fit ist, wird er immer spielen. Neben ihm gibt es mehrere brauchbare Varianten. Am Besten scheint die mit Julian Baumgartlinger zu funktionieren, der sich mit starken Zweikampfwerten auch in der deutschen Liga längst Respekt erarbeitet hat. Aber auch die Aufstellung von Besiktas-Stammspieler Veli Kavlak kann längst niemanden mehr verwundern. Yasin Pehlivan spielt bei Gaziantespor ebenfalls und wäre eine weitere unproblematische Wahl.

Eine Variante, die Koller noch nicht ausprobiert hat, ist die vermutlich spielstärkste und offensivste mit Alaba und Junuzovic im defensiven Mittelfeld. Ganz abwegig wäre das nicht: Junuzovic spielt ja auch in Bremen aus der Tiefe. Einzige Alternative zu ihm als Spielmacher wäre derzeit aber Andreas Ivanschitz, der die Rolle auch bei seinem Verein spielt, sie aber ein wenig anders anlegt. Am Horizont winkt mit Stuttgarts Neo-Startspieler Raphael Holzhauser eine Zukunftshoffnung, aber hier muss Koller nicht überhastig agieren.

Die offensive Dreier-Achse vor dem defensiven Mittelfeld tendierte 2012 immer wieder zur merkbaren Einseitigkeit. Das kann man darauf zurückführen, dass Flügelspiel von den Außenverteidigern her noch nicht voll ausgereift ist. Dort regiert oft vorsichtige Zurückhaltung mit Vorstößen. Zu selten kommen von ihnen Querpässe oder Flanken von der Seitenlinie. Deshalb funktioniert praktisch immer die Seite am Besten, auf der Marko Arnautovic spielt. Er hat im Sommer einen großen Reifeschritt gemacht. Dank seiner technischen Fähigkeiten lässt er sich auch ohne perfektioniertes Flügelspiel mit Steilpässen aus der Mitte und weiten Bällen über die Seiten am besten anspielen.

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