Schafe, Schwert und Sarkophage in der Kartause Mauerbach

15. November 2012, 11:08
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Archäologisches Kompetenzzentrum des Denkmalamts eröffnet

Mauerbach - Vor rund zehn Jahren sollen noch die Schafe im Innenhof der historischen Kartause Mauerbach gegrast haben. Nicht nur einmal, so wird erzählt, bahnte sich gleich eine ganze Horde ihren Weg ins Innere des im Mittelalter gegründeten Klosters westlich von Wien.

Am Mittwoch war von den Tieren nichts zu sehen, dafür tummelten sich jede Menge Menschen im Kreuzgang - zur Eröffnung des Kompetenzzentrums für archäologische Denkmalforschung des Bundesdenkmalamts (BDA). Seit 1984 betreibt das Amt dort Restaurierungswerkstätten. Ein riesiger Speicher, randvoll mit Bananenschachteln, in denen Funde lagern, befindet sich dort auch schon länger. Von nun an sind zusätzlich die Fachbibliothek und Forschungsplätze, die bisher in der Hofburg ihren Platz hatten, in dem Bau am Westrand Wiens zu finden, der der Burghauptmannschaft untersteht. Im Aufbau ist derzeit auch ein digitaler Speicher, der derzeit vier Terabyte Datenvolumen umfasst.

Grabungsfunde

Wenn also Arbeiter zum Beispiel beim Straßenbau künftig auf einen römischen Sarkophag stoßen, dürfte er nach der Freilegung in Mauerbach landen, wo er dann mit wissenschaftlichem Blick betrachtet, fotografiert, katalogisiert, benannt und analysiert wird.

Derartige Sarkophage aus dem 3. und 4. Jahrhundert nach Christus wurden im August 2003 in Hernals geborgen, als Bagger die Ottakringer Straße aufgruben. Jetzt stehen sie im Kreuzgang der Kartause, bereit zur wissenschaftlichen Nachbearbeitung.

Metallüberbleibsel und Tiere

Genau damit, dem Nachbearbeiten, ist zum Beispiel Ute Scholz beschäftigt, die im Rahmen eines gemeinsamen Projekts von Uni Wien und BDA Funde aus dem Raum Tulln analysiert. Ihr Augenmerk gilt dabei dem Thema Marktplatz. Am Mittwoch hatte sie auf ihrem Schreibtisch Hufeisen und andere Metallüberbleibsel aus dem 13. bis 16. Jahrhundert ausgebreitet.

Zwei Räume weiter widmet sich eine Kollegin Waffen aus der Erde Freundorfs im Bezirk Tulln: Es sind Grabbeigaben einer Person, die mit der Lanze in der Hand, einem Schwert sowie Resten eines Schilds bestattet wurde. Auch ein Hund und ein Pferd fanden dort ihre letzte Ruhe. Wo die Schafe aus dem Innenhof hingekommen sind, weiß die Forscherin nicht. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 15.11.2012)

Das Zentrum kann besucht werden, wenn die Kartause 2013 wieder geöffnet hat. Führungen unter Voranmeldung möglich.

  • Im Kreuzgang der Kartause Mauerbach stehen nun römische Sarkophage. Dort
 werden die Funde aus Hernals wissenschaftlich analysiert. 
    foto: christian fischer

    Im Kreuzgang der Kartause Mauerbach stehen nun römische Sarkophage. Dort werden die Funde aus Hernals wissenschaftlich analysiert. 

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