Sicherheit und nicht Wirtschaftspolitik

Blog | Andreas Hackl, 15. November 2012, 11:14
  • Shelly Yachimovich, Spitzenkandidatin der israelischen Arbeiterpartei.
    foto: ap/schalit

    Shelly Yachimovich, Spitzenkandidatin der israelischen Arbeiterpartei.

Drohender Gaza-Krieg sperrt Wirtschaftsagenda der oppositionellen Arbeiterpartei in die Schublade

Was den Angriff auf Gaza betrifft, würde auch seine Partei nicht viel anders machen als die jetzige Regierung, sagt Eran Hermoni von der israelischen Arbeiterpartei. "Wir unterstützen unsere Brüder im Süden natürlich, die unter den Angriffen leiden", sagt der ehemalige Vorsitzende der jungen Arbeiterpartei. Dennoch ist die Eskalation im Gazastreifen aus seiner Sicht ein Produkt der Fehler der amtierenden rechtsreligiösen Koalition unter Ministerpräsident Benjamin Netanyahu.

"Die Arbeiterpartei hätte einen Friedensprozess mit Palästinenserpräsident Abbas angestrebt, und nicht wie Netanyahu alles eingefroren. Und dieser Prozess hätte geholfen, den Terror, den wir heute sehen, einzudämmen", meint er. Doch mit der Hamas würde auch er nicht verhandeln, weil diese Israel nicht anerkenne.

Die israelische Sicherheitspolitik und die Position gegenüber den Palästinensern sind nur ein Teil von vielen, in denen die Arbeiterpartei Netanyahus Likud widerspricht. Daneben will sie im Vorfeld der israelischen Wahlen am 22. Jänner vor allem mit Wirtschaftsthemen punkten und an die Sozialproteste vom letzten Jahr anschließen, die eine halbe Million Menschen gegen hohe Lebenskosten auf die Straßen gebracht hatten.

Bewegung in die Partei

"In der israelischen Arbeiterpartei bewegt sich was" - diesen Satz hört man in Israel zurzeit von vielen, aber vor allem von jungen Menschen mit liberaler politischer Einstellung. Sie hoffen, dass die nächsten israelischen Wahlen mehr sein werden als eine Rekonstitution von "König Netanyahu", wie der amtierende Ministerpräsident in den Medien wegen seiner sicheren Stellung an der politischen Spitze genannt wird.

Doch wenn Israelis von Bewegung in der Avoda (Arbeiterpartei) sprechen, meinen sie wohl vorerst nur das, was innerhalb der Partei passiert. Denn bislang ist die Spitzenkandidatin Shelly Yachimovich  laut einer israelischen Umfrage nur für etwa 17 Prozent der potenziellen Wähler für den Posten der Ministerpräsidentin geeignet.

"Die Bewegung in die Partei hat mit den Protesten im letzten Jahr zu tun. Letzten Sommer haben wir auf den Straßen demonstriert. Jetzt muss dieser Protest in eine politische Bewegung transformiert werden. Viele Israelis glauben, dass die Arbeiterpartei dieses Bedürfnis erfüllt", sagt Hermoni. Er selbst ist nur einer von vielen neuen Kandidaten, die bei den Vorwahlen der Partei Ende des Monats um einen Listenplatz kämpfen werden. Auch die Protestführerin aus dem letzten Sommer, Stav Shafir, und der Direktor der linken israelischen Nichtregierungsorganisation "Peace Now", Yariv Oppenheimer, sind im Rennen.

Wirtschaft ist out, Sicherheit wieder in

Das offizielle Wirtschaftsprogramm der Partei soll zwar erst in ungefähr zwei Wochen veröffentlicht werden. Das Prinzip dahinter sei jedoch schon jetzt klar, sagt Hermoni. "In den Protesten im letzten Sommer haben die Menschen einen neuen Vertrag zwischen Gesellschaft und Regierung gefordert. Aber mehr als ein Jahr später sehen viele Israelis immer noch, dass sie auch nach Studium und harter Arbeit zu wenig Geld verdiene, um über die Runden zu kommen", sagt er. Doch es war auch ein Kritikpunkt der Sozialproteste, dass sie politische Themen vermieden haben. So konnten zwar alle Bevölkerungsgruppen hinter sozialen Themen vereint werden. Nur sind diese Themen in Israel letztlich immer nachrangig.

Somit ist die Wirtschaftsagenda der Arbeiterpartei schon wieder in der Schublade, bevor sie überhaupt öffentlich wird. Denn nach mehr als hundert Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen und anhaltendem Raketenbeschuss auf israelische Zivilisten zählt auch in diesem Wahlkampf wohl wieder einmal nur ein Thema: "Sicherheit". Oder wie es Usama Antar, ein Politologe, der im Gazastreifen lebt, heute treffend beschrieben hat: "Das Blut der Palästinenser war schon immer ein gutes Thema im israelischen Wahlkampf. Das war bei den letzten Wahlen so, und ist auch jetzt wieder so." (Andreas Hackl, derStandard.at, 15.11.2012)

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Danke für diesen erhellenden Kommentar

Selten hat jemand den Zusammenhang von innenpolitischem Dilemma und militärischer Eskalation so plausibel dargelegt.

ich bin aber auch gegen israelisches Blut im inner-palästinensischen machtkampf

wow... rot zu bekommen für die aussage, dass ich keine toten auf beiden seiten sehen möchte verstört mich ehrlichgesagt. anscheinend ist es für viele hier nicht möglich, israelische falken und palästinensische fundis gleichermaßen abscheulich zu finden. ein kleiner hinweis: in israel leben ebenfalls menschen. und die gehen auf die straße um gegen krieg und die eigene regierung zu demonstrieren. das würde ich auch gerne mal in gaza sehen.

Der Krieg soll nicht gewonnen werden, er soll ewig dauern

Ein Krieg den man nicht verlieren kann ist schon praktisch.

na bumm

schreib das als Posting und du bist im Foromat bis Jahresende rot lackiert

und was haben wir hier gelernt:

isr ist an allem schuld, die hamas an garnichts.
rechte der isr auf sicherheit sind nicht relevant.

und: die position der mehrheit der isr, die unter dem beschuss durch die pal leiden darf NIEMALS in die westlichen medien kommen. in diesen blog jedenfalls hat sie es noch nie geschafft.
es könnte ja jemand auf die idee kommen, dass sie recht haben. also immer brav ausschließlich die gegenseite präsentieren - und das mit knackigen überschriften,

gratulation an den standard zu dieser "fair and balanced" berichterstattung.

Extralegale Tötungen genau dann einzusetzen, wenn eine Deeskalation der Lage - eine Waffenruhe - in Reichweite ist, hat nicht so sehr etwas mit primären Sicherheitsinteressen zu tun, sondern mit handfesten strategischen Überlegungen.

(c) der Standard

1) "Ausgelöst wurde die jüngste Gewalt durch den Beschuss einer israelischen Patrouille durch radikale Islamisten."

(c) der Standard

2) die gezielten tötungen, die isr vornimmt sind NICHT extralegal:

"Wer als Angehöriger einer nichtstaatlichen bewaffneten Gruppe (z.B. Taliban) regelmäßig an Kämpfen teilnimmt, darf auch außerhalb akuter Kampfhandlungen nachts im Bett von einer ferngelenkten Drohne getötet werden, ausser eine Festnahme wär gefahrlos möglich. Dies ist die Sichtweise eines Rechtsgutachtens des Roten Kreuzes."

http://www.taz.de/1/archiv/... 3/02/a0005
http://www.icrc.org/eng/resou... 020609.htm

Genau, den wenn man als Terrorist geranntmarkt ist ist man automatisch ein mensch zweiter Klasse...

Bravo!

Mit Ihnen als Verhandler kommt sicher der frieden!

Ich bin Recht, als darf ich töten (Morgen gehe ich dann in die Kirche/Moschee/Synagoge und lasse mir mein ach so gerechtes leben auch noch von oben absegnen)... so schön einfach kann alles sein, nicht?

Es gibt auf beiden Seioten hardliner, aber nur weil man die Möglichkeit hat, gleich auch alles auszunützen, gerade in dieser Phase, wo tatsächlich so etwas wie 'ruhe' in Aussicht stand... wie dumm kann man eigentlich sein?

Es mag sein, das diese Tötung vor der Weltöffentlichkeit legal war, aber ob sie den Zweck erfüllt hat? jetzt kommt halt wieder ein neuer... Naja, kein probnlem. der neue ist ja Terrotrist, also auch wieder Töten bis zum sankt nimmerleinstag...

1) dazu haben sie nichts zu sagen? das sagt uns viel.

2) wenden sie sich ans rote kreuz wenn ihnen die rechtslage nicht passt.

aber tip: es hat gute gründe, dass das internationale recht die gezielte tötung von kombattanten eher gutheisst als die gezielte tötung von zivilisten.
auch wenn das in diesem "diskurs" immer gleichgemacht wird.

3) ruhe stand in aussicht - wurde aber von den pal nicht geschätzt (-> 1). stattdessen schießen sie jetzt raketen auf tel aviv.
deeskalation sieht anders aus.

geschickt verdreht, Makronaut...

Ich lese das aus obigem Artikel ÜBERHAUPT nicht heraus.

Ich lese vielmehr eine Kritik der inner-israelischen Wahlkampfstrategien.

Oder ist das nach Ihrer Auffassung in die Kategorie "Antisemitismus" zu reihen? Scheint mir fast so... ???

wie gesagt: es kommen AUSSCHLIESSLICH isr-kritische stimmen zu wort.
es ist ein alter trick, dass nur die seite sympathieen bekommt, die vorgeslellt wird. dass in asdod und shkelon auch menschen leben wie sie und ich, wird marginalisiert, weil diese ihre ansichten und ihr leben also soches nicht vorstellen dürfen.

DAVON lebt dieser blog, und sie fallen darauf herein.

Sie sollten vielleicht Welt.de lesen. Da kommt nur die israelische Seite zu Wort. Bilder aus Gaza gibt es nicht.

was interessiert mich die welt? es geht mir nicht darum, was ich lese, sondern mit was die breite bevölkerung - und auch sie persönlich - "versorgt" wird.
ihre ressentiments kommen ja nicht von ungefähr.

q.e.d.

und was lehrt 'Makronaut'...?

...sprichwörtliche Lehren wie z.B. ***You can't eat your cake and have it too*** hat für die Israel (warum auch immer...) keine Gültigkeit.
ganz im Gegenteil: Israels relevantes Recht ist es sich einen Kuchen einzuverleiben und ihn dann auch noch größer und größer werden zu lassen!

daher den fair and balanced Lehrer 'Makronaut' anders gefragt:

Nennen Sie doch nur einen einzigen Grund warum für die - Art und Weise... der Gründung Israels sowie den daraus resultierenden Folgen... nicht die Zionisten verantwortlich sein sollten?

...nachdem isr zb anerkanntermaßen eine direkte folge der shoah ist, sind ihrer meinung nach die zionisten für die shoah vernatwortlich.

danke. keine weiteren fragen.

nebenbei bin ich beeindruckt, dass das bei 44 roten strichen das EINZIGE ausformuliert gegen"argument" sein soll...

o_O

Die Balfour-Deklaration war lange vor der Shoah.

isr ist auch eine direkte folge der balfour erklärung. aber ohne wk2 hätte es nie den un-teilungsplan gegeben - isr würde ohne wk2 also nicht existieren.

ansonsten siehe antwort auf marlowe.

weiteren Fragen...

...ad 'direkte folge der shoah' siehe kurz mein posting vom 24.7.2012 um 16:17

http://derstandard.at/plink/134... id27134822

siehe auch: Nahum Goldmann, Israel muß umdenken:
Zwei Kriege waren nötig, um Israel zu gründen...

daher anders gefragt: Nennen Sie doch nur einen einzigen Grund warum (lange vor der Shoah...) für die - gelinde gesagt - Geschichtsklitterung 'Ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land...' - sowie den daraus resultierenden Folgen... nicht das letztendliche Tun und Handeln der Zionisten verantwortlich ist?

1) sie implizieren mit der "nötigkeit" der kriege, dass diese von den zionisten verursacht wurden. passt perfekt zu meinem punkt eins weiter oben - danke für diese weitere ausführung.

2) sie wissen schon, was die ursache für die zionistischen kongresse war, oder?

antisemitiscmus wurde nämlich nicht erst von den naz!s erfunden! nein! den gab es vorher auch schon! in europa und auch im arabischen raum!

-> aber für den sind die j: schließlich auch verantwortlich, damit ihre "argumentation" funktioniert.

q.e.d.

q.e.d...

***1) sie implizieren mit der "nötigkeit" der kriege...***
abgesehen davon, dass 'marlowe' z.B. definitiv nicht Nahum Goldmann ist... usw. usf...

Fazit:

'Makronaut' versucht bezüglich des Palästina Konflikts nicht einmal ansatzweise bei einem der zur Dispositon gestellten Aspekte eine Falsifikation.
warum wohl?

anders formuliert:
Eine Argumentation die funktioniert wird nicht dadurch widerlegt dass man zynisch lamoyant eins draufsetzt!

1) sie bringen akso argumente und distanzieren sich dan von diesen argumenten?

na dann!

2) keine falsifikation? im gegenteil. aber sie distanzieren sich einfach von dem von ihnen vorgebrachten und dann von mir falsifizierten argument.

und sonst haben sie ehrlich gesagt keine argumente.

versuchen sie es also noch einma! gegen sie sich nicht auf! 8-)

die linken zionisten waren und sind aber nicht das problem.

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