Sanfter Druck nach Telekom-Kurssprung

Aus dem Gutachten in der Causa Telekom-Kurs erschließen sich die Geldströme an Aktienkäufer Wanovits

Der Richter für die Causa Telekom-Kurssprung steht fest. Strafrichter Michael Tolstiuk wird die Sache, in der die Ex-Telekom-Chefs Rudolf Fischer, Stefano Colombo, Heinz Sundt, ein weiterer Telekom-Manager und Euro-Invest-Banker und Broker Johann Wanovits wegen Untreue (bzw. Beihilfe) angeklagt sind, ab Anfang 2013 verhandeln. Wanovits gibt zu, dass er für seine Dienste (er hat kursfördernderweise Aktien gekauft) 600.000 Euro bekommen hat, strafrechtliche Relevanz bestreitet er. Auch die übrigen Angeklagten weisen die Vorwürfe um den - für die Prämienauszahlung an leitende Manager existenziellen - Kurssprung der Telekom-Aktie Anfang 2004 zurück.

Risikoprämie für den Helfer

Im Prozess wird jenes 212-seitige Gutachten eine Rolle spielen, das Sachverständiger Matthias Kopetzky auftrags der Staatsanwaltschaft Wien erstellt hat. Darin werden die Geldflüsse von der Telekom Austria (TA) zu Peter Hocheggers Hochegger.com bzw. Valora und weiter an Wanovits genau nachgezeichnet. Laut Gutachten hatte Wanovits für den TA-Deal "eine Risikoprämie von einer bis 1,5 Mio. Euro" vereinbart. Bekommen habe er 953.000 Euro.

2004 seien 563.000 Euro in bar geflossen, 2008 und 2009 habe der "Bankier" (Anklage) noch einmal insgesamt 390.000 Euro kassiert.

Warum das Geld via Valora laufen musste, erklärte Ex-TA-Manager und "Kronzeuge" Gernot Schieszler in einer Einvernahme: Wegen der öffentlichen Aufregung um den Kurssprung und der Untersuchungen der FMA "kamen wir auf die Idee, fingierte Geschäftsfälle mit Hochegger abzuwickeln, um die Zahlungen durchführen zu können".

Die Valora beschreibt Gutachter Kopetzky sehr bildhaft: "Sie ist eine Kassa, die auch Geldaufbewahrungsfunktion hat. ... Sie wurde den Möglichkeiten entsprechend laufend ,präventiv' gefüllt. Hochegger zahlte aus, wenn die Kassa entsprechend dotiert war, wofür die TA rechtzeitig zu sorgen hatte."

Sanft

2004 (Schieszler: "Wanovits begann 'sanften Druck' auf mich auszuüben, nachdem alle glücklich waren, dass die Prämien ausbezahlt werden") hob Lobbyist Hochegger erstmals das Wanovits zugedachte Geld von seinen Konten ab. Bloß ein Beispiel aus dem Gutachten: Am 7. Juli 2004 holte Hochegger 50.000 Euro von seiner Bank ab, am 8. Juli 69.000 und 144.000 Euro; macht 263.000 Euro. Die erste Geldübergabe an den von seinen Freunden "Wani" genannten Broker fand "um den 8. Juli" statt: 263.000 Euro. 250.000 Euro folgten am 18. Oktober.

Gerüchte, wonach Schieszler und ein TA-Kollege etwas von dem Geld abbekamen, bestreitet Wanovits. Warum die TA-Manager Wanovits selbigem das Geld immer zu zweit übergaben, erklärte Schieszler so: "Zur Einhaltung eines gewissen Vieraugen-Prinzips". Schieszler gilt in diesem Prozess übrigens als Zeuge; sein Verfahren wird gesondert geführt.

Ab 2008 soll Wanovits sein Geld dann über Energiestudien für die Valora kassiert haben, schreibt Kopetzky. 2008 seien der Euro Invest 175.000 Euro überwiesen worden, 125.000 Euro der Donlon GmbH, an der Wanovits bis 2009 beteiligt war. 2009 kassierte Donlon 90.000 Euro von der Valora.

Gutachter und Ankläger bezweifeln, dass diese 390.000 Euro wirklich für Studien flossen - Wanovits beteuert es dagegen. Aus dem Gutachten: Mangels Unterlagen sei "indiziert, dass diese Geldflüsse ebenfalls als Teil der Gesamtrisikoprämie für die Aktieneinkäufe" zu sehen seien.
 (Renate Graber, 15.11. 2012)

Share if you care
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.