Sprit und Wohnen heizen Inflation weiter an

15. November 2012, 11:57
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Die anhaltende Dynamik bei Sprit- und Nahrungsmittelpreisen lässt die Rate auf 2,8 Prozent steigen

Wien - Ein starker Anstieg der Wohn- und Energiekosten sowie die anhaltende Dynamik bei den Sprit- und Nahrungsmittelpreisen hat die Inflation in Österreich im Oktober noch weiter steigen lassen. Im Jahresabstand lag das Preisniveau um 2,8 Prozent höher, nach 2,7 Prozent im September, wie die Statistik Austria am Donnerstag mitteilte. So kräftig zugelegt hatte der VPI zum letzten Mal im Jänner mit ebenfalls 2,8 Prozent.

Bedeutendster Preistreiber im Oktober war im Jahresabstand der Bereich "Wohnung, Wasser und Energie" mit 3,0 Prozent, während Treibstoffe um 7,9 Prozent teurer kamen und Nahrungsmittel im Schnitt um 3,1 Prozent mehr kosteten.

Steigende Inflation im Gesamtjahr

Die Inflationsrate könnte in Österreich heuer im Gesamtjahr auf zirka 2,5 Prozent ansteigen, mehr als die 2,3 Prozent, die noch Ende September vom Wirtschaftsforschungsinstitut und dem IHS prognostiziert worden sind. Dies sagte Wifo-Experte Marcus Scheiblecker am Donnerstag.

Bei der absehbaren Korrektur nach oben handle es sich aber nur um eine "numerische Anpassung" und um keine substanzielle Änderung, betonte Scheiblecker: Qualitativ bleibe das Bild gleich, denn es sei für 2013 weiterhin von einer Mäßigung der Inflation auszugehen. Grund dafür sei die schwache Konjunktur, die die Energiepreise zurückgehen lassen dürfte - wie dies schon die Spritpreisrückgänge im Oktober und jetzt im November gezeigt hätten. Auch die anhaltende Seitwärtsentwicklung des Konsums spreche nicht für einen Energiepreisanstieg.

Klar sei, dass die Inflation ärmere Schichten der Bevölkerung stärker treffe, so Scheiblecker, dies zeigten auch die deutlicheren Preisanstiege beim Mikrowarenkorb, dem typischen Tageseinkauf (ohne Sprit), um 3,5 Prozent binnen Jahresfrist. 

Überraschung

Dass die Inflationsrate insgesamt im Oktober weiter angestiegen ist von 2,7 auf 2,8 Prozent, kommt für den Wifo-Experten überraschend: "Ich hätte eher mit einem Gleichbleiben oder einem Rückgang gerechnet." Vor allem der deutliche Mietenanstieg sei nicht ganz erklärbar: "3,9 Prozent ist viel", aber auch die AK habe zuletzt ja auf die Verteuerungen in diesem Bereich hingewiesen, die aus seiner Sicht hausgemacht seien.

Pensionistenhaushalte

Der für Pensionistenhaushalte ermittelte Preisindex legte im Jahresabstand ebenfalls kräftig um 2,8 (2,7) Prozent zu. Der für die Eurozone errechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) Österreichs lag im Oktober 2012 sogar um 2,9 (2,8) Prozent über Vorjahr. Im Monatsabstand erhöhten sich der nationale VPI und der Pensionisten-Preisindex im Oktober um 0,2 Prozent, der österreichische HVPI um 0,3 Prozent.

EU-Inflation

Die Inflationsrate in der EU ist im Oktober gegenüber dem Vormonat von 2,7 auf 2,6 Prozent gesunken. Die Eurozone wies laut jüngsten Daten von Eurostat ebenfalls eine Reduktion der Teuerung von 2,6 auf 2,5 Prozent auf. Die höchsten Inflationsraten gab es im Oktober - verglichen mit Oktober 2011 - in Ungarn mit 6,0 Prozent. Dann folgen Rumänien (5,0), Estland (4,2), Slowakei (3,9), Tschechien (3,6), Spanien und Finnland (je 3,5), Polen (3,4), Niederlande (3,3), Slowenien, Luxemburg, Litauen und Malta (je 3,2) und Bulgarien (3,0). Österreich (2,9) liegt am 15. Platz innerhalb der EU-27. Dahinter kommen Italien (2,8), Großbritannien (2,7), Belgien und Zypern (je 2,6), Dänemark (2,3), Deutschland, Frankreich, Irland und Portugal (je 2,1), Lettland (1,6), Schweden (1,2) und Griechenland (0,9).

Die Hauptkomponenten mit den höchsten jährlichen Raten waren Verkehr (4,1 Prozent), Alkohol und Tabak sowie Wohnung (je 4,0). Billiger wurde die Nachrichtenübermittlung (-3,5 Prozent). (APA/red, 15.11.2012)

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