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Die Unterkühlung kann bei Lawinenopfern die Lebenschancen erhöhen.
Innsbruck/Bozen/Ottawa - Eine Behandlung in Spezialkliniken erhöht die Überlebenschance von Unterkühlungsopfern. Zu diesem Schluss kommt ein kanadisch-tirolerisches Forscherteam rund um den Innsbrucker Intensivmediziner Peter Paal und dem Leiter des Instituts für Alpine Notfallmedizin an der EURAC in Bozen, Hermann Brugger. Dafür soll auch ein längerer Transportweg von mehreren Stunden in Kauf genommen werden.
Die Gruppe hat Richtlinien zur Behandlung von Unterkühlungsopfern ausgearbeitet, die eine signifikante Verbesserung der Überlebensrate versprechen würden. Die Erkenntnisse werden am 15. November im New England Journal of Medicine veröffentlicht und seien aus den weltweit verfügbaren Studienergebnissen abgeleitet. Insbesondere stützten sich die Wissenschaftler auf die in den vergangenen drei Jahrzehnten an der Innsbrucker Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin durchgeführten Studien und gesammelten Erfahrungen. In Innsbruck würden immerhin pro Jahr zehn bis 20 Prozent aller Lawinenopfer in Europa behandelt.
Obwohl in den Alpen im Jahr durchschnittlich 100 junge und gesunde Sportler durch Lawinenabgänge sterben und in den USA jährlich 1.500 Menschen an den Folgen einer Unterkühlung zu Tode kommen, habe es bisher keine umfassenden und gesicherten Richtlinien für die Bergung, den Transport und die Behandlung gegeben, so die Experten.
Die wichtigste Erkenntnis: Unterkühlungsopfer (Körpertemperatur unter 28 Grad Celsius) haben "sehr gute Chancen", einen Herzstillstand ohne bleibende Schäden zu überleben, wenn sie in ein spezialisiertes, mit modernen Wiederbelebungsmaschinen ausgestattetes Schwerpunktkrankenhaus gebracht werden. Dort könne die erforderliche Körperwärmung und Herzaktivität durch eine Herz-Lungenmaschine oder ein kleines System wie die Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) erfolgen. Bei diesen intensivmedizinischen Methoden übernimmt eine Maschine die Herz- und Atemfunktion der Patienten.
Die aktuelle Analyse zeige, dass dadurch die Überlebenschance auf bis zu 50 Prozent erhöht werden könne. Im Gegensatz zur traditionellen, invasiven Methode, bei der Brustkorb oder Bauchdecke geöffnet werden, um die Patienten von innen mit Flüssigkeitsspülungen wiederzuerwärmen. Hier würden die Überlebenschancen lediglich bei zehn Prozent liegen.
"Wir wissen, dass die Lebensfunktionen bei stark Unterkühlten unter guter kontinuierlicher Herz-Lungen-Wiederbelebung auch nach Stunden vollständig zurückkehren können", betonten die Autoren Brugger und Paal. Der derzeitige "Weltrekord" liege bei einem Unterkühlungsopfer im Herzstillstand bei sechseinhalb Stunden Herz-Lungen-Wiederbelebung. Dieser habe unbeschadet überlebt. Bei "tief" Unterkühlten könne deshalb auch eine mehrstündige Herz-Lungen-Wiederbelebung sinnvoll sein.
Wichtig sei, dass der Körper zuerst abkühlt, damit in einen Konservierungszustand übergeht und dann erst der Herzstillstand eintritt. Damit könne ein Herzstillstand für länger als 30 Minuten statt der erfahrungsgemäßen fünf Minuten überlebt werden. Die Hoffnung sollte daher keinesfalls zu früh aufgegeben und ein längerer Transportweg vorbei am ersten kleinen Krankenhaus direkt hin zu einem Zentralkrankenhaus mit Herz- Lungenmaschine oder ECMO in Betracht gezogen werden. (APA, 15.11.2012)
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